Greenpeace weist gefährliche Erreger bei Geestland und Heidemark nach

Keime im Schlachthof-Abwasser

Geestland-Kläranlage: Von dort aus wird das Abwasser in die Brookbäke geleitet.
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Geestland-Kläranlage: Von dort aus wird das Abwasser in die Brookbäke geleitet.

Wildeshausen/Ahlhorn – Mit Abwässern aus Schlachthöfen gelangen antibiotikaresistente Keime direkt in die Umwelt. Das ist das Ergebnis einer Greenpeace-Recherche, für die Abwasserproben aus sieben Schlachtbetrieben aus drei Bundesländern analysiert wurden. Auch im Landkreis Oldenburg wurden die beauftragten Wissenschaftler der Universität Greifswald fündig: bei Geestland in Wildeshausen und bei Heidemark in Ahlhorn.

Laut Greenpeace werden bei Geestland 40. 000 Puten täglich geschlachtet. Das Abwasser wird aus der Kläranlage direkt in die Brookbäke geleitet. Dort fanden sich Ende 2020 in vier Proben insgesamt zehn resistente Stämme mit 13 Resistenzen.

Bei Heidemark werden täglich rund 50. 000 Puten geschlachtet. Das Abwasser wird aus der Kläranlage direkt in den Hageler Bach geleitet. Dort fanden sich in vier Proben neun resistente Keime mit elf Resistenzen.

Unter anderem wurden im Auftrag von Greenpeace Betriebe von Tönnies, Westfleisch und Wiesenhof, zu dem Geestland gehört, beprobt. 30 der insgesamt 33 untersuchten Proben enthielten antibiotikaresistente Keime. Außerdem wurden in elf Proben Resistenzen gegen das wichtige Reserve-Antibiotikum Colistin nachgewiesen. „Colistin ist einer der letzten Wirkstoffe gegen bestimmte Infektionskrankheiten beim Menschen“, heißt es von Greenpeace.

„Schleichende Pandemie der zunehmenden Unwirksamkeit von Antibiotika“

„Auch Schlachthöfe verbreiten Resistenzen gegen überlebenswichtige Antibiotika und tragen damit dazu bei, dass Infektionskrankheiten immer schwerer zu behandeln sind“, wird Greenpeace-Landwirtschaftsexperte Dirk Zimmermann zitiert. „Wir alle sind von der ‚schleichenden Pandemie‘ der zunehmenden Unwirksamkeit von Antibiotika betroffen. Sie ist eine Folge der Massentierhaltung, die wir nur in den Griff bekommen, wenn deutlich weniger Tier besser gehalten werden. Anders lässt sich der Einsatz von Antibiotika in den Mastanlagen nicht weiter effektiv reduzieren.“

Mit dieser Einschätzung steht Zimmermann nicht alleine da. Nach Angaben des Leiters des Veterinäramtes des Landkreises Oldenburg, Dr. Carsten Görner, sind Schlachtbetriebe allerdings nur ein Teil des Problems. „Multiresistente Keime betreffen wohl fast jede Kläranlage“, vermutet er. Gerrit Finke vom Amt für Bodenschutz und Abfallwirtschaft des Landkreises bestätigt das. „Das Abwasser wird nicht auf Keime überprüft“, sagt er. Es gebe dafür auch keine Verordnung. Er würde es aus fachlicher Sicht begrüßen, wenn in Kläranlagen eine vierte Reinigungsstufe eingebaut werden müsste, so Finke. Technisch sei das Zurückhalten von multiresistenten Keimen durchaus möglich, beispielsweise mit speziellen Filtern oder die Zerstörung durch ultraviolette Strahlung.

„Eine Konsequenz aus unseren aktuellen Ergebnissen muss die bestmögliche Klärung des Abwassers sein. Neben den Schlachthöfen ist auch die Politik in der Pflicht, entsprechende Vorgaben zu machen“, so Zimmermann. „Und die Supermärkte müssen ihrer Verantwortung gerecht werden und mit fairen Preisen eine bessere Tierhaltung ermöglichen. Billigfleisch zu Ramsch-Preisen darf es nicht länger geben“, fordert er.

Schlachthöfe sollten Abwasser gezielt behandeln

„Nach gegenwärtigem Stand ist nicht absehbar, wann die vierte Reinigungsstufe in allen Kläranlagen in Deutschland zum Einsatz kommen wird oder eine entsprechende Änderung der Abwasserverordnung erfolgt. Aus fachlicher Sicht ist es dort, wo sich entsprechende Anforderungen aus Gründen des Gewässer- und Gesundheitsschutzes ergeben, zielführend, entsprechende Techniken anzuwenden. Bei Schlachthöfen wäre beispielsweise eine gezielte Behandlung am Ort des Anfalls sinnvoll“, teilt Dr. Claus Gerhard Bannick aus der Abwassertechnikforschungsabteilung des Umweltbundesamtes auf Nachfrage mit.

Die Unternehmensberatung für Kommunikation Engel & Zimmermann, die für das Unternehmen Geestland arbeitet, verweist aufgrund einer Anfrage unserer Zeitung darauf, dass die Geflügelwirtschaft als gesamte Branche die Thematik der antibiotikaresistenten Keime angeht – unter anderem mit verschiedenen Forschungsprojekten. Zudem zeige eine Studie des Robert Koch-Instituts, dass die Häufigkeit von multiresistenten Keimen in keinem Zusammenhang zu Nutztierbeständen stehe, heißt es von Engel & Zimmermann.

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