Don Kosaken bringen Kirchenmauern zum Beben

Ernteten für ihren Auftritt jede Menge Bravo-Rufe: die Don-Kosaken-Sänger. Foto: Rinne

Wildeshausen – Der „Don Kosaken Chor Serge Jaroff“ sorgte bei seinem Gastspiel in der Wildeshauser Alexanderkirche für Jubelstürme. Seit fast einem Jahrhundert eilt dem Chor ein legendärer Ruf voraus. Am Samstag bewiesen die 16 Sänger mit ihrer Stimmgewalt und Musikalität, dass dieses Image berechtigt ist.

Dabei spannten die Mitglieder den Bogen von anfangs geistlicher Musik bis hin zu volkstümlichen Weisen aus dem russischen Kulturkreis. Ein Repertoire, das der Gründer Serge Jaroff über Jahrzehnte geprägt hat. Sein Nachfolger Wanja Hlibka pflegt das Erbe des Chorgründers seit 1991. Er besitzt alle Partituren von Jaroff und hat 1991 die Namensrechte von der Agentur Jaroffs erhalten. Allerdings war Hlibka am Samstagabend in Wildeshausen nicht dabei. Vladimir Pazdriy leitete den Chor mit minimalistischen Gesten. Zum fast übermächtigen Fortefortissimo reichte eine kleine Handbewegung des Dirigenten. Auch wenn jeder der Männer eine fundierte Gesangsausbildung genossen hat, taten sich einzelne in den Vorträgen mit Soloeinlagen hervor und offenbarten eine unglaubliche stimmliche Bandbreite – vom schwärzesten Bass bis hin zur Tonlage eines Countertenors.

Bemerkenswert, dass in der Messe die Zeile „Herr erbarme dich unser“ 75 Mal hintereinander in zungenbrecherischer Geschwindigkeit gesungen wurde. Der A-capella-Chor imitierte auf perfekte Art einen sinfonischen Orchesterklang. Weitere Höhepunkte des ersten Konzertteils waren Rachmaninows „O Herr wir singen Dir“ und „Die Glocken von Jerusalem“ von Serge Jaroff. Getragen von der Akustik des Gotteshauses geriet die Stimmgewalt der Sänger das eine oder andere Mal an die Schmerzgrenze einiger Besucher. Es ist zwar beeindruckend, dass 16 Kehlen die Kirchenmauern fast zum Beben bringen können, doch haben es die Künstler mit ihren feinen Stimmen nicht nötig, den Lautstärkepegel zu überreizen. Bereits zur Pause gab es für den Chor Bravo-Rufe.

Der zweite Teil begann weltlich und volkstümlich. Die Minen der in Kosakenuniform gekleideten Sänger wirkten nicht mehr so ernst. Mit dem Lied „Auf einem russischen Jahrmarkt“ zog eine fröhlich lockere Atmosphäre in das Gotteshaus ein. Natürlich fehlten im Verlauf des Konzertes die Klassiker „Abendglocken“, „Roter Sarafan“, „Grünes Gras“ und „Kalinka“ sowie „Eintönig klingt hell das Glöckchen“ nicht. Immer wieder stachen die Solisten heraus.

Das Publikum war nun restlos begeistert. Am Ende entließen die gut 200 Besucher die Don Kosaken nicht ohne Zugabe. Die geriet mit dem Choral „Ich bete an die Macht der Liebe“ zum emotionalen Höhepunkt des Abends. „Es war ein sehr schönes Konzert. Ein sehr guter Klangkörper mit herausragenden Solisten. Jeder, der Chormusik mag, sollte sich die Don Kosaken live anhören“, meinte Hermann Cordes und stand mit seiner Meinung sicherlich stellvertretend für die meisten Konzertbesucher.  hri

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Urteil: NPD-Demo gegen kritische Journalisten ist zulässig

Urteil: NPD-Demo gegen kritische Journalisten ist zulässig

Max (14) stirbt nach Zusammenstoß mit Raser - Bilder von Lichterketten-Aktion

Max (14) stirbt nach Zusammenstoß mit Raser - Bilder von Lichterketten-Aktion

Trump will bei möglichem Impeachment-Votum Prozess im Senat

Trump will bei möglichem Impeachment-Votum Prozess im Senat

Xi: China will Handelsdeal mit USA - kann aber auch kämpfen

Xi: China will Handelsdeal mit USA - kann aber auch kämpfen

Meistgelesene Artikel

Erinnerung und Mahnung zugleich

Erinnerung und Mahnung zugleich

Weiden werden weiter wachsen

Weiden werden weiter wachsen

Deutsche Meisterschaft: „Paradiesvögel“ holen den Titel

Deutsche Meisterschaft: „Paradiesvögel“ holen den Titel

Unterschlagung in der Verwaltung: Mitarbeiterin entwendet mindestens 85.000 Euro

Unterschlagung in der Verwaltung: Mitarbeiterin entwendet mindestens 85.000 Euro

Kommentare