Lediglich eine Festnetzleitung in Holzhausen 

Größter Online-Händler für Fische ohne eigenes Internet

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Stephan Schubert mit einem gerade angelieferten Beutel, indem sich Goldfische aus China befinden.

Wildeshausen - Von Dierk Rohdenburg. Das mag man kaum glauben: Der größte Online-Händler für Teichfische im deutschsprachigen Raum ist in Wildeshausen ansässig. Doch es klingt wie ein schlechter Witz, dass die Fischfarm Schubert auch nach jahrelangem Bemühen nur über eine Festnetz-Telefonleitung und keine Internetverbindung verfügt. „Die Bestellungen werden zu Hause bearbeitet“, sagt Inhaber Stephan Schubert. Sie kommen dann ausgedruckt nach Holzhausen.

Die Chance, beim flächendeckenden Ausbau mit Glasfaserleitungen irgendwann in den Genuss einer Internetverbindung zu kommen, ist für Schubert auch in den kommenden Jahren nicht realistisch. „Nach langjährigem Kampf ist es mir gerade mal gelungen, eine Telefonleitung von der Telekom zu bekommen“, erzählt der gelernte Fischwirt. Dafür habe er aber einiges zahlen müssen. Auch die monatliche Gebühr sei mit 63 Euro hoch. 

Bis Ende des vergangenen Jahres hat Schubert auch noch vor Ort Fische verkauft. Wenn jemand per EC-Karte bezahlen wollte, mussten wir 30 Meter vom Haus weggehen, um einigermaßen Empfang zu haben.“ Auch mit dem Handy hat er nur ab und zu ein sehr schwaches Signal. „Einen Internetanbieter gibt es für diese Region gar nicht“, sagt Schubert. Es hätten alle abgewunken.

Umso erstaunlicher ist es, dass der Wildeshauser mit seinem Online-Handel jährliche Wachstumsraten von zehn bis 15 Prozent erreicht. Im Verkauf hat Schubert rund 200.000 Fische, in der Hauptsaison von Mai bis September gehen rund 100.000 Exemplare per Express mit einer Spedition auf die Reise.

Die Behälter mit fließendem Wasser werden jetzt befüllt.

Schon als Sechsjähriger fand Schubert Fische faszinierend. Er beobachtete sie gerne und interessierte sich für die Möglichkeit, sie zu vermehren. 1991 meldete er sein Gewerbe an. „Ich verkaufe alle Fische, die man sich nach draußen in den Teich setzt“, erzählt Schubert. Der klassische Goldfisch (erhältlich in 50 Zuchtformen) gehört genauso dazu wie Störe, Forellen, Karpfen oder gar Hechte. Selbstverständlich dürfen auch Kois nicht fehlen, die bei Schubert bis zu 800 Euro kosten können. „Es gibt aber noch wesentlich teurere Sorten“, berichtet er.

Die Setzlinge dürfen eine Größe von 60 Zentimetern nicht überschreiten. Sie kommen aus China, Japan, Singapur oder Israel und müssen innerhalb von 48 Stunden über den Flughafen Frankfurt in Holzhausen angeliefert werden.

Oft mehr als 100 versendete Päckchen täglich

„Das Wasser muss schön warm sein“, erklärt Schubert, warum die Fische zumeist in exotischen Ländern gezüchtet werden. Viele seiner Tiere können per Nummer und Foto im Internet geordert werden. In der Hauptsaison gehen im Extremfall mehr als 100 Päckchen täglich von Holzhausen auf die Reise, 4200 Einheiten sind es jährlich. Derzeit werden die Becken wieder besetzt, weil die Kunden mit dem Frühling neue Tiere bestellen. 

Richtig gut verkaufen sich aktuell Goldfische. Das kurdische Neujahrsfest Newroz (21. März) steht an, und da verschenken Perser Goldfische an Freunde und Geschäftspartner.

„Es gibt Kunden, die bestellen für ein exaktes Datum gleich 1500 Fische“, berichtet Schubert. Natürlich tun sie das online.

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