Marie-Luise Lehnhof aus Wildeshausen trifft Elfjährige aus Detroit

Mit Knochenmarkspende Mädchenleben gerettet

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Jeremi Balzer, Marie-Luise Lehnhoff mit Sydney Balzer (Mitte), sowie die Eltern Jason und Stacy Balzer (r.) trafen sich in Wildeshausen.

Wildeshausen - Von Dierk Rohdenburg. Marie-Luise Lehnhof aus Wildeshausen ist Lebensretterin. Die 28-Jährige hat die damals neunjährige Sydney Balzer aus der Nähe von Detroit (Michigan) im Januar 2014 vor dem Tod nach einer Leukämie-Erkrankung bewahrt. Am Donnerstag kam Sydneys Familie nach Wildeshausen, um die Frau zu treffen, die das Mädchen mit einer Knochenmarkspende gerettet hat.

Marie-Luise holte die Familie vom Flughafen in Bremen ab. „Ganz schön spannend“, fand sie es, zumal die erste Kontaktaufnahme wegen einer Sperrfrist erst im März erfolgt war. „Aber ich freue mich sehr darüber.“

Als die damals noch in Colnrade lebende Frau sich 2010 typisieren ließ, war ihr nicht so recht bewusst, was das für Konsequenzen haben könnte. Vor sechs Jahren wurde nach einer Spenderin für Fenja aus Wildeshausen gesucht, die dann aber wenige Tage vor der Typisierung einen Spender fand.

Drei Jahre später erhielt Marie-Luise ein Päckchen, in dem sich Ampullen für eine weitere Analyse befanden. Sie ließ sich beim Arzt unter suchen. „Am Silvestertag 2013 bekam ich dann eine E-Mail, dass ich die perfekte Spenderin bin und mich mit einer Klinik in Köln in Verbindung setzen soll.“

Vier Wochen später, am 28. Januar, ließ sich die junge Frau einen Liter Knochenmark aus dem Beckenkamm entnehmen. Um 6.30 Uhr war die Operation, ein Bote brachte das Knochenmark zum Flughafen. Bereits einen Tag später wurde das lebensrettende Mark in den USA bei Sydney injiziert, drei Wochen später signalisierten die Ärzte: „Der Körper nimmt es an.“

Diagnose Leukämie im September 2010

Für Sydney war damit eine jahrelange Leidenszeit beendet. Im September 2010 hatte sie die Diagnose Leukämie bekommen. Bis zum Februar 2013 musste sie sich einer harten Chemotherapie unterziehen, dann jedoch galt sie als geheilt. Aber schon sieben Monate später brach die Krankheit erneut aus.

„Es gab zu diesem Zeitpunkt nur noch die Chance auf Heilung durch eine Knochenmarkspende“, erzählten die Eltern Stacy und Jason Balzer, die jetzt mit Sohn Jeremie in Wildeshausen sind. Die Höchstdauer einer Chemotherapie, in der Ärzte mit einer Heilung rechnen. war fast erreicht Somit blieb nicht viel Zeit.

Sydney wurde aufgrund ihres Schicksals zu einem bekannten Mädchen in den USA. Sie gab Interviews für Fernsehsender, ein großer Freundeskreis trommelte per Facebook, Zeitungen und Rundfunk dafür, möglichst viele potenzielle Spender zu finden. Es wurde das „Team Sydney“ gegründet.

Nach der erneuten Diagnose ging es dem Mädchen richtig schlecht, es gab immer wieder Rückschläge. Doch schon einen Monat später erhielt es die Nachricht, dass irgendwo auf der Welt eine potenzielle Spenderin gefunden wurde. Ende des Jahres gab es dann die Gewissheit, dass es exakt passte. Sydney musste in die Klinik, eine Woche lang bekam sie Bestrahlung, damit ihr Körper keine Abwehrreaktion zeigt. Dann wurde sie mit dem Mark behandelt.

„Seit diesem Tag hat Sydney eine neue DNA und eine neue Blutgruppe“, berichtet Mutter Stacy. Und Sydney hat einen zweiten Geburtstag, den Tag der Transplantation, bekommen.

Erster Kontakt zur Retterin zwei Jahre nach der Spende

Zwei Jahre nach der Knochenmarkübertragung besteht die Möglichkeit, dass sich Spender und Empfänger kennenlernen. Marie-Luise stimmte sofort zu, als sie die Anfrage der Deutschen Knochenmarkspenderdatei bekam. Im März gab es den ersten Kontakt, im April fragten die Balzers, ob sie nach Deutschland kommen dürften, und seit Donnerstag sind sie nun hier.

Marie-Luise erfuhr erst durch einen Blick auf die Facebook-Seite von Sydney, was diese vorher durchgemacht hatte. „Das war immer so weit weg“, sagt sie heute. Doch nun sei ihr die Bedeutung klargeworden, was eine völlig ungefährliche kleine Spende für eine Wirkung entfalten kann.

Zusammen mit den Balzers fährt sie am Sonnabend unter anderem ins Auswandererhaus nach Bremerhaven. Dort können die Gäste nach Vorfahren forschen, denn Jasons Verwandte kamen Anfang des 20. Jahrhunderts aus Süddeutschland und Stacys Vorfahren stammen sogar aus dem Raum Bremen. „Wir wollen auf jeden Fall den Kontakt aufrecht halten“, sagen die neuen Freunde. Und irgendwann wird Marie-Luise nach Detroit reisen. Vielleicht zum „neuen“ Geburtstag ihres genetischen Zwillings Sydney am 29. Januar.

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