Schlägerei zwischen Geflüchteten vor Gericht

Kontrahenten reichen sich versöhnlich die Hand

Wildeshausen - Viel Fingerspitzengefühl der Amtsrichterin war am Dienstag erforderlich, als zwei Geflüchtete zur Verhandlung kamen, die im April in eine Schlägerei verwickelt gewesen waren. Nicht nur, dass beide nicht der deutschen Sprache mächtig waren und der Dolmetscher seine liebe Not mit der Übersetzung hatte, auch der Sachverhalt ließ sich nicht zweifelsfrei klären. Umso versöhnlicher war es, dass sich die beiden Männer am Ende der Verhandlung die Hand gaben und das Verfahren gegen eine Geldauflage in Höhe von 50 Euro zugusten des Vereins „Die Brücke“ eingestellt werden konnte.

Zahlen muss ein 33-jähriger Iraker, der im Oktober nach Deutschland gekommen war und seitdem in Wildeshausen lebt. Der Mann hat keine Duldung und wird voraussichtlich bald mit seiner Frau und den beiden Kindern Deutschland wieder verlassen müssen. Er hatte am 20. April zusammen mit seinem Freund eine Flasche Wodka ausgetrunken und beschloss dann, in den Burgbergpark zu gehen. Dort traf er offenbar auf drei Männer und geriet mit ihnen in einen Streit, bei dem er einem 25-jährigen Iraker kurdischer Herkunft die Nase gebrochen und Prellungen zugefügt haben soll. Seinen Angaben zufolge ging es darum, dass sein Freund beleidigt worden war, weil er Shorts trug. „Sie sagten, er sehe damit aus wie ein Zigeuner“, berichtete er vor Gericht. Es kam wohl zu weiteren Beschimpfungen, sodass der Streit eskalierte. Wie es zu den Schlägen kam, wusste der 33-Jährige nicht mehr. Den späteren Versuch einer Entschuldigung lehnte sein Kontrahent ab.

Dieser hatte die Schläge als grundlos empfunden und deshalb eine Versöhnung abgelehnt. „Wie soll ich ihm verzeihen?“, fragte er. Das ging dann aber im Gerichtssaal doch überraschend, als die Richterin das anregte. Der 25-Jährige wollte zudem keine Geldzahlung des 33-Jährigen annehmen und versöhnte sich mit seinem ehemaligen Gegner.

Angesichts der Körperverletzung konnte die Richterin allerdings nicht gänzlich auf eine Strafe verzichten. Da der Angeklagte kein Geld hat und das Land bald verlassen dürfte, verhängte sie die Auflage von 50 Euro, um die Schläge zu ahnden. Damit konnte sich auch die Staatsanwältin einverstanden erklären, denn wegen der schwierigen Beweisführung und der Sprachprobleme war nicht davon auszugehen, genug Licht in die Angelegenheit zu bringen, um zu einer Verurteilung zu kommen. 

dr

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