Kreis-Gesundheitsausschuss: Anzahl der Beatmungsplätze zu Beginn der Krise verdoppelt

„Kreative Lösungen“ führen zum Erfolg

Bei einem schweren Verlauf einer Corona-Infektion müssen Patienten oft künstlich beatmet werden. 
Symbolfoto: dpa
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Bei einem schweren Verlauf einer Corona-Infektion müssen Patienten oft künstlich beatmet werden. Symbolfoto: dpa

Wildeshausen – Als Dr. Leonhard Hamschmidt, ärztlicher Leiter des Gesundheitsamts des Landkreises, seinen Vortrag zum Verlauf der Coronakrise im Landkreis Oldenburg begann, war den meisten seiner Zuhörer im Kreis Sozial- und Gesundheitsausschuss noch nichts von den positiven Testergebnissen der 23 Wildeshauser Geestland-Mitarbeiter bekannt. Erst später merkte er an, dass es zu einen Ausbruch von Corona-Infektionen in einem Schlachtbetrieb im Landkreis gekommen sei (wir berichteten). Sozialdezernent Jürgen Ohlhoff kündigte daraufhin an, dass es bereits eine Pressemitteilung zu dem Vorfall gebe, die in Kürze veröffentlicht werde.

Die Beschaffung von Schutzmaterial und Atmungsgeräten sei am Anfang der Krise das „zentrale Problem“ gewesen, berichtete Hamschmidt. Insbesondere die Beschaffung – nicht zuletzt aus dem Ausland – habe nach „kreativen Ideen“ verlangt, um dem bestehenden Ressourcenmangel zu begegnen. „Das war teilweise wie auf einem Basar.“ Zehn Beatmungsplätze hätten eingangs zur Verfügung bestanden. Zehn weitere dieser Maschinen für eine vorübergehende Beatmung haben beschafft werden können, sodass im Kreisgebiet letztlich 20 Beatmungsplätze zur Verfügung gestanden haben. Dafür hätten alle Beteiligten an einem Strang gezogen.

Neben dem Johanneum habe die Kreisverwaltung eine Zusammenarbeit mit den Krankenhäusern Stenum (Personal) und dem Josefs-Hospital-Delmenhorst (Beatmungsplätze) vereinbart. In Delmenhorst sei die Kapazität von 16 auf 46 Maschinen erhöht worden, eine „gewaltige Ausweitung“, so Hamschmidt. Ein weiterer Zukauf von „rudimentären Geräten“ im Kreis sei später gestoppt, stattdessen drei Geräte für einen dauerhaften Einsatz geordert worden. Seit Ende März bis Anfang Juni seien die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes in einer Sieben-Tage-Woche dauerhaft im Schichtbetrieb im Einsatz gewesen: täglich von 6.30 bis 20 Uhr. Unterstützung haben sie unter anderem von anderen Abteilungen der Kreisverwaltung erhalten.

Wie die Zusammenarbeit des Kreises mit der Landesregierung verlaufen ist, wollte Michael Grashorn aus der Gemeinde Hude wissen. Er gehört dem Ausschuss als beratendes Mitglied an. „Manche Verordnungen kamen erst kurz vor Toresschluss“, berichtete Hamschmidt, „und das ist noch übertrieben.“ Teilweise hätte die Verwaltung nur zwei Stunden für eine Stellungnahme gehabt. Und dergleichen sei nicht die Ausnahme gewesen: „Das war schlecht, was das Land da gemacht hat“, urteilte der Mediziner hart. „Die Abstimmung mit dem Land war katastrophal.“

Die Zahlen, die in dem Zusammenhang mit der Pandemie immer wieder genannt werden, geben den Verlauf gegenwärtig nur ungenau wieder, erläuterte er: Da bei manchen Menschen die Infektion nur mit wenigen oder sogar gar keinen Symptomen einhergehe, lasse sich die Gruppe der Infizierten dadurch nicht genau benennen. Das gelte auch für die Letalität, also die „Tödlichkeit“ der Krankheit. Jeder Sterbefall werde dahingehend noch den Auswirkungen des neuartigen Virus zugeschlagen.

Genauere Angaben seien jedoch erst im kommenden Jahr möglich – anhand der „Übersterblichkeit“: Dieser Begriff bezeichnet die erhöhte Sterberate einer Bevölkerungsgruppe im Vergleich zu den Durchschnittszahlen. Gegenwärtig werde die Letalität des Corona-Erregers auf zwischen 0,25 und zwei Prozent geschätzt. Bei Ebola seien es 50 bis 70 Prozent der Infizierten, die eine Infektion nicht überlebten. So ernst die Lage gegenwärtig auch sei: „Es ist eine Krise, keine Katastrophe“, so Hamschmidt. Wie gravierend diese ist, werde sich allerdings erst später anhand von vergleichenden Daten aus dem Wirtschafts- und Bildungssystem sowie der Sterberate ablesen lassen.

Der Mediziner unterstrich die Bedeutung eines Mund-Nasen-Schutzes und der Abstandsregeln im Kampf gegen die Ausbreitung: Ohne diese seien die genannten Zahlen „nicht zu halten“. Eine gefährdete Gruppe seien Menschen im Alter ab 70 Jahren. „Ab 80 wird es schwierig“, so Hamschmidt weiter. Vorerkrankungen seien eher „nachrangig“ zu bewerten. In diesem Zusammenhang betonte er noch einmal die Bedeutsamkeit der genannten Maßnahmen: „Es geht dann auch darum, die Ältesten zu schützen.“

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