SERIE: 20 JAHRE AFGHANISTAN

Oberstleutnant Olav Hinkelmann: „Keinen Mann verlieren“

Im Einsatz am Hindukusch: Oberstleutnant Olav Hinkelmann war in Afghanistan unter anderem für die Planung von Operationen zuständig und hielt auch den Kontakt zu einheimischen Kräften.
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Im Einsatz am Hindukusch: Oberstleutnant Olav Hinkelmann war in Afghanistan unter anderem für die Planung von Operationen zuständig und hielt auch den Kontakt zu einheimischen Kräften.

Wildeshausen – „Wenn ein Handwerker ein Haus baut, macht das für ihn Sinn. Genauso ist es bei der Bundeswehr: Wenn wir unseren parlamentarischen Auftrag erfüllen, macht das für uns Sinn.“ So beantwortet Oberstleutnant Olav Hinkelmann die Frage, wie sinnvoll der Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan in den vergangenen 20 Jahren war. Der Wildeshauser ist einer von mehreren aktuellen und ehemaligen Bundeswehrangehörigen, die im Auslandseinsatz am Hindukusch waren und im Rahmen einer Serie zu Wort kommen.

Hinkelmann ist in Delmenhorst aufgewachsen und diente unter anderem als Kompaniechef bei den Fallschirmjägern in Wildeshausen, als dort noch eine Kaserne war. Eine schöne Zeit, wie er sich erinnert. Aber als Offizier wurde er alle paar Jahre versetzt und zog deswegen mit seiner Frau oft um. Seit mehr als acht Jahren ist das Paar jedoch in der Wittekindstadt wieder heimisch. Zurzeit ist der Oberstleutnant Referent im Bundesministerium der Verteidigung in Berlin und dort für die Beauftragte für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in der Bundeswehr tätig. Zuvor war er unter anderem bei der Saarlandbrigade, im Personalamt der Bundeswehr in Köln und als Kommandeur in Seedorf stationiert.

Olav Hinkelmann bei einer Besprechung in Afghanistan.

Der 50-Jährige war 2009 das erste Mal in Afghanistan im Einsatz. „Die Sicherheitslage hatte sich seit 2007 drastisch verschlechtert“, blickt er zurück. Obwohl er gut vorbereitet gewesen sei, sei er angespannt gewesen. „Ich wollte alles dafür tun, den Auftrag zu erfüllen und dabei keinen Mann zu verlieren.“ Dabei „haben wir echt Schwein gehabt“, sagt der erfahrene Fallschirmjäger. Zum Soldatenglück hinzugekommen sei, dass die Truppe „das Richtige gelernt hatte, was sich nun bewährte – bis hin zum Drill. Eine sehr gute Vorbereitung ist das A und O.“

Hinkelmann war als Stabsoffizier 2009 nicht in Gefechte verwickelt, sondern plante Operationen. „Der Kommandeur definierte ein Ziel und wir machten den Plan.“ Dann habe man aber flexibel agieren und nicht reagieren müssen, um das Ziel auch zu erreichen. Dafür werden Reserven geplant, um handlungsfähig zu bleiben. Beispielhaft nennt er eine Situation, in der eine Infanteriekompanie so stark in Gefechte verstrickt war, dass sie sich nicht selbst daraus befreien konnte. Die habe dann mit anderen Kräften entsetzt werden müssen.

Olav Hinkelmann im Kontakt mit Einheimischen.

Es sind Einsatzlagen wie diese, die Hinkelmann viel abverlangten. „Wenn überhaupt, nur vier, fünf Stunden Schlaf pro Nacht über Wochen, das zermürbt“, berichtet der Fallschirmjäger von einer hohen Arbeitslast und ständigem Druck. Dabei lernte er allerdings auch handwerklich dazu und freute sich, diese Erfahrungen dem Führungsnachwuchs weitergeben zu können. So zum Beispiel als er von 2017 bis 2019 am Ausbildungszentrum Infanterie in Hammelburg für die Ausbildung der Offiziere und Feldwebel verantwortlich war.

2013 ging es für den Wildeshauser dann noch einmal in der Rolle des Kommandeurs nach Afghanistan. „Die Lage rund um Kunduz war dieses Mal deutlich ruhiger.“ Aber die feindlichen Kräfte seien langsam wieder aufgewachsen und aktiver, erinnert sich Hinkelmann daran, dass es vor allem abseits der Hauptrouten schnell mal gefährlich werden konnte. Doch auch bei diesem Einsatz bewährte sich die gute Ausbildung der Fallschirmjägertruppe.

Während sich Hinkelmann in Afghanistan mit den Taliban herumschlagen musste, richtete seine Frau die gemeinsame Wohnung in Wildeshausen ein. Erst kurz vor dem Einsatz war das Paar zurück in die Wittekindstadt gezogen. Der 50-Jährige war als Kölner an den Hindukusch gegangen und kam als Wildeshauser zurück. „Man wertschätzt stärker, was man zu Hause hat, und nimmt es nicht mehr als normal hin“, sagt der erfahrene Soldat, der findet, er sei als Mensch durch die Auslandseinsätze gewachsen.

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