Zum Welthospiztag informieren Ehrenamtliche

Tod kennt keinen Stundenplan

Informierten über ihre ehrenamtliche Arbeit: Die Hospizhelferinnen Gisela Piepereit, Brigitte Gessner, Carla Möllmann, Renate Harms, Ulla Meier-Sperling und Iris Schaar (v.l.). - Foto: Nosthoff

Wildeshausen - Von Anja Nosthoff. Den Welthospiztag nutzte die Hospizhilfe Wildeshausen am Sonnabend, um vor dem historischen Rathaus ihren Verein und ihre Arbeit vorzustellen. „Hospizhilfe ist keine Arbeit, es ist eine Lebenseinstellung“, fasste dabei Ulla Meier-Sperling ihre ehrenamtliche Tätigkeit zusammen. Neun Hospizbegleiter bieten zurzeit in Wildeshausen ihre Unterstützung für Sterbende und Angehörige an. Der Verein zählt rund 40 Mitglieder.

Auf Postkarten und Flyern waren am Stand einige Mottosprüche der Hospizhilfe zu lesen: „Du kannst dich vor allem drücken, aber nicht vor dem Tod“, oder „Gestorben wird immer. Darüber gesprochen zu wenig“ – durch Sätze dieser Art wurden die Passanten zum Nachdenken angeregt. Schon dadurch wurde klar, dass das Thema Hospizhilfe eben wirklich alle angeht: Der Tod gehört zum Leben nun mal einfach dazu.

Es ist eine ganz einfache Motivation, die hinter der ehrenamtlichen Arbeit der Hospizhelfer steht: „Menschen, die vom Leben Abschied nehmen, brauchen Menschen, die Zeit für sie haben und für sie da sind.“ „Zeit schenken“, so nennen die Begleiter selbst das, was sie tun.

Meier-Sperling fand dazu einprägsame Worte: „Der Tod kennt keinen Stundenplan.“ In diesem Sinne unterstützen die Hospizhelfer Familien, wo jemand im Sterben liegt, oder geben den Sterbenden auch ganz einfach dadurch Kraft, dass sie in der Stille bei ihnen sitzen.

Die Begleiter werden von der Hospizhilfe qualifiziert und ausgebildet. 160 Stunden umfasst die Ausbildung – inklusive intensiver Wochenend-Seminare. „Diese Ausbildung verändert einen. Man spürt, ob man der Aufgabe der Hospizbegleitung wirklich gewachsen ist. Zu dem Seminar gehört ganz viel Persönlichkeitsarbeit“, erklärte Renate Harms vom Hospizverein.

„Seit der Ausbildung gehe ich auf alle Menschen viel offener zu – inklusive der Alkoholiker am Großstadtbahnhof“, ergänzte Mitstreiterin Brigitte Gessner. Wenn das Leben einen falsch packt, könne man schnell an eine solche Stelle rutschen.

Die Hospizhelfer informierten am Stand auch über das Sternenkinder-Grab in Wildeshausen, das zum 20-jährigen Bestehen des Vereins vor zwei Jahren auf dem Friedhof errichtet wurde. In Zusammenarbeit mit dem Krankenhaus Johanneum und dem Unternehmen Reinke werden dort dreimal im Jahr Bestattungen vorgenommen. Als Sternenkinder werden Kinder bezeichnet, die vor, während oder kurz nach der Geburt versterben.

Zudem wiesen die Hospizhelfer auf den Gesprächskreis für trauernde Angehörige hin, der unter fachkundiger Leitung an jedem ersten Dienstag im Monat von 19.30 bis 21 Uhr im Krankenhaus Johanneum angeboten wird.

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