Die Kaserne ist weg – die Heilige Barbara wird gefeiert

Ehemalige Soldaten in der „Gildestube“

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Mit der Bataillonsfahne stellten sich die ehemaligen Artilleristen zum Gruppenfoto auf.

Wildeshausen - Von Joachim Decker. Sie ist die Schutzpatronin all derer, die mit Sprengstoff und Feuer zu tun haben. Somit also auch der Artilleristen der Bundeswehr – die Heilige Barbara.

Auch wenn es die Wildeshauser Wittekind-Kaserne seit etwa zehn Jahren nicht mehr gibt und das Panzerartilleriebataillon 315 bereits 1993 in das Fallschirmjägerregiment 31 eingegliedert und nach Seedorf verlegt wurde, so ist bis heute, wenn auch in deutlich „abgespeckter“ Version, eines geblieben: die traditionelle Barbarafeier zu Ehren der Schutzpatronin. Und diese ging am Dienstagabend in der „Gildestube“ in der Kreisstadt über die Bühne. Organisiert werden diese Feiern seit nunmehr 20 Jahren von Detlef Mentel.

Traditionsgemäß gab es Idar-Obersteiner-Spießbraten mit Bratkartoffeln, Krautsalat und Soße. Der Grund dafür ist die Tatsache, dass die Artillerieschule in Idar-Oberstein beheimatet ist. „Jeder Artillerist ist somit schon in dieser Stadt gewesen und konnte sich von der Qualität dieses Essens überzeugen. Da lag es auf der Hand, dieses Gericht als Stammessen für die Barbarafeiern auf ganz Deutschland zu übertragen“, erzählten einige der Gäste.

Traditionsgemäß gab es Idar-Obersteiner-Spießbraten mit Bratkartoffeln in der „Gildestube“.

Darunter auch Hans-Henning Sturm, von 1982 bis 1987 als Oberstleutnant Kommandeur des Bataillons 315: „Dieses war von 1961 bis 1993 in der Wittekind-Kaserne zu Hause. Die Babarafeiern waren damals legendär, es wurde bis in die späte Nacht gefeiert.“ Sie seien aber nicht etwa nur für die Soldaten, sondern vielmehr ein großes gesellschaftliches Ereignis gewesen. „Jahr für Jahr wurden viele Ehrengäste eingeladen. Darunter auch Vertreter der Stadtverwaltung und Politik.“

Als er dann etwas aus der Schule plauderte, erinnerte sich Sturm noch sehr genau daran, dass er den heutigen Generalinspekteur der Bundeswehr, Vier-Sterne-General Volker Wieker, in Wildeshausen ausgebildet hat: „Als ich ihn dann für den Generalstab vorgeschlagen habe, meinte er nur, dass das eigentlich nichts für ihn sei. Und heute ist er ist einer der ranghöchsten Soldaten der Bundeswehr.“

Sturm erinnerte sich auch noch sehr genau an ein Manöver in Munster: „Ich weiß bis heute nicht, wie wir es geschafft haben, bei klirrender Kälte von bis zu minus 22 Grad zwei Wochen in Zelten durchzuhalten.“ Jeder sei für jeden da gewesen und habe sich um die Kameraden gekümmert: „Das war in der Tat ein enormer Zusammenhalt.“ Heizen sei nur mit Kohle möglich gewesen: „Das hat in allen Zelten funktioniert, nur in dem des Kommandeurs, nämlich in meinem, nicht.“ Er habe hin und wieder ordentlich frieren müssen.

„Wunderbare Jahre“

Als einen „natürlichen Prozess“ bezeichnete Mentel die Tatsache, dass die Teilnehmer an der Feier im Laufe der Jahre weniger werden. „Wir haben diese Feiern damals nach Weggang des Bataillons zunächst im Uffzheim in der Kaserne und später im Soldatenheim auf die Beine gestellt.“ Seinerzeit habe er bis zu 200 Gäste begrüßen können: „Es hatte auch Tradition, dass einer der Kameraden stets als Barbara erschien.“

Er stelle diese Treffen auch heute noch auf die Beine, weil er selbst acht „wunderbare Jahre“ im Bataillon gehabt habe: „Außerdem ist Traditionspflege überaus wichtig. Es muss sie nur jemand machen. Entscheidend ist, dass diese Feier erhalten bleibt.“ Besonders erfreut zeigte sich Mentel, dass er Hubert Heidbüchel begrüßen konnte, der eigens für die Feier aus Aachen angereist war.

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