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„Keine gute Lösung für Hausbauer“

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Von: Dierk Rohdenburg

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Baustelle in Wildeshausen: Derzeit sind die KfW-Förderungen zum Teil gestoppt.
Baustelle in Wildeshausen: Derzeit sind die KfW-Förderungen zum Teil gestoppt. © dr

Wildeshausen – Nachdem praktisch über Nacht die KfW-Förderung für energieeffizientes Bauen ersatzlos gestrichen wurde (wir berichteten), hat die Bundesregierung entschieden, Anträge die bis zum 24. Januar eingegangen sind, doch zu bearbeiten und Geld zu bewilligen. Zudem soll es voraussichtlich eine Übergangsregelung für den schärferen Standard EH40 geben.

„Das wird in der Branche durchaus positiv aufgenommen, dass man den angerichteten Vertrauensschaden nun zumindest teilweise wieder beheben möchte“, schreibt der Wildeshauser Immobilienkaufmann Ulrich Stolle in einem Brief an die heimische SPD-Bundestagsabgeordnete Susanne Mittag. Geradezu entsetzt sei man aber in Fachkreisen, dass im Wirtschaftsministerium anscheinend der gleiche Fehler erneut gemacht werden solle. Die jetzt kolportierte Übergangsregelung bis zum Jahresende 2022 sei geradezu eine Blaupause für eine Neuauflage des 24. Januar 2022. „Die von der Regierung gewählten Formulierungen ,wiederhergestellte Planungssicherheit‘ und ,Deckelung auf eine Milliarde‘ können gar nicht miteinander funktionieren. Denn wie soll ein privater Bauherr oder Investor sicher planen, wenn er gar nicht absehen kann, wann der Topf mit der Fördermilliarde leer ist?“

Fördermilliarde vielleicht schnell verbraucht

Normal sei es ja so, erklärt Stolle, dass der Bürger ein Grundstück erwerbe und viele Tausend Euro an Planungskosten für die von der Kreditanstalt für Wiederaufbau geforderten Unterlagen aufwende. „Und am Ende liegt vielleicht wieder nur ein Tag zwischen einem geförderten Vorhaben und dem Ruin, weil die Fördermilliarde ausgegeben ist“, ahnt Stolle. „So funktioniert Wirtschaft einfach nicht. Man wird entweder von dem Vorhaben Abstand nehmen, oder von vornherein ohne die Förderung planen, was den Verzicht auf teure, energieeffiziente Bauweise bedeutet.“

Die meisten Marktteilnehmer haben nach Einschätzung des Immobilienkaufmanns seit dem 24. Januar zunächst alle im Planungsprozess befindlichen Bauvorhaben zunächst gestoppt, da sie wegen der attraktiven Förderung als EH55 oder besser geplant gewesen seien. Nun versuchten alle im Planungsprozess schon weiter fortgeschrittenen Bauherren verzweifelt, über den Energieberater die benötigten Nachweise für EH40 zu bekommen. „Aber dort sind natürlich die Kapazitäten begrenzt, und niemand kann den Bauherren sagen, ob für die eingestellte Milliarde ihre Anträge noch rechtzeitig eingereicht werden könne“, so Stolle. Neue Aufträge würden wegen der unsicheren Lage aufgeschoben. Es herrschten Chaos und Ängste bei Bauherren und Baufirmen.

Bessere Planbarkeit gefordert

„Entweder stellt man die Fördermittel ungedeckelt bis zum Stichtag zur Verfügung. Oder man sorgt dafür, dass sich der Antragsteller für sein stichpunktartig beschriebenes Vorhaben schnell und unkompliziert per einfachem Formular die Fördermittel bei der KfW reservieren kann“, regt Stolle bei Mittag an. „Wenn er dann nicht binnen beispielsweise drei Monaten die Planungsunterlagen einreicht, erlischt die Reservierung automatisch. Auch so ließe sich Planbarkeit gewährleisten.“

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