„Kinderhilfe Bam“ kann nach zehn Jahren Vollzug melden/26 Mädchen

„Yes, we have!“ – Die Odyssee bis zum Waisenhaus

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Von außen wirkt das Waisenhaus wie ein Hochsicherheitstrakt.

Wildeshausen - Von Joachim Decker. Mit vor Freude geballten Fäusten sitzt der Wildeshauser Rajabali Samadi, Vorsitzender des Vereins „Kinderhilfe Bam“, in seinem Besprechungszimmer. Ihm zur Seite Kassenwart Artur Ottawa. Es fehlt nur noch die Aussage „Yes, we have!“. Denn die beiden haben eine gute Nachricht zu verkünden – das Waisenhaus in Bam ist fertig, eine rund zehnjährige Odyssee hat damit ihr Ende gefunden. Zurzeit leben 26 Mädchen zwischen sechs und zehn Jahren in diesem Heim.

Und Samadi ist ehrlich, gibt unumwunden zu, dass er dieses Projekt niemals im Leben angegangen wäre, wenn er im Vorfeld hätte ahnen können, wie viele Knüppel ihm zwischen die Beine geworfen werden. Jetzt aber sei er überaus zufrieden und glücklich, dass er und seine Mitstreiter nicht aufgegeben hätten.

Im September war er mit Dr. Hans Risse vom Krankenhaus Johanneum, der Mitglied im Verein ist, im Iran. „Bereits im März waren die Mädchen eingezogen, wir haben gestaunt, als wir das bereits belegte Haus besichtigen konnten“, betont Samadi. Zweifelsohne sei es letztendlich dem Imam des Ortes zu verdanken, dass das Haus fertiggestellt werden konnte: „Er hat klar gesagt, dass er keine Bauruine sehen will – dass der Bau beendet werden muss.“

Bislang hat der Wildeshauser Verein 87000 Euro an Spendengeldern investiert, 40600 Euro befinden sich noch auf dem Vereinskonto. „Es gibt noch einiges zu tun. Unter anderem fehlt eine vernünftige Küche im Waisenhaus“, erzählen Ottawa und Samadi. Zudem befänden sich die Solaranlage im Wert von 15000 Euro, die seinerzeit in Wildeshausen gespendet wurde, sowie viele andere Dinge in einem Container im Iran: „Der steht beim Zoll, soll aber schon bald zum Haus gebracht werden, damit die Anlage montiert werden kann.“

Eine Aussage Samadis macht deutlich, warum sich alles so dermaßen in die Länge gezogen hat: „Uns hat das Embargo ganz klar das Genick gebrochen.“ Es sei lange Zeit nicht möglich gewesen, auch nur einen Cent in den Iran zu überweisen: „Ich wollte vor Jahren die Container auslösen, aber das hätte uns mehrere tausend Euro gekostet.“

Schon bald wolle er nochmals in den Iran reisen, um die letzten wichtigen Dinge zu regeln: „Es fehlt noch an einigen Geräten, mit denen das Haus ausgestattet werden muss.“

Gebaut wurde das Haus laut Samadi wie eine kleine Festung: „Leider ist es so, dass es immer wieder zu Mädchenhandel kommt. Für Mädchen wird viel Geld gezahlt. Aus diesem Grund muss ein Waisenhaus sicher sein. Sogar die Fenster sind zur Straßenseite hin vergittert.“ Die Mädchen besuchten die Schule, die ganz in der Nähe liege: „Geleitet wird das Haus von einem gemeinnützigen Verein. In zwei Schichten arbeiten dort jeweils drei Personen. Bezahlt werden sie vom Staat über die Khomeini-Stiftung, die für solche Fälle Geld zur Verfügung stellt.“

Beeindruckt zeigt sich auch Risse: „Das Haus ist sehr sauber und gepflegt. Ich habe den Eindruck gewonnen, dass es von nettem Personal auch gut geführt wird. Die Mädchen sehen sehr gesund aus.“

Mit dem restlichen Geld möchte der Verein weiterhin den Mädchen helfen. „Wir prüfen, ob es möglich ist, eine Stiftung zu gründen. Dann könnte ich noch mehr Spenden akquirieren, um das Kapital zu erhöhen“, so Samadi. Allerdings sei ihm klar, dass es derzeit kaum Zinsen gebe, sodass nicht viel Geld ausgeschüttet werden könnte: „Uns schwebt vor, den Mädchen dahingehend zu helfen, dass sie eine Ausbildung bekommen. Oder aber wir möchten den Vollwaisen eine Mitgift ermöglichen, die sie dringend brauchen.“

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