Konzert zum Jahreswechsel/Ehepaar Grössler beleuchtet mit Musik kritisch-humorvoll topaktuelle Themen

Bach – ein zeitloser Weltmeister des Pops?

Einmal mehr begeisterten die Eheleute Grössler die Besucher mit ihrem Konzert.
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Einmal mehr begeisterten die Eheleute Grössler die Besucher mit ihrem Konzert.

Wildeshausen - Von Anja Nosthoff. Klassisch, poppig, kirchlich und dabei gleichzeitig zeitlos sowie topaktuell präsentierte sich das traditionelle Silvesterkonzert in der Wildeshauser Alexanderkirche, mit dem Kantor Ralf Grössler und seine Frau Dagmar Grössler-Romann ihren ganz eigenen Rückblick auf das vergangene Jahr warfen – und zwar unter dem Motto „Wir sind Weltmeister“. Dabei bezogen sich die Musiker allerdings nicht nur auf die Fußball-WM.

Die Fangemeinde des Ehepaares freute sich zu Recht wieder auf Lieder, Musik und Texte zum Zuhören, Mitsingen, Lachen und Nachdenken: Das Kirchenschiff war rappelvoll, und spätestens der tosende Schlussapplaus bewies, dass die Silvesterkonzertbesucher nicht enttäuscht nach Hause gingen. „Das ist ein riesiges Geschenk, das uns das Ehepaar Grössler jedes Jahr wieder macht“, zog eine Zuhörerin nach dem Konzert mit noch leuchtenden Augen ihr begeistertes Fazit. Und für dieses musikalische Geschenk zum Jahresabschluss sorgen die Grösslers immerhin schon seit mehr als 15 Jahren.

Grössler-Romann spielte das Vibraphon und war auch trommelschlagend am Rhythmusinstrument zu hören, während die Finger ihres Mannes mal über Orgel, mal über Klavier flogen. Auch seine Stimme ließ Kantor Grössler einige Male durch das Kirchenschiff klingen und hatte sich dafür stets Stücke mit Texten ausgesucht, die in Kombination mit der Musik durch Witz und Gefühl ihren Weg in die Köpfe und Herzen der Zuhörer sicher nicht verfehlten. Aber nicht nur zum Zuhören war das Publikum aufgefordert, es boten sich auch mehrere Gelegenheiten zum Mitsingen und „Mithotten“, wie Grössler sich ausdrückte.

Zum Beispiel, als der Zuschauerraum sich bei „Was für ein Traum“ – einem der Mottolieder des evangelischen Kirchentages 2015 in Stuttgart – in eine Bühne für einen riesigen Gospelchor verwandelte. Niemand zögerte, sich für den Auftritt von der genießerischen Sitz- in die dynamische Stehposition zu begeben.

Das musikalische Schmuckstück der Kirche, die Orgel, erweckte Grössler gleich zu Anfang des Konzerts zum Leben – mit Stücken von Jeremiah Clarke und Johann Sebastian Bach. Dann bezog das Ehepaar die Altarraum-Bühne an den bereitstehenden Instrumenten Klavier und Vibraphon. In der nicht gerade gewöhnlichen Kombination verzauberten Stücke von Henry Purcell und Cesar Franck das Publikum. Außerdem bewies das Ehepaar mit seinem Zusammenspiel, dass Bach tatsächlich ein zeitloser Weltmeister der Pop-Musik und auch in der heutigen Zeit topaktuell ist.

Grössler hatte in seiner Moderation durch das Konzert auch thematisch keine Schwierigkeiten den musikalischen Bogen beispielsweise von der Fußball-WM zur DDR und zum nun seit 25 Jahren vereinten Deutschland zu schlagen. „Zum Ausgang des Halbfinales las ich in der Presse: ‚Brasilien an deutscher Mauer zerschlagen‘“, berichtete Grössler und ließ dann noch einmal seine persönliche Erfahrung des Mauerfalls Revue passieren. „Ich hörte davon während einer Autobahnfahrt von Wilhelmshaven nach Oldenburg im Radio und bereue es bis heute, dass ich nicht dem kurzen Gedanken nachgab, einfach im Auto sitzen zu bleiben und bis Berlin durchzufahren“, gab er zu.

Als Ausgleich huldigte Grössler während des Silvesterkonzerts noch einmal dem berühmten DDR-Liedermacher Gerhard Schöne mit dem Stück „Unterwegs“. „Denn ich glaube, die Nachtigall ist tatsächlich noch unterwegs – wir haben den Weg zu richtiger Solidarität immer noch nicht gefunden“, sagte Grössler und brachte dafür ein Beispiel aus seinem Kirchenmusikerleben an: „Warum verdienen unsere Kollegen im Osten für die gleiche Arbeit immer noch deutlich weniger?“, warf er die Frage in den Raum.

Mit dem Liedermacher Oliver Gies wandte sich Grössler dann auch dem Weltmeistertitel im Fleischverzehr zu und überlegte mit dem Lied „Ich ess gern Schnitzel“, ob karamellisierte Kakerlaken vielleicht den Klimawandel stoppen könnten. Trotz der ironischen Sichtweise legte der humorvolle Text doch die Notwenigkeit des Fleischverzichts und den Trend zum Vegetarismus dar. Mit Reinhard Meys „Liebe ist alles“ richtete Grössler dann noch seine Aufforderung an die Deutschen, doch auch mal Weltmeister im Lieben zu werden. Ein witziger Text von Herbert Grönemeyer beleuchtete dazu die Absurdität des Fremdenhasses und bot mit der beginnenden Freundschaft zwischen zwei Jugendlichen mit unterschiedlichen Hautfarben über einem Teller Gemüsesuppe, der vom eifersüchtig bewachten Eigentum zum lachend geteilten Mahl wird, ein Happy End.

Schließlich hielt Grössler mit einem Text von Eckart von Hirschhausen auch noch seinen persönlichen Tipp für die guten Neujahrsvorsätze der Konzertbesucher bereit: „Ein Pinguin wird auch nach sieben Jahren Therapie und Selbsterfahrung keine Giraffe werden: Erkenne deine Stärken und passe dein Umfeld an – gehe mit kleinen Schritten aus der Wüste, finde dein Wasser und dann spring ins Kalte.“

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