30 von 56 Brunnen im Landkreis Oldenburg verstoßen gegen den Grenzwert

Keine Trendwende beim Nitrat in Sicht

Ein Techniker nimmt eine Grundwasserprobe, die im Labor überprüft werden soll. - Archivfoto: dpa

Wildeshausen - Von Ove Bornholt. Die Belastung des Grundwassers im Landkreis Oldenburg mit Nitrat ist nach wie vor besorgniserregend. In 30 von 56 getesteten Brunnen wurde im vergangenen Jahr der Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter (mg/l) überschritten. Eine Trendwende ist nicht in Sicht. Die aktuellen Werte wurden am Dienstagabend während der Sitzung des Umwelt- und Abfallwirtschaftsausschusses im Kreishaus vorgestellt.

Angesichts der Informationen platzte Andrea Oefler (SPD/Großenkneten) der Kragen: „Die gesamten Nitratwerte sind nicht tolerierbar. Aufgeschlossenheit bei den Landwirten hin oder her.“ Zuvor hatte Gerrit Finke vom Landkreis berichtet, dass die Bauern im Umfeld der stark belasteten Brunnen durchaus gesprächsbereit gewesen seien. Gemeinhin gelten die Landwirte durch das Ausbringen von Mineraldünger als Haupt-, wenn auch nicht alleinige Verursacher des zu hohen Nitratgehalts im Grundwasser.

Dabei haben die Bauern „bis auf eine Ausnahme nicht gegen das Düngerecht verstoßen“, betonte Finke. Strafmöglichkeiten hat der Landkreis im Fall dieses einen schwarzen Schafs übrigens keine, denn die Behörde bewegt sich mit ihren Messungen außerhalb ihrer Zuständigkeit – der Landkreis Oldenburg ist als einer der wenigen in Niedersachsen in diesem Bereich aktiv. Die jährlichen Kosten betragen etwa 4000 Euro.

Dieter Hahn, Leiter des Amts für Bodenschutz und Abfallwirtschaft und damit Finkes Chef, machte während der Sitzung deutlich, dass er auf die seit diesem Sommer geltende Düngeverordnung setzt. Sie sei verschärft worden. „Die Zeit wird zeigen, was es bringt“, so Hahn, der durch die veränderte Gesetzeslage auf einen Silberstreif am Horizont hofft. Diese Einschätzung teilte Michael Feiner (FDP/Großenkneten). Die Entwicklung „muss über einen längeren Zeitraum beobachtet werden“, sagte er.

Nichts für Ungeduldige

Die ganze Materie ist in der Tat nichts für Ungeduldige. Es dauert Jahre, teilweise Jahrzehnte, bis das Nitrat durchsickert. Derzeit sei der Grundwasserbereich, aus dem Trinkwasser gefördert wird, noch nicht belastet, unterstrich Franz-Josef Dasenbrock, Landvolkvertreter im Ausschuss. Dafür pumpt der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband (OOWV) sein kostbares Nass aus einer zu großen Tiefe. Sollte das Nitrat auch diesen Bereich betreffen, hat der Verband allerdings schon einmal durchgerechnet, dass die für die Filterung nötige Technik teuer werden und damit der Wasserpreis steigen dürfte.

Zurück zu den diesjährigen Messergebnissen: Ein Brunnen bei Klein Köhren (Purrmühle) hat am schlechtesten im ganzen Landkreis abgeschnitten. Das Wasser dort hat in einer Tiefe von 5,60 bis 7,60 Metern einen Nitratgehalt von 280 mg/l. Fast sechsmal so viel wie der Grenzwert. Auch bei der Messung im vergangenen Jahr war dort das Wasser im Sandboden stark belastet gewesen (220 mg/l). Ebenfalls deutlich zu hoch waren die Messwerte in diesem Jahr bei einem Brunnen an der Adresse Lüerte 15 (200 mg/l), an der Straße An der Fockenriede bei Moorbek in der Gemeinde Großenkneten (220 mg/l) und im Wardenburger Moor am Ohlhoffsweg (220 mg/l).

Wegen der umfangreichen Tagesordnung für die Sitzung, die deutlich länger als zwei Stunden dauerte, hatte Landrat Carsten Harings angeregt, die Infos erst einmal sacken zu lassen und in einer der kommenden Sitzungen in die Diskussion zu gehen.

Welcher der 56 getesteten Brunnen wie stark belastet ist, soll ab Mitte November auf der Internetseite des Landkreises veröffentlicht werden.

www.oldenburg-kreis.de

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