Christine Meissel kehrt zu ihren Wurzeln zurück und zeigt ihre Werke

Kleines Töpferei-Atelier öffnet seine Pforten in Wildeshausen

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Christine Meissel arbeitet wieder in der Töpferwerkstatt und zeigt am 23. und 24. September ihre Werke.

Wildeshausen - Von Michael-Maria Meyer. Seit Kurzem gibt es eine Töpferei in Wildeshausen. Betrieben wird diese von Christine Meissel, die sich nach ihrer Pensionierung damit einen Lebenstraum erfüllt, um in ihre ursprünglichen Fußstapfen zurückzukehren.

Derzeit entstehen kunsthandwerkliche Gebrauchsgegenstände: Kreativ gestalte Teekannen und designte Vasen sind ebenso zu finden, wie edel glasierte Keramikschüsseln.

Zuvor war Meissel in der Diakonie Himmelsthür in Wildeshausen tätig, wo sie in der Tagesförderung arbeitete, um Menschen zu animieren, innerhalb ihrer Möglichkeiten Freude an Beschäftigung zu finden.

Die Lebens- und Erfahrungswege der gebürtigen Thüringerin sind überaus abwechslungsreich. Als Sechsjährige war sie mit Mutter und Schwester aus der DDR geflohen. Die kleine Familie erschlug es in den Schwarzwald. In Königsfeld verbrachte Meissel ihre Schulzeit. Später prägten einjährige Aufenthalte in den USA und Finnland ihre Weltoffenheit und Toleranz. Ebenso entdeckte sie hier ihre Freude an Sprachen: „Auch heute noch schlage ich jedes unbekannte Wort gleich nach.“

„Alles ist möglich!“

Zurück in Deutschland wünschte Meissel sich ein Studium, das ihre Ausbildung zum Abschluss bringen sollte. Doch welches? Auch wenn sie es nicht gleich selbst erkannte, so bestätigten ihr Weggefährten immer wieder ihre vielseitigen Talente. „Tja, da habe ich dann anfangs gleich drei Studienplätze gleichzeitig belegt. Das wär´ ja heutzutage ein Unding. Aber damals unter Willy Brandt hieß das Lebensgefühl: Alles ist möglich!“, sagt die heute 66-Jährige.

Letztendlich war es eine Verbindung aus Bildhauerei, Keramik und Pädagogik, die in einem Abschluss an der Muthesius-Kunsthochschule in Kiel mündete. Mit 27 durfte sie sich als „Graduierte Designerin“ bezeichnen und hatte somit eine grundsolide Ausbildung vorzuweisen.

Lehr- und Wanderjahre folgte nach München und Berlin. Ein charismatischer Amerikaner namens Jimmy brachte ihr 1980 in Berlin die sogenannte Pinched Pottery näher. Eine Arbeitsweise, die den Ton ohne Töpferscheibe und nur durch manuelles Formen in die Höhe wachsen lässt. „Das war völlig neu für mich und wirkte absolut lebendig. Das ist mir sehr wichtig! Platte Namensschilder zu gestalten ist mir ein Gräuel!“, schmunzelt Meissel und meint dies äußerst ernst. Komplexe Gefäße in diversen Größen erstellt sie durch die Pinched Pottery-Technik auch heute.

Eigene Töpferwerkstatt in Lüerte

In den 80er-Jahren unterhielt Meissel über zehn Jahre hinweg ihre eigene Töpferwerkstatt in Lüerte bei Wildeshausen, wo sie ihre Tochter Rune groß werden ließ.

Nach einigen Zwischenstationen und über 20 Jahren Diakonie Himmelsthür kehrt sie nun zu ihrer geliebten Profession zurück. Die mechanische Töpferscheibe von damals existierte noch – nun steht sie im neuen Atelier der Künstlerin

Vor ihrer Scheibe sitzend, strahlt Meissel und berichtet über einen überaus ergreifenden Moment. Das war der, als sie feststellen durfte, dass die alten Handgriffe von damals immer noch im Kopf sind und die Hände nach und nach folgten.

Mit viel Kraft versetzt Meissel die Schwungscheibe in Bewegung, um den Ton zu zentrieren. Ab diesem Punkt wird es Zeit, in den künstlerischen Moment einzugreifen: Das Öffnen und Hochziehen beginnt. Dabei reduziert sich die Drehgeschwindigkeit und langsam entstehen die dreidimensionalen Objekte.

Die Anfertigung der Glasuren ist eine besondere Herausforderung. Einen ganzen Schatz an speziellen Rezepturen hortet Meissel in einer dicken Mappe.

Ihre erste Ausstellung organisiert sie momentan zum kommenden Wochenende, 23. und 24. September, in ihrer kleinen Werkstatt, die sich Am Pestruper Moor 8 in Wildeshausen befindet.

Mit der in Hannover ansässigen Grafikerin Marianne Kretschmer, mit der Meissel seit fast 40 Jahren befreundet ist, werden obendrein deren Seidenarbeiten ausgestellt.

Zudem wird am Sonnabend ab 17 Uhr das Trio „Raps & Tröte“ aus Huntlosen auf der Matte stehen, um lustig musikalische Darbietungen per Kontrabass, Flöte und Akkordeon beizusteuern.

Meissel hofft auf gute Resonanz und verspricht: „Solang die alten Hände noch mitspielen, geht‘s hier weiter. Aber im Internet werde ich wohl nie zu finden sein.“

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