Deal mit Bewährung vor Gericht ausgehandelt / Bewährung für Ex-Jobcenter-Mitarbeiterin

Keine Haft für Griff in die Kreiskasse

Demnächst sollen Zeugen in dem Verfahren gehört werden.
+
Demnächst sollen Zeugen in dem Verfahren gehört werden.

Wildeshausen – Eine zur Bewährung ausgesetzte Haftstrafe, die sich zwischen einem Jahr und zehn Monaten sowie zwei Jahren bewegt: Auf diesen Strafrahmen haben sich die Verteidigung, die Richterin und die Staatsanwaltschaft am Freitag für die 53-Jährige geeinigt, die den Landkreis Oldenburg zwischen 2012 und 2017 um rund 310 000 Euro betrogen haben soll – ein vollumfängliches Geständnis in dem Verfahren am Wildeshauser Amtsgericht vorausgesetzt. Die ehemalige Mitarbeiterin des Jobcenters ließ über ihren Anwalt erklären, über Jahre Geld abgezweigt zu haben, um ihre Kaufsucht zu befriedigen.

Die Frau aus der Gemeinde Dötlingen habe im Jobcenter so viel Arbeit gehabt, dass sie gar nicht mehr habe schlafen können. Beschwerden bei ihrer Chefin seien ins Leere gelaufen. Statt ihr zu helfen, habe die Vorgesetzte sie darauf hingewiesen, dass sie ja auch mehr Geld verdiene als ihre Kollegen.

Zu diesem psychologischen Druck sei ein Schreiben des damaligen Anwalts der Angeklagten hinzugekommen. Dieser habe 8 000 Euro für seine Leistung gefordert und mit einer Lohnpfändung gedroht. Dann hätten die Kollegen der 53-Jährigen erfahren, dass sie bereits straffällig in Erscheinung getreten war.

Das habe die Frau unbedingt verhindern wollen und sich 5 000 Euro geliehen. Der Anwalt habe aber auf der sofortigen Zahlung der vollen Summe bestanden. Daraufhin habe die Jobcenter-Mitarbeiterin die Unterschriften ihrer Vorgesetzten gefälscht und damit eine Bargeldauszahlung an einen fiktiven Bedürftigen erwirkt. Sie habe das Geld nicht quittieren müssen und gesagt, sie gebe es einem anderen Mitarbeiter, der es an den Kunden in einem der Jobcenter-Außenstandorte im Landkreis weiter reiche.

Die Angst aufzufliegen und der Leistungsdruck bei der Arbeit hätten seine Mandantin veranlasst, immer wieder Geld zu hinterziehen, so ihr jetziger Anwalt. „Je stressiger es im Büro wurde, desto mehr habe ich gekauft“, zitierte er die 53-Jährige. Diese habe mit der Beute von Friseurterminen über kosmetische Eingriffe bis hin zu Parfüms und Partys viele Leistungen bezahlt. Dazu hätten auch Reisen gehört. Ihrem Mann habe sie nichts von den Taten erzählt.

Die Angeklagte habe mehrfach versucht, sich umzubringen, und sei dreimal zwangseingewiesen worden. Durch den Prozess sei sie wirtschaftlich und privat ruiniert. Wie berichtet, hat der Landkreis zivilrechtlich einen Schuldtitel erstritten. Auch die Ehe sei in die Brüche gegangen. Momentan erhalte sie eine Erwerbsminderungsrente von 950 Euro im Monat.

Der Betrug war nur aufgeflogen, weil ein Mitarbeiter der Kreiskasse Verdacht geschöpft und nachgebohrt hatte. Ein Teil der Taten ist offenbar auch schon verjährt. Im öffentlichen Teil des Verfahrens wurde nicht gesagt, wann sich der erste Betrug ereignet hat.

Um den geistigen Gesundheitszustand der 53-Jährigen ist es offenbar schlecht bestellt. Ein psychiatrischer Sachverständiger sagte dazu aus, allerdings wurde die Öffentlichkeit auf Antrag der Verteidigung ausgeschlossen. „Mit Blick auf die Persönlichkeitsrechte der Angeklagten“, erklärte die Richterin. Das Verfahren wird mit der Vernehmung von Zeugen fortgesetzt. Bisher sind zwei weitere Verhandlungstage anberaumt worden.

Außer der Dötlingerin sitzt auch eine 50-Jährige aus Wildeshausen auf der Anklagebank. Sie soll Geldwäsche betrieben haben, indem sie der Dötlingerin Zugang zu einem Konto ermöglichte, auf das das ergaunertes Geld eingezahlt wurde. Der Anwalt der Wildeshauserin erklärte, sie habe ihrer damals besten Freundin in einer nicht näher definierten Notlage helfen wollen. Die 50-Jährige habe gar nicht so genau geschaut, welche Zahlungen auf dem Konto eingingen und sei sehr erstaunt gewesen angesichts der Gesamtsumme, die im Laufe der Jahre überwiesen und abgehoben wurde. Auch in diesem Fall einigten sich die Prozessteilnehmer auf einen Deal: neun Monate bis ein Jahr und drei Monate Haft auf Bewährung.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

AfD beschließt sozialpolitisches Konzept

AfD beschließt sozialpolitisches Konzept

DFB-Frauen schlagen Griechenland - Bilanz bleibt perfekt

DFB-Frauen schlagen Griechenland - Bilanz bleibt perfekt

An diesen vier Zipfeln endet Deutschland

An diesen vier Zipfeln endet Deutschland

Die heilende Kraft der Aloe vera

Die heilende Kraft der Aloe vera

Meistgelesene Artikel

Corona-Party in Weiß: Hochzeit mit 60 Menschen aufgelöst

Corona-Party in Weiß: Hochzeit mit 60 Menschen aufgelöst

Corona-Party in Weiß: Hochzeit mit 60 Menschen aufgelöst
Statistik trügt: Inzidenzwert im Landkreis bei 48,1

Statistik trügt: Inzidenzwert im Landkreis bei 48,1

Statistik trügt: Inzidenzwert im Landkreis bei 48,1
Adventsüberraschung für die Blutspender Nummer 87 und 133

Adventsüberraschung für die Blutspender Nummer 87 und 133

Adventsüberraschung für die Blutspender Nummer 87 und 133

Kommentare