Diakonie Himmelsthür erklärt ihr neues Konzept / Bewohner mit Assistenzbedarf sollen mitten in der Gesellschaft leben

„Keine Oase für behinderte Menschen“

Jörg Arendt-Uhde zeigte im Rahmen der Bürgerversammlung, welche Gebäude auf dem Diakonie-Gelände nicht mehr fürs Wohnen genutzt werden sollen.

Wildeshausen - WILDESHAUSEN (dr) · Das Unbehagen darüber, dass die Diakonie Himmelsthür ganze Wohnblöcke auflösen wird und innerhalb der nächsten zehn Jahre mindestens 264 Menschen in stadtnahe Wohnungen oder Häuser ziehen werden, ist bei vielen Wildeshausern groß. „Wieso bauen Sie nicht auf dem Gelände an der Dr.-Klingenberg-Straße neue Häuser?“, so die Frage an den Regionalgeschäftführer Nord, Jörg Arendt-Uhde. „Die Behinderten haben in der Stadt doch gar kein Grün. Außerdem: Dürfen diese Menschen überhaupt frei entscheiden, wo sie wohnen können?“

Diese Fragen wurden im Rahmen der Bürgerversammlung im historischen Rathaus am Dienstag gestellt. Über 100 Wildeshauser hatten einiges zu den Plänen der Diakonie zu sagen (wir berichteten bereits gestern).

„Wir wollen keine Sonderwelten“, entgegnete Arendt-Uhde. „Die Menschen gehören mitten in die Gesellschaft.“ Deshalb sei es ganz selbstverständlich, dass die Kunden neue Wohnformen nutzen wollten.

Der Leiter des Amts für Arbeit und Soziale Sicherung, Bodo Bode, machte unmissverständlich klar: „Das, was die Diakonie nun entwickelt, haben wir im Landkreis seit vielen Jahren.“ Die Lebenshilfe und die Norle hätten sich schon lange in die Gesellschaft hineinbewegt. „Die Diakonie holt das aufgrund ihrer Größe jetzt nur verspätet nach. Es soll keine Oase für Behinderte im Landkreis geben. Es denn, dort leben Menschen mit und ohne Behinderung in einem Projekt zusammen.“

Zu der Inklusion, wie die Auflösung von „Sonderwelten“ im Fachjargon bezeichnet wird, gebe es keine Alternativen. Die Bundesrepublik habe sich im Rahmen der UN-Konvention dazu verpflichtet.

Für das Gelände der Himmelsthür hatte Bode eine ganz andere Idee: „Wenn die Menschen mit Assistenzbedarf woanders hinziehen, dann könnten doch dort, wo die Wohnblöcke jetzt noch stehen, neue Wohnhäuser für Wildeshauser Bürger gebaut werden.“

Noch sind die Planungen nicht abgeschlossen, doch mehrere Gebäude auf dem Gelände der ehemaligen Lungenheilanstalt sind so nicht zu halten.

„Sie werden schon bald nicht mehr fürs Wohnen genutzt“, erklärte Arendt-Uhde. Geplant sei, die wuchtigen Häuser abzureißen, sofern es keine Nachnutzung gebe. Die könnte nur so aussehen, dass Interessenten die Häuser kaufen. „Wir werden sie nicht weiter verwenden“, so Arendt-Uhde. Lediglich die Häuser „Ammerland“

▪ Neubauten auf

▪ Diakonie-Gelände?

und „Herzogin Elisabeth“ würden saniert. Dort stünden dann 44 Plätze zur Verfügung. In den beiden Häusern „Dr.-Klingenberg-Straße“ könnten weitere 14 Plätze geschaffen werden. Im Sondergebiet an der Verlängerung des Zuschlagsweges könnten dann weitere Häuser entstehen.

„Da ist aber noch nichts entschieden“, so Arendt-Uhde. Ganz konkret sind dagegen die Pläne, dass ab Mitte November 18 Menschen mit geringem Unterstützungsbedarf in das ehemalige „Hotel am Rathaus“ ziehen werden. „Dort leben dann Menschen wie du und ich, die mitten in Wildeshausen ein hoffentlich erfolgreiches Leben führen werden“, so der Regionalgeschäftsführer.

„Wie gehen Sie damit um, wenn die Menschen dort gar nicht willkommen sind?“, lautete dennoch eine Frage aus dem Besucherraum. Und: „Sind Sie sicher, dass Sie die Menschen dort nicht überfordern?“ Arendt-Uhde reagierte darauf recht gelassen. „Das kann in jeder Nachbarschaft passieren, dass es Abneigungen gibt“, erklärte er. An anderer Stelle in Wildeshausen habe die Diakonie aber sehr gute Erfahrungen mit der Integration gemacht. Und eine Überforderung habe es in der Regel nicht gegeben. „Die Entwicklung ist sehr positiv. Die Leute haben sich so gut entfaltet, dass es einem fast die Tränen in die Augen treibt, wenn man daran denkt, dass sie viele Jahre lang nicht die Gelegenheit dazu hatten.“

Große Sorge, das zeigte sich im Laufe des Abends, haben die unmittelbaren Anwohner an der Heilstätten und der Dr.-Klingenberg-Straße wegen der fünf intensiv betreuten Bewohner in der Himmelsthür. Die Angst geht um, dass es zu Straftaten kommen könnte. Arendt-Uhde machte deutlich, dass diese Personen bald ausziehen und nicht mehr in Wildeshausen in geschlossenen Einrichtungen leben werden. Bis dahin habe man eine zusätzliche Nachtwache und eine externe fachliche Begleitung engagiert. Ein weiterer Mitarbeiter werde sich nur um die fünf Intensivbetreuten kümmern. Und: „Wir haben zwei Immobilien außerhalb des Stadtgebietes angeboten bekommen, die vielleicht für unsere Zwecke dienen. Diese Angebote prüfen wird jetzt“, so Arendt-Uhde.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Die übelsten Fehltritte von Armin Laschet

Die übelsten Fehltritte von Armin Laschet

Die deutschen Bundeskanzler und die Bundeskanzlerin seit 1949

Die deutschen Bundeskanzler und die Bundeskanzlerin seit 1949

Die lustigsten Grimassen der Kanzlerin und Kanzlerkandidaten

Die lustigsten Grimassen der Kanzlerin und Kanzlerkandidaten

Wahrscheinlichste neue Ministerinnen und Minister

Wahrscheinlichste neue Ministerinnen und Minister

Meistgelesene Artikel

Mit 600 PS: 22-Jähriger rammt Sattelzug – Fünf Verletzte auf A1 bei Wildeshausen

Mit 600 PS: 22-Jähriger rammt Sattelzug – Fünf Verletzte auf A1 bei Wildeshausen

Mit 600 PS: 22-Jähriger rammt Sattelzug – Fünf Verletzte auf A1 bei Wildeshausen
Heftige Reaktionen auf 2G-Regel: „Kack denen vor die Tür“

Heftige Reaktionen auf 2G-Regel: „Kack denen vor die Tür“

Heftige Reaktionen auf 2G-Regel: „Kack denen vor die Tür“
Knapp ein Hektar Wald entfernt

Knapp ein Hektar Wald entfernt

Knapp ein Hektar Wald entfernt
Kind in Wildeshausen angefahren: Fahrer oder Fahrerin flüchtet

Kind in Wildeshausen angefahren: Fahrer oder Fahrerin flüchtet

Kind in Wildeshausen angefahren: Fahrer oder Fahrerin flüchtet

Kommentare