Volker Kuhlmann erleidet schwere Behinderungen

Corona: Wildeshauser Arzt im Ruhestand entkommt knapp dem Tod

Weiß vieles nur aus dem Intensivtagebuch: Volker Kuhlmann lag wochenlang im Koma.
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Weiß vieles nur aus dem Intensivtagebuch: Volker Kuhlmann lag wochenlang im Koma.

Wildeshausen – Mehr als 40 Jahre lang war Dr. Volker Kuhlmann mit seiner (vor vier Jahren verstorbenen) Frau Babette als Mediziner weit über das normale Maß in seiner Praxis für die Menschen in der Kreisstadt da. Seit dem 27. Dezember 2020 war der 77-Jährige ein halbes Jahr lang selbst auf die intensive Hilfe von Ärzten und Pflegern angewiesen.

Und obwohl es Mediziner gab, die ihm keine Überlebenschance einräumten, kämpfte sich der Wildeshauser nach drei Lungenentzündungen, einem Luftröhrenschnitt, wochenlanger Beatmung und ebenso langem Koma durch und versucht jetzt, Stück für Stück in ein normales Leben zurückzukehren.

Volker Kuhlmann hatte Corona. Möglicherweise hat er sich Ende Dezember bei einem Kind angesteckt. Genau weiß das niemand – und es geschah, obwohl der Wildeshauser extrem vorsichtig war. Am 23. Dezember klagte er über Müdigkeit und Schwäche, am 25. Dezember konnte er kaum noch aufstehen, am 27. Dezember wurde er mit beginnender Lungenentzündung ins Krankenhaus Johanneum eingeliefert. Er kam auf die Isolier- und die Intensivstation, musste schließlich am 2. Januar ins Koma versetzt und beatmet werden. Was genau mit ihm in den Tagen geschah, weiß Kuhlmann, weil die Pfleger im Johanneum ein sehr persönliches Intensivtagebuch geschrieben haben. „Wenn man das durchliest, wird man sehr nachdenklich“, so der 77-Jährige. „Es zeugt von sehr viel Menschlichkeit und Motivation in diesem Krankenhaus.“

Doch alle medizinische Kunst half wenig. Kuhlmann verlor im Laufe der kommenden Wochen zwei Drittel seiner Lungenfunktion und mehr als 60 Prozent seines Gehörs. Weiter im Koma wurde er am 9. Februar in die Lungenklinik nach Hemer (Nordrhein-Westfalen) gebracht, wo er allmählich vom Beatmungsgerät gelöst werden sollte. Die Fahrt im Intensivtransport dauerte im Schneechaos zwölf Stunden.

Oberarzt sah keine Überlebenschance

Erst am 19. März, als Kuhlman bereits wieder im Johanneum war, kehrte sein Bewusstsein zurück. Er konnte kaum sprechen, musste das Aufstehen lernen, lag in Windeln. Chefarzt Alexander Terzic versuchte, den Patienten in der Reha Friedehorst (Bremen) unterzubringen. Doch der dortige Oberarzt sah keine Überlebenschance und weigerte sich, den Wildeshauser aufzunehmen. „Er hat sich später bei mir dafür entschuldigt“, so Kuhlmann rückblickend. „Der Befund sei zu schwerwiegend gewesen, hat er gesagt.“

Der 77-Jährige kam dann doch noch nach Friedehorst, absolvierte erfolgreich die Reha, sodass er am 25. Juni im Rollstuhl nach Hause durfte. Seitdem hat der Wildeshauser sich weiter durchgekämpft, läuft mit Rollator, arbeitet an der Verbesserung seiner Atmung, Konzentration und Feinmotorik.

Möglicherweise im Koma schon Nahtoderfahrung

„Es ist ein Wunder, dass ich Corona überleben durfte“, sagt Kuhlmann demütig. Möglicherweise habe er im Koma schon eine Nahtoderfahrung gehabt. „Ich sah einen meiner Ärzte am Eingang eines langen weißen Ganges, der nach hinten immer heller wurde“, erinnert er sich. „Ich wollte dort auf keinen Fall hin und habe mich in eine dunkle Ecke gedrückt.“ Offenbar mit Erfolg, und auch in Zeiten, als Kuhlmann nichts davon mitbekam, hatte er große Unterstützung. „Ich habe Lebenskraft durch meine Kinder, das medizinische Team und viele Freunde bekommen, die zum Beispiel Briefe geschrieben haben“, erzählt er. Auch jetzt könne er sich auf diese lieben Menschen stützen. Er wolle wieder Fahrrad fahren und schwimmen. Doch die Fortschritte seien immer langsam zu erzielen.

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„Ergreift diese Chance“, appelliert Kuhlmann an alle, die sich bisher nicht impfen lassen wollen. „Ich möchte Ihnen dieses Schicksal ersparen.“ In seinem ganzen Arztleben habe er großes Vertrauen zu den Impfungen gehabt. Wie auch bei einer Frau, die er als vierjähriges Mädchen geimpft und deren kindliche Tränen er getrocknet hatte. Diese Frau war nun als Pflegerin im Johanneum tätig und kümmerte sich um den geschwächten Kuhlmann. „Es ist schön, dass ich Ihnen jetzt die Menschlichkeit zurückgeben kann, die Sie mir damals entgegengebracht haben“, sagte sie.

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