Jeder Gast kann die Ergebnisse von Lebensmittelkontrollen für Lokale anfordern

In den Kochtopf geguckt

Wer wissen will, was in Gaststätten los ist, kann Anträge auf Informationsgewährung stellen. symbolFoto: Imago

Wildeshausen - Von Ove Bornholt. Wer in Wildeshausen essen gehen will, hat die Qual der Wahl. Ob griechisch, italienisch, mediterran, gutbürgerlich oder einfach schnell etwas vom Imbiss – es gibt eine Reihe von gastronomischen Angeboten in der Stadt. Viele Gäste legen aber nicht nur Wert auf gute Preise und leckeres Essen, sondern auch auf Sauberkeit. Wer sich um Letztere besonders sorgt, kann die Ergebnisse von lebensmittelrechtlichen Kontrollen beim Landkreis Oldenburg anfordern. Unsere Zeitung hat getestet, wie gut dieses Verfahren funktioniert. Aus Rücksicht auf die persönlichen Daten der Wirte und Gastronomen werden an dieser Stelle aber keine Details der Kontrollberichte veröffentlicht.

Es ist der 9. September, an dem über das Internetportal „fragdenstaat“ Anträge auf Informationsgewährung für sechs zufällig ausgewählte Gaststätten in Wildeshausen an den Landkreis gestellt werden. Mithilfe des Vordrucks auf der „fragdenstaat“-Homepage ist das mit ein paar Mausklicks erledigt. Nur einen Tag darauf landet Post vom Landkreis im Briefkasten. Die Bearbeitung werde einige Zeit in Anspruch nehmen, teilt eine Mitarbeitern des Veterinäramts mit.

Ein paar Tage später ist erneut Post im Briefkasten, ein handschriftlicher Zettel. „Herr Ove Bornholt, wollen Sie wissen, wie es in unser Küche aussieht? Rufen Sie mich an.“ Das ging ja schnell. Die angeschriebenen Betriebe können Anträge stellen, woraufhin der Landkreis ihnen meinen Namen und Anschrift mitteilt – anonym ist hier also gar nichts, was fair ist. Schließlich will ich auch viel über die Wirte wissen.

Dann passiert erst einmal wochenlang nichts. Am 9. und 10. Oktober kommt jeweils ein dicker Briefumschlag, förmlich zugestellt mit Unterschrift. Darin wird mitgeteilt, dass dem Antrag auf Informationsgewährung jeweils stattgegeben wurde. Kosten entstehen mir keine. Jeder habe Zugang zu allen Daten über Abweichungen vom Lebensmittelgesetzbuch, begründet die Sachbearbeiterin die Entscheidung.

Ich entscheide mich, den Wirt meiner Stammkneipe, die zu den sechs Lokalen gehört, zu informieren. Die Freude hält sich in Grenzen. Kein Wunder, welcher Wirt will schon, dass die Gäste ihm derartig intensiv über die Schulter gucken? Ein paar Tage später klingelt es an der Haustür, als ich gerade einen freien Tag habe. Eine Person aus der Geschäftsführung eines der Lokale ist gekommen. „Sind Sie unzufrieden?“, will sie wissen. Im Betrieb herrsche Ratlosigkeit angesichts der Anfrage, die zum ersten Mal gestellt worden sei. Ich kann sie beruhigen, erkläre, dass es nur ein Test ist.

Dann, am 29. und 30. Oktober, also fast zwei Monate nachdem die Anträge gestellt wurden, landen die Berichte der beiden jeweils letzten lebensmittelrechtlichen Kontrollen im Briefkasten. Die Kontrolleure haben keinen einzigen Betrieb verlassen, ohne Mängel zu notieren. Bis auf einen Fall handelt es sich um als geringfügig eingestufte Probleme wie fehlende Seife auf der Mitarbeitertoilette, unsachgemäße Lagerung von Lebensmitteln oder technische Mängel an Geräten. Nur in einem Lokal war eine Nachkontrolle unter anderem wegen einer verunreinigten Küche erforderlich. Die Überprüfungen erfolgten meist im Jahresrhythmus.

Mein Fazit: Jede Menge Papierkram für den Landkreis, schlechte Stimmung bei den Wirten und ein kleiner Erkenntnisgewinn für mich – in jedem Betrieb gibt es Mängel. Ein schlechtes Gefühl habe ich deswegen beim Gang ins Restaurant trotzdem nicht. Wer bei einem Wirt mit Herzblut zu Gast ist, muss ihm ein Stück weit vertrauen. Ansonsten sollte man zu Hause bleiben.

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