Kein Schlaf für den Wirt in der Weihnachtsnacht

Musicalprojekt: Evangelische Jugend und Diakonie bereiten sich auf vier Auftritte vor

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Die Hirten verlieren auf dem Weg zum Jesuskind ihre Schäfchen und kommen stattdessen mit Huhn und Hahn zum Stall.

Wildeshausen - Von Anja Nosthoff. „Das Kind kommt heute auf die Welt, weil es Gott gefällt.“ Diese Worte, die Maria alias Maybrit Großkopf an ihren Josef (Anton Bovensmann) richtet, machen die schwierige Herbergssuche noch dringlicher. Josef hat sichtlich Mühe, Ruhe zu bewahren. Doch im Vertrauen auf Gott hofft er auf einen „netten Wirt“, dort, wo das helle Licht in der Ferne scheint...

Besagter Wirt, verkörpert von Kathrin Schmidt in dem gleichnamigen Weihnachtsmusical, das die Evangelische Jugend Delmenhorst/Oldenburg Land (ejo Doll) in Zusammenarbeit mit der Diakonie Himmelsthür auf die Beine stellt, ist jedoch völlig überarbeitet, gestresst und äußerst schlafbedürftig.

Rund 60 Ehrenamtliche, darunter zahlreiche Jugendliche und Himmelsthür-Bewohner, aber auch die Mitglieder des Dötlinger Chörchens unter der Leitung von Markus Häger sind an dem Projekt beteiligt. Unter dem Motto „Doll und inklusiv“ bringen sie „Der Wirt“ während der Vorweihnachtszeit in vier Orten zur Aufführung, und zwar am Sonntag, 27. November, um 14 Uhr in der Kirchengemeinde Sandkrug, am Sonnabend, 3. Dezember, um 10 Uhr im Rahmen der Kinderkirche in Harpstedt, am Sonnabend, 4. Dezember, um 16 Uhr in der Diakonie Himmelsthür sowie am Sonnabend, 10. Dezember, um 17 Uhr im Jugendzentrum Wildeshausen.

Eine Botschaft, die durchaus anrührt

Zu einer gemeinsamen Intensivprobe kamen alle Beteiligten am Freitagabend im evangelischen Kindergarten Schatzinsel in Wildeshausen zusammen. „Wir sind total dankbar, dass wir diesen Ort zum Proben nutzen dürfen“, betonte Horst Strömer, Pressesprecher der Theatergruppe.

Zu dem Projekt hatte das Ehepaar Kretzschmar-Strömer aufgerufen: Auch Musik, Songtexte und das Drehbuch stammen von Joe Kretzschmar-Strömer (ejo) und Anke Strömer (Diakonie Himmelsthür), die ebenso das Gesamtprojekt wie auch einzelne Gruppen – namentlich die Gruppen „Technik“ (Joe) und „Sterne“ (Anke) – leiten und koordinieren. Als Grundlage für das Stück diente das Kinderbuch „Der Wirt“. Das Stück lebt von einer besonderen Komik in Text und Schauspiel, möchte am Ende aber auch eine anrührende Botschaft rüberbringen. Im Zentrum steht der Wirt, der sich angesichts der vielen Störungen seines wohlverdienten Schlafs in jener denkwürdigen Nacht recht kratzbürstig gibt. Maria zeigt sich dagegen in einigen Szenen leicht hysterisch. Außerdem mischt sich Queen Mum unter die Weisen aus dem Morgenland, und die Engel glänzen mit ihrem Halleluja-Rap. Die Hirten verlieren unterwegs ihre Schäfchen und kommen stattdessen mit Huhn und Hahn zum Stall. Ein wenig Lokalkolorit bringt ein Hirte mit seinem plattdeutschen Mundwerk ins Stück.

Mitwirkende zwischen zehn und 72 Jahre alt

„Es ist toll, mit welchem Engagement und Eifer alle Ehrenamtlichen dabei sind – so unterschiedlich sie auch alle sind“, genoss Anke Strömer die emsige Atmosphäre während der Intensivprobe. Auch die Altersstruktur sei sehr breit aufgestellt: Die Mitwirkenden sind zwischen zehn und 72 Jahre alt. Zu den jüngsten Teilnehmern gehören Klaas Müller und sein Kumpel Michel Poppe. „In der Grundschule habe ich auch schon mal im Schulmusical mitgemacht. Außerdem singe ich im Kirchenchor, jetzt schon bei den Jugendlichen“, zählte Klaas einige seiner musikalischen Vorerfahrungen auf. Als „Stern“ in Anke Strömers Gruppe führt er nun als Kleinster und daher erster in der Reihe auch die Choreografie an, mit der die „Sterne“ ihren Auftritt einläuten. „Das ist gar nicht schwer und macht sehr viel Spaß“, so Klaas.

Mit seinen 68 Jahren zählt dagegen Reinhard Mildes vom „Sun Shine TV“ der Diakonie Himmelsthür zu den ältesten Mitwirkenden. Gemeinsam mit drei Bewohnern führt er seit etwa zehn Jahren verschiedene Filmprojekte durch. So entstehen ebenso kreative wie professionelle Dokumentationen verschiedenster Projekte und Veranstaltungen. Natürlich begleiten Mildes und sein Team daher auch das inklusive Weihnachtsmusical, das ein Pilotprojekt ist.

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