Institut entwickelt bis Dezember ein Konzept / Auftaktkonferenz mit Bürgerbeteiligung

Wie kann Integration gelingen?

Im Herbst 2015 kamen viele Menschen nach Wildeshausen, die vor Krieg und Armut geflüchtet waren. Ihre Integration ist Thema des neuen Konzepts. ArchivFoto: bor

Wildeshausen - Von Ove Bornholt. In diesem Monat beginnt die Entwicklung eines neuen Integrationskonzepts für Wildeshausen. Ob bulgarische Werkvertragsarbeiter in der Schlachtindustrie sowie ihre Familien oder Menschen, die auf der Flucht vor Krieg und Armut in der Stadt gelandet sind: Die Stadt steht bei der Integration neu zugewanderter Einwohner vor großen Herausforderungen. Welche genau das sind und vor allem, wie sie gemeistert werden können, soll jetzt geklärt werden.

Die Verwaltung hat die Duisburger Beratungsgesellschaft Ibis (Institut für interdisziplinäre Beratung und interkulturelle Seminare) damit beauftragt, ein Konzept zu erstellen. Einen Beschluss dazu hatte der Stadtrat im September gefasst, nachdem das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge einen Antrag auf Förderung einer Sozialpädagogen-Stelle für Wildeshausen abgelehnt hatte.

„Das Konzept kann nicht am Reißbrett, sondern nur mit Bürgern und Experten vor Ort entwickelt werden“, sagte Frank Jessen. Der Soziologe leitet das Ibis-Institut und stellte die Pläne gemeinsam mit seiner Kollegin, der Sozialwissenschaftlerin Mareike Schmidt, am Mittwochabend im Ausschuss für Ordnung, Familie und Soziales im Stadthaus vor.

Das Integrationsprogramm soll bis Dezember fertiggestellt sein und kostet 30 000 Euro. Laut Verwaltung stehen Haushaltsreste aus 2019 zur Verfügung. Die Konzepterstellung beginnt mit einer Analyse der bestehenden Angebote und Probleme. Durch Interviews mit Akteuren aus der Integrationsarbeit, aber auch aus Kindergärten und Schulen wollen Ibis-Mitarbeiter klären, welche Aufgaben zu bewältigen sind.

Diese Herausforderungen sind Thema einer Auftaktkonferenz im März, zu der alle Bürger eingeladen sind. „Das ist der öffentliche Startschuss. Wir wollen die breite Bevölkerung mitnehmen“, sagte Schmidt, die hofft, dass sich neben ehren- und hauptamtlichen Fachleuten auch viele interessierte Laien beteiligen. Die Teilnehmer der Konferenz können Schwerpunkte festlegen, die in den Monaten darauf in mehreren Workshops Thema sind.

Fachleute und Laien zusammenbringen

Bis Ende September – unterbrochen von den Sommerferien – sollen sich die kleinen Gruppen treffen und diskutieren. Bis Dezember arbeiten die Ibis-Mitarbeiter die Ergebnisse in ein Konzept ein, das zum Jahresende vorgestellt wird. Darin enthalten sind dann laut Vorstellung von Jessen Maßnahmen, die sowohl von der Stadt und Integrationsexperten, aber auch von Privatleuten umgesetzt werden können.

„Dann beginnt ja erst die Arbeit“, stellte Ratsherr Günter Lübke (CDU) nach den Ausführungen der Ibis-Vertreter fest. Deren Auftrag endet zurzeit mit der Vorstellung des Konzepts, kann aber bei Bedarf verlängert werden.

Ibis war in mehreren Kommunen tätig, zum Beispiel in Gladbeck. Die Ruhrgebietsstadt hat ebenfalls Probleme bei der Einbindung von Zugewanderten. Auch weil es eine große Skepsis bei der einheimischen Bevölkerung gibt. Das ist zumindest dem Integrationskonzept zu entnehmen. Weitere Herausforderungen sind unter anderem Sprachprobleme, die die Erziehung im Kindergarten und den Unterricht in der Schule erschweren, sowie mangelnde interkulturelle Kompetenz bei Behörden und in Vereinen.

„Vieles, was in Gladbeck identifiziert wurde, trifft auch auf Wildeshausen zu“, so Lübke. „Mehr Schulsozialarbeit und Dolmetscher haben wir ja schon.“ Für weitere Aufgaben bedürfe es großer finanzieller Ressourcen. „Wir dürfen aber nicht nur Papier beschreiben, sondern wir müssen in die Umsetzungsphase kommen“, forderte der Christdemokrat.

Bürgermeister Jens Kuraschinski stimmte Lübke zu. „Gerade ein externes Papier ist gut, um dem Land gegenüber zu argumentieren“, überlegte er schon, wo es Fördermittel geben könnte.

Angesichts dessen warnte Hartmut Frerichs (SPD): „Lasst uns den ersten Schritt vor dem zweiten machen. Wir stehen ganz am Anfang.“ Bis Ende kommender Woche sollen die Fraktionen jetzt Vertreter für eine Steuerungsgruppe benennen, die die Konzepterstellung koordiniert.

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