Jusos „mieten“ Juden

Nachwuchs-Sozialdemokraten laden Initiative „Rent a Jew“ ein

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Die Jusos und Sozialdemokraten diskutierten mit Salco Spanjaard (Dritter von rechts) über den jüdischen Alltag in Deutschland.

Wildeshausen – Etwas provokant klingt es schon: „Kennen Sie einen Juden? Nein?! Mieten Sie einen!“ Das schlägt die Münchener Initiative „Rent a Jew“ (Miete einen Juden) vor. Die Idee dahinter ist, Begegnungen zwischen jüdischen und nichtjüdischen Menschen zu ermöglichen.

Genau dazu ist es auf Initiative der Jungsozialisten (Jusos) Oldenburg-Land im „Wildeshauser Hof“ in der Kreisstadt gekommen. Daniel Helms, Mitglied der Jusos und Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Harpstedt, war im Internet auf „Rent a Jew“ gestoßen und hatte seinen Mitstreitern ein Treffen vorgeschlagen.

Dabei ging es laut Pressemitteilung der Jusos um Fragen wie „Wie viele Gebote gibt es in einem jüdischen Alltag zu berücksichtigen?“ und „Wie leben Juden heute in Deutschland?“. Um diese Fragen klären zu können, luden die Jusos Salco Spanjaard aus Bad Bentheim und Nick Zemmel aus Potsdam von „Rent a Jew“ ein. Das Konzept der Initiative sieht vor, dass lediglich anfallende Reisekosten beglichen werden.

„Wer streng nach den jüdischen Geboten leben möchte, muss im Alltag über 300 Gebote berücksichtigen“, informierte Spanjaard die Jusos und Sozialdemokraten. Auch der zunehmende Antisemitismus wurde thematisiert. „Antisemitische Straftaten sind sehr stark gestiegen, das ist ein erstzunehmendes Problem“, sagte Zemmel und betonte, wie wichtig das gegenseitige Kennenlernen der Kulturen sei. Spanjaard berichtete von persönlichen Erlebnissen mit Schulklassen: „Kein Kind kommt mit Hass auf die Welt. Wenn man sich früh kennenlernt, ist einiges sehr viel leichter.“

Die Jusos versprachen: „Wir wollen uns weiterhin für ein gutes Miteinander einsetzen und von diesem positiven Gespräch berichten.“ Bei „Rent a Jew“ können Schulklassen und Vereine ehrenamtlich engagierte Juden einladen und mit ihnen in lockerer Atmosphäre über das Judentum in Deutschland sprechen.

„Das ist ein super Angebot“, findet Matthias Kluck, Juso und SPD-Mitglied. Ein bisschen sei er allerdings schon über den ungewöhnlichen Namen der Initiative gestolpert. Aber das sei wohl auch die Absicht dahinter. „,Rent a Jew‘ klingt etwas provozierend, aber es soll Aufklärungsarbeit geleistet werden.“  

bor

Kontakt

Interessierte können sich unter www.rentajew.org über das Angebot von „Rent a Jew“ informieren. Dahinter steckt der Verein „Europäische Janusz Korczak Akademie“.

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