Kindern durch einfache Handhabe das Leben zeigen

Besuch im Waldorfkindergarten „Zwergenland“

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Da musste die „Flotte Lotte“ ran, um das Mus durchs Sieb zu passieren. Eifrig waren die Kleinen dabei bei der Sache.

Wildeshausen - Von Joachim Decker. „Sind die Äpfel denn bald fertig?“ „Haben wir auch genug Gläser dafür?“ Fragen über Fragen von aufgeregten Kindern waren gestern im Wildeshauser Waldorfkindergarten „Zwergenland“ zu hören. Gemeinsam mit Leiterin Petra Janßen waren sie eifrig bei der Sache, Apfelmus zu kochen und abzufüllen. Verständlich, dass sie daher nicht sehr viel Zeit hatten, etwas zu berichten.

„Wir haben kürzlich unser traditionelles Erntedankfest gefeiert“, erzählt Janßen. „Die Kinder bringen immer ein Körbchen mit Obst und Gemüse mit. Und auch die Eltern werden gebeten, uns anfallendes Fallobst zu überlassen.“ Diese Lebensmittel würden dann gemeinsam im Kindergarten verarbeitet. „Die Mädchen und Jungen sind stets mit Begeisterung bei der Sache. So lernen sie spielend, was aus dem Garten alles verarbeitet und verzehrt werden kann. Und, dass es nicht einfach nur aus dem Geschäft kommt, sondern von Menschen gepflanzt gezüchtet wird.“

„Ja, Kürbissuppe haben wir auch schon gekocht und gegessen“, verkündeten einige der Mädchen. Die dreijährige Elin erzählte, dass sie ihrer Mama manchmal beim Kochen helfen darf: „Ich durfte schon die Suppe umrühren, die auf dem Ofen gestanden hat. Aber mit einem Messer habe ich noch nicht geholfen, das darf ich noch nicht.“ Toll sei es immer bei ihrer Oma: „Mit der backe ich gerne Kuchen und Kekse. Ich steche den Teig mit den Formen aus.“ Und auf die Frage, wer die Kekse denn dann essen darf: „Natürlich ich. Und alle Kinder, die mal zu uns kommen. Die schmecken aber auch richtig lecker.“

„Es geht bei uns immer sehr familiär zu“

Janßen verwies darauf, dass es im „Zwergenland“ oberste Priorität habe, die Kinder in alle Tätigkeiten zu integrieren: „Es geht bei uns immer sehr familiär zu, die Kleinen sollen sich eben wohlfühlen.“ Dazu gehöre auch ein Tagesablauf mit festen Strukturen: „So frühstücken wir in den Gruppen grundsätzlich gemeinsam mit den Kindern. Das ist uns sehr wichtig.“ Und fürs Mittagessen werde eben mit den Kleinen gekocht: „Auf diesem Weg versuchen wir, den Kindern durch einfache Handhabe das eigentliche Leben zu zeigen.“ Die Kinder sollten lernen, woher zum Beispiel das Apfelmus oder Brot komme: „Daher dreschen wir hin und wieder sogar Korn, um es in der eigenen kleinen Mühle zu mahlen und dann Brot zu backen.“ Die Mädchen und Jungen seien dann stets begeistert, weil sie den Weg vom Korn zu Brot direkt verfolgen können: „Dann schmeckt es ihnen natürlich noch viel besser.“ Vorrangig werde in der Einrichtung nach dem „Vorbild-Nachahmung-Prinzip“ gelebt: „Wir legen sehr großen Wert auf ganzheitliche Betreuung.“

Ein weiterer wichtiger Punkt sei, dass die Kinder viel spielen und sich beschäftigen. „Sie müssen und sollen in den verschieden Belangen ihre eigenen Erfahrungen sammeln“, so Janßen.

Derzeit besuchen 75 Kinder das „Zwergenland“. Die Betreuung in der Regelgruppe läuft von 7.30 bis 12.30 Uhr, wobei eine Spätschicht-Betreuung bis 14 Uhr möglich ist. „Diese Zahl der Kinder beinhaltet natürlich auch Krippe und Zwergenkreis“, erzählt Janßen. Sie erinnert zudem daran, dass noch bis Mitte Januar Anmeldungen für das neue Kindergartenjahr vorgenommen werden können: „Es sind noch einige Plätze zu vergeben.“ Eltern, die sich informieren möchten, können sich unter Telefon 04431/74344 melden.

Im „Zwergenland“ werden Kinder von einem Jahr bis zum Alter von sieben Jahren betreut. „Die Kleinsten sind in der Kinderkrippe ,Wichtelstube‘ oder der Eltern-Kind-Gruppe gut aufgehoben. Unser ,Zwergenkreis‘ betreut Kinder von zwei bis zu dreieinhalb“, so Janßen. Der Kindergarten ist in zwei Gruppen geteilt, die Vormittagsgruppe mit Spätdienstangebot und die Ganztagsgruppe. Nach wie vor werde der Waldorfkindergarten sehr gut angenommen: „Daran hat sich im Laufe der Jahre nichts geändert.“

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