AUS DEM GERICHT Vorfall nach der Feuerfete lässt sich nicht klären

Kieferbruch bleibt ungesühnt

Am Burgberg kam es zu einer schweren Körperverletzung. Ein 28-Jähriger erlitt einen Kieferbruch. Foto: dr

Wildeshausen - Von Dierk Rohdenburg. Die Richterin am Amtsgericht Wildeshausen war sich sicher, dass ein damals 23-jähriger Wildeshauser am 14. Oktober 2018 – nach der Feuerfete – einen damals 28-jährigen Wildeshauser so heftig geschlagen hatte, dass er einen Kieferbruch erlitt. Doch nach einer rund zweistündigen Verhandlung sprach sie den Angeklagten auf Kosten der Staatskasse frei. „Ich bin überzeugt, dass Sie es waren, doch ich muss Ihnen den Verletzungserfolg nachweisen. Das kann ich nicht“, stellte sie lapidar fest. „Damit sind wir hier fertig.“

Was genau am frühen Morgen im Bereich des Burgbergs passiert ist, lässt sich wohl nicht mehr zweifelsfrei klären – unter anderem, weil sehr viel Alkohol im Spiel war. Der Angeklagte verweigerte zum Tathergang komplett die Aussage. Das mutmaßliche Opfer wusste nur noch, dass es auf dem Weg von der Feuerfete in der Widukindhalle sein Fahrrad nach Hause geschoben hatte und in Höhe des Burgbergs einer Person begegnet war. „Irgendwie sind wir in Diskussionen geraten, dann bin ich bergab gepurzelt“, erklärte er vor Gericht. „Ich war betrunken.“ Tatsächlich wurde um 6.27 Uhr ein Blutwert von 1,92 Promille gemessen. Sicherlich ein Grund dafür, warum das Opfer rückblickend nur vermuten konnte, etwas ins Gesicht gekriegt zu haben. „Ich sehe einen Schuh vor mir“, kramte er in seinen Erinnerungen.

Am Boden liegend konnte der Mann noch den Notruf wählen, aber nicht genau sagen, wo er war. Später wurde er von der Polizei an der Wittekindstraße in Höhe der St.-Peter-Kirche entdeckt und ins Krankenhaus eingeliefert.

Auf die Spur des mutmaßlichen Täters kam die Polizei nur, weil zwei Beamte auf der Suche nach dem Opfer auf dem Stellmacherplatz gelandet waren. Dort berichtete eine damals 17-jährige Shishabarbesucherin aus Eydelstedt einem Polizisten, dass ihr kurz zuvor von einem Unbekannten erzählt worden war, er habe jemandem in der Nähe der Kirche auf die Schnauze gehauen. „Es war ein Mann mit einer Kappe auf dem Kopf, der das erzählte“, so die Zeugin. Weil sie von der Polizei erfahren hatte, dass eine Fahndung lief, habe sie den Beamten auf eine Person mit Kappe hingewiesen. Das war der Angeklagte, den die Zeugin im Gericht aber nicht wiedererkannte: „Ich schließe aus, dass er es war.“

Auffällig war das Verhalten des Mannes dennoch. Als der Polizist ihn ansprechen wollte, flüchtete er in Richtung Burgberg. Dort hatte jedoch eine andere Streife gerade den verletzten Wildeshauser gefunden. Einer der Beamten nahm mit dem Kollegen die Verfolgung auf. Als der Flüchtende stolperte, konnte er festgenommen werden. In seiner Hosentasche fanden die Polizisten einen Beutel mit weißem Pulver.

Auf der Wache, so sagte einer der Polizisten aus, habe der Mann auf die Frage, was am Burgberg losgewesen sei, mit „der hat es nicht anders verdient“ oder „der hat mich angemacht“ geantwortet. „Er wusste auf jeden Fall, worum es ging“, so der Beamte. Protokolliert ist das aber nicht. Sehr wohl aber, dass der Angeklagte damals einen Alkoholwert von 1,61 Promille hatte und in seinem Körper Abbauprodukte von Kokain nachgewiesen wurden.

„Ich bin nicht überzeugt, dass Sie der Täter sind“, so die Staatsanwältin. „Ich bin aber auch vom Gegenteil nicht überzeugt.“ Sie beantragte ebenso wie der Verteidiger einen Freispruch. Ein anderes Urteil blieb der Richterin auch nicht. Aber sie war deutlich: „Ich glaube der Polizei, und Sie sind geflüchtet. Ich bin überzeugt, dass Sie es waren.“

Den Angeklagten juckte das wenig. Er verließ den Gerichtssaal als freier Mann.

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