Marianne Reeck (59) sagte „Tschüss“

Kindertraum zum Beruf gemacht

Marianne Reeck wird auch in Zukunft ihre Hände nicht in den Schoß legen.

Wildeshausen - WILDESHAUSEN (hen) · „Glaube, Hoffnung und Liebe“, lautet das Lebensmotto von Marianne Reeck aus Vechta, die vielen Menschen als guter Geist der Gynäkologischen-, Mutter-Kind-, Urologischen- und Hals-Nasen-Ohren-Abteilungen des Wildeshauser Krankenhauses Johanneum in bester Erinnerung sein dürfte. Nach 41 Berufsjahren, über 32 Jahre davon in der Wittekindstadt, wurde sie nun in die passive Altersteilzeit verabschiedet.

Den Beginn ihres neuen Lebensabschnitts feierte sie im Kreise ihrer Kolleginnen sowie mit Dr. Günter Grewe und Dr. Rainer Wolf im Café Lopshof in Dötlingen. Zuvor ließ sie ihr engagiertes und bewegtes Krankenschwesterleben Revue passieren.

„Ich habe meinen Kindheitstraum zum Beruf gemacht“, erzählte Schwester Marianne. Schon als Vierjährige sei es ihr größter Wunsch gewesen, Krankenschwester zu werden, so jedenfalls erzähle man es sich in ihrem Familienkreis.

1969 begann sie ihre dreijährige Ausbildung im St. Elisabeth Krankenhaus in Damme, und sieben Tage nach ihrem Examen erblickte im März 1972 ihre heute 38-jährige Tochter Tanja das Licht der Welt. Zwei Jahre später war die Familie mit dem heute 36 Jahre alten Sohn Torben komplett. Doch die 59-Jährige wollte nicht nur Hausfrau und Mutter sein: „Ich wollte als Krankenschwester weiterarbeiten und hatte Glück, in der Nachtwache eingesetzt zu werden.“

1978 folgte der Umzug nach Lutten und damit verbunden der Wechsel an das Krankenhaus Johanneum. „Bis dahin kannte ich nur den Karneval in Damme und dachte, dass es nicht schlimmer kommen kann. Aber es kam schlimmer, denn mein erster Arbeitstag in Wildeshausen war während des Gildefestes“, muss die Krankenschwester heute noch schmunzeln.

Die nächsten Jahre arbeitete sie gemeinsam mit den Schwestern Irma Lübke und Ilse Becken auch in Wildeshausen im Nachtdienst. „Zu dieser Zeit war Leni Marischen die einzige Hebamme am Krankhaus“, blickte Schwester Marianne zurück und hat den „Baby-Boom“ jener Zeit noch bestens in Erinnerung: „Rund 400 Kinder wurden jährlich im Johanneum entbunden. Oftmals sind bis zu 17 Neugeborene auf der Station gewesen.“ So dürfte es kaum jemanden verwundern, dass Schwester Marianne des Öfteren auf Wöchnerinnen traf, die sie schon als Neugeborenes in den Armen gehalten hatte.

Im Laufe der Jahre habe sich auf der Mutter-Kind Station vieles zum Besseren verändert: Betrug der damalige Aufenthalt der frisch gebackenen Mütter im Durchschnitt etwa zehn Tage, so seien es heute nur noch drei bis fünf Tage.

„Früher wurden die Säuglinge rund um die Uhr von den Schwestern im Säuglingszimmer versorgt“, sagt Marianne Reeck, denn Mutter und Kind seien getrennt gewesen. Nur zum Stillen oder einmal täglich für 30 Minuten zum „Flasche geben“ seien die neuen Erdenbürger zu den Müttern gebracht worden. Nachmittags sei es den Müttern und Besuchern dann für eine Stunde möglich gewesen, die Kinder durch eine Scheibe zu sehen. Heutzutage würden Mutter und Kind nur noch aus einer medizinischen Indikation oder auf Wunsch der Mutter getrennt.

„Heute besteht die Möglichkeit für den Vater, im Familienzimmer seine Frau und das Neugeborene von der Entbindung bis zur Entlassung zu unterstützen. Neben einer guten medizinischen Versorgung wird auch besonderer Wert auf eine intensive persönliche Betreuung und Beratung gelegt. Im Vordergrund steht die individuelle Betreuung durch Hebammen, Schwestern und Ärzte. Die Mütter und Väter sollen dabei unterstützt werden, dass sie mit ihrem Kind schnell zusammenwachsen, indem sie unter anderem seine Eigenarten und Persönlichkeit kennen lernen. Dabei stehen die Schwestern den Eltern stützend und beratend zur Seite und machen sie stark für das Familienleben zu Hause“, gab die Ruheständlerin einen Einblick in den Krankenhausalltag.

Auch die Weihnachtszeit habe in ihrem Berufsleben eine große Rolle gespielt: „Es war immer eine schöne Atmosphäre, wenn die Mütter, die Babys und die Schwestern das Weihnachtsfest feierten. Es war aber auch traurig, wenn schwerkranke Patientinnen über das Fest von ihren Familien getrennt waren.“

Neben den „bunten Tellern“ aus der Küche, die von den Schwestern verteilt wurden, ist ihr als lieb gewordene Tradition die „Schwarze Visite“ in bester Erinnerung geblieben. „Pfarrer Holger Kintzinger – vor seiner Zeit Pfarrer Heinz Holtmann – besucht am Tag vor Heiligabend mit Ärzten und der Krankenhausdirektion – alle festlich gekleidet – die Patienten und verteilt kleine Präsente“, sagte Marianne Reeck und verriet: „Es gibt weiße Handtücher – gebunden mit einer roten Schleife – sowie eine Grußkarte, die die Krippe der Krankenhauskapelle zeigt.“

Rückblickend sei es immer ein „ganz tolles Gefühl“ gewesen, die Dankbarkeit der genesenen Patienten gespürt zu haben, die mit der pflegerischen Betreuung fast immer „sehr zufrieden“ gewesen seien. Neben diesen Patienten, denen sie für ihr Vertrauen danke, werde ihr die tolle Zusammenarbeit mit ihren Kollegen und den Ärzten immer in bester Erinnerung bleiben.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Sechs Monate Audible inkl. Gratis-Hörbücher für monatlich 4,95 Euro statt 9,95 Euro

Sechs Monate Audible inkl. Gratis-Hörbücher für monatlich 4,95 Euro statt 9,95 Euro

Das sind die Minister und Ministerinnen der Ampel-Koalition

Das sind die Minister und Ministerinnen der Ampel-Koalition

iPhone 13 jetzt schon sichern – zu diesen Hammer-Konditionen

iPhone 13 jetzt schon sichern – zu diesen Hammer-Konditionen

Angela Merkel: die wichtigsten Momente ihrer Karriere

Angela Merkel: die wichtigsten Momente ihrer Karriere

Meistgelesene Artikel

„Täter sind hochkriminell und skrupellos“

„Täter sind hochkriminell und skrupellos“

„Täter sind hochkriminell und skrupellos“
Noch darf jeder Kunde den Laden betreten

Noch darf jeder Kunde den Laden betreten

Noch darf jeder Kunde den Laden betreten
Wildeshauser spendet Stammzellen an Blutkrebs-Patienten

Wildeshauser spendet Stammzellen an Blutkrebs-Patienten

Wildeshauser spendet Stammzellen an Blutkrebs-Patienten
Deutlicher Protest gegen Querdenker

Deutlicher Protest gegen Querdenker

Deutlicher Protest gegen Querdenker

Kommentare