62 Zuhörer in Altona

Kommunikationsfallen erkennen - beim ökumenischen Männertalk

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Männertalk: Bernd Orlik, Rudolf Boning, Ralf Bergmann, Lars Löwensen und Bernd Lögering (v.l.).

Altona - Der ökumenische Männertalk erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Am Sonnabend versammelten sich 62 Männer im Hotel Gut Altona bei Wildeshausen, um nicht nur ausgiebig und gut zu frühstücken, sondern auch, um einen Vortrag mit einem höchst aktuellen Bezug zu hören.

Prof. Bernd Orlik – neben Pastor Lars Löwensen, Pastoralreferent Matthias Goldberg, Bernd Lögering und Rudolf Boning einer der Organisatoren – stellte der Männerrunde Prof. Ralf Bergmann als Referenten vor. Der Physiker ist Leiter des Instituts für angewandte Strahltechnik der Universität Bremen. Als Naturwissenschaftler beschäftigt er sich mit optischen Messverfahren. Neben der Physik gehören die Geisteswissenschaften zu seinen Leidenschaften. In seinem Buch „Gott und die Erklärung der Welt“ stellt er die Frage „Christlicher Glaube oder atheistische Weltanschauung: Was ist vernünftiger?“. Am Samstag referierte Bergmann unter dem Titel „Alles Lüge“ über Techniken der Manipulation. Wie erkennt man Manipulationen und wie kann man sich dagegen wehren?“

Das Feld der Manipulation teilte Bergmann in „Methoden der Manipulation im persönlichen Umgang“ und „Manipulationen im öffentlichen Raum“. Formulierungen wie „kleine Geschenke erhalten die Freundschaft“ (Gegenseitigkeitsfalle), „Sie würden mir doch zustimmen, dass“ (Konsistenzfalle) oder „Sie kennen ja unsere Qualität…“ (Bestätigungstrick) sollten jeden aufhorchen lassen. Dabei sei das nur eine Auswahl an psychologischen Manipulationstechniken. Hinzu kommen logische Manipulationsmethoden: „Die Situation ist alternativlos!“ (Schwarz-Weiß-Malerei), „Wenn wir erst einmal damit anfangen…“ (Präzedenzfalle), „Die Zahlen sind nicht anzuzweifeln“ (Tabuisierungstaktik) und viele mehr.

Bergmann nannte Leitlinien, die einen gewissen Schutz vor Manipulationen bieten können: 1. Selbst sachlich und fair bleiben. 2. Ruhig und gelassen bleiben. 3. Das Ziel nicht aus den Augen verlieren. 4. Auf wahrnehmbare Verhaltensweisen des gegenüber konzentrieren. 5. Den Weg zu einem konstruktiven Gespräch bahnen.

„Gerade, wenn die Position, Person oder Partei sympathisch ist, muss man besonders darauf achten, dass man nicht manipuliert wird“, stellte der Referent als Grundsatzgedanken in den Raum. Was einem nicht sympathisch sei, betrachte man eh kritischer. Aber auch in der Politik werde manipuliert. „Eine starke Behauptung ist besser als ein schwaches Argument“, laute ein wesentlicher Manipulationsgrundsatz. Die Fälschung von Beweisen für die Produktion von Massenvernichtungswaffen im Irak im Jahr 2003 durch den damaligen US-Außenminister wertete der Bergmann mit den Worten „Kriege werden oft oder fast immer mit Lügen begonnen“. Die politisch motivierte Manipulation bediene sich Methoden wie Verschweigen, Emotionalisieren, Moralisieren, Diffamieren Pauschalisieren sowie Lügen. Hinzu komme „Tarnen und Verwirren“, „Agenda Setting“ bis hin zur Gewaltandrohung.

Das alles gefährde die Demokratie, so Bergmann. Wenn Menschen mundtot gemacht werden, sei die Meinungsfreiheit in Gefahr. Als Beispiel nannte er die Verhinderung und Störung von Vorlesungen an Universitäten, die eigentlich ein Ort des Austausches von Argumenten sein sollten. „Innere Freiheit gewinnen. Konformität durchbrechen. Freie Rede wiedergewinnen, selbstbewusst für demokratische Rechte eintreten“, lauteten die Rezepte Bergmanns. Er bezog sich auf die Bibel „Die Wahrheit wird Euch frei machen!“, ein Zitat aus dem Johannes-Evangelium, Kapitel 8, Vers 32. „Wer nach der Wahrheit sucht, wird sich frei fühlen. Wer lügt, ist unfrei“, präzisierte Bergmann das Bibelzitat abschließend.

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