Junge Leute informieren sich online

Unternehmen aus Wildeshausen setzen eher zögerlich auf Social Media

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Sie sind als Auszubildende bei Atlas Weyhausen untergekommen: Malaika Schmidt (Industriekauffrau) und Marco D’Elia (Industriemechaniker, von links). Ebenfalls Industriemechaniker lernt Felix Lübberding (vorne, rechts). Michael Hermes wird Fachkraft für Lagerlogistik.

Wildeshausen - Von Ulf Buschmann. Frühere Generationen hatten es schwer. Vor dem Traumjob standen eine ordentlich geschriebene Bewerbung, dann ein Vorstellungsgespräch und vielleicht noch ein Einstellungstest. Die Unternehmen konnten aus dem Vollen schöpfen, denn vor allem in den 1980er-Jahren drängten die geburtenstarken Jahrgänge auf den Ausbildungs- beziehungsweise Arbeitsmarkt.

Inzwischen hat sich das Verhältnis komplett gedreht: Wer heute einen Ausbildungsplatz sucht, kann meistens aus mehreren Angeboten wählen. Vom kleinen Unternehmen bis zu den großen Konzernen gilt: Lehrlinge sind heiß begehrt. Die Betriebe setzen dabei auch auf Social Media. Doch spezielle Kampagnen zum Ansprechen junger Leute gibt es in der Region nur seitens der Industrie- und Handels- sowie der Handwerkskammer.

„Handwerk – Deine Chance“ heißt die bundesweite Kampagne der Handwerkskammern. Auszubildende berichten auf Facebook über ihren Alltag. Und beim „Schulabschlussstreich“ machen sich junge Leute zu 44 Praktika in unterschiedlichen Berufen auf. Ihre Erfahrungen teilen sie ebenfalls über die sozialen Netzwerke.

Torsten Heidemann, Sprecher der Handwerkskammer (HWK) Oldenburg, ist überzeugt, dass sich im 21. Jahrhundert anders kaum noch künftige Auszubildende gewinnen lassen. Social Media (soziale Medien) sind denn auch ein Teil der Aktion „Das Handwerk – die Wirtschaftsmacht von nebenan“.

Dass diese Art der Kommunikation funktioniert, stellen laut Heise immer mehr Unternehmen fest. „Das ist schon aus den Betrieben zu hören“, sagt er. Nicht nur er bekommt diese Rückmeldung von den Kammermitgliedern. Auch in anderen Bezirken strecken sich Betriebe nach der Decke und entwickeln eigene Ideen – notgedrungen. Denn angesichts von immer weniger Bewerbern wird der Kampf um Auszubildende für sie härter. Zwar können Unternehmen, die klassischen Berufe wie Kaufmann für Bürokommunikation oder Industriemechaniker ausbilden, noch immer aus dem Vollen der Bewerber schöpfen. Doch langfristig, so die Einschätzung von Fachleuten mehrerer Bezirke der Industrie- und Handelskammern (IHK), würden sich auch hier weniger junge Leute bewerben.

Spezielle Social-Media-Kampagnen sind bei den großen Arbeitgebern in Wildeshausen zurzeit aus unterschiedlichen Gründen aber noch kein Thema. Bei der Firma Heinrich Schröder Landmaschinen setzen die Verantwortlichen nach Auskunft von Vera Schröder auf ihren eigenen Internetauftritt, die Zusammenarbeit mit der HWK und der IHK Oldenburg sowie künftig auf das Portal „Azubiyo“. Die Vorbereitungen dafür laufen, erklärt Schröder. Sie ergänzt, dass es zwar auch eine Schröder-Landmaschinen-Facebookseite gibt. Dort landen jedoch alle Inhalte. „Wir nutzen Facebook zwischendurch auch mal für die Ausbildung“, sagt Schröder. Auf den anderen, vor allem für junge Leute wichtigen Plattformen wie Instagram und Snapchat ist Schröder hingegen nicht vertreten.

Marcel Schmidt (hinten) lernt bei Schröder Landmaschinen Kaufmann für Bürokommunikation. Finn Franz wird Groß- und Außenhandelskaufmann.

Dies gilt auch für andere große Arbeitgeber in Wildeshausen wie Atlas Weyhausen. Dort werden Industriekaufleute, Fachkräfte für Lagerlogistik und -wirtschaft sowie Industriemechaniker ausgebildet. Das mittelständische Unternehmen sei eingebunden in den Flächentarifvertrag, erklärt Sprecher Holger Wagner. Wer sich für einen Ausbildungsplatz interessiere, finde beispielsweise auf der Internetseite der IG Metall Küste alle wichtigen Informationen – die Höhe der Ausbildungsvergütung inklusive. Angesichts des hohen Altersdurchschnitts werden grundsätzlich alle Auszubildenden übernommen. Wagner ist überzeugt: „Das Thema Ausbildung ist hier ordentlich geregelt.“

Nicht nur die privatwirtschaftlichen Arbeitgeber in der Kreisstadt sind weitgehend Social-Media-freie Zonen. Gleiches gilt für die öffentlichen wie den Landkreis Oldenburg. Sprecher Oliver Galeotti macht daraus keinen Hehl. „Wir bevorzugen die klassischen Wege“, sagt er. „Wir haben mit dem ,Eye to Eye‘-Prinzip gute Erfahrungen gemacht.“ Dafür nutze der Landkreis Azubi-Informationstage oder auch Messen wie die „Job4You“ in Bremen. Zum „klassischen“ Repertoire der Kreisverwaltung gehören ebenso Stellenanzeigen.

Galeotti will indes nicht ausschließen, dass es in der Zukunft eine Social-Media-Präsenz geben wird. Bevor dies aber geschieht, will sich die Verwaltung dem Thema konzeptionell nähern. Einer der Gründe ist die allgemeine Verunsicherung nach dem endgültigen Inkraftreten der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) am 25. Mai. Vor diesem Hintergrund müsse der Landkreis Oldenburg erst einmal ausloten, „wie wir uns bewegen können“. Galeotti kommt zum Schluss: „Recruiting ist nicht einfach.“

Dem kann Ludger Wester, Teamleiter Fachkräfte- und Ausbildungsprüfung bei der IHK Oldenburg, nur zustimmen. Wer sich heute um künftige Auszubildende bemüht, muss sich als Unternehmen ordentlich anstrengen. „Es reicht nicht, einen Facebook-Account zu haben und den nur im Abstand von einem halben Jahr zu bespielen“, sagt Wester. Das alles hat einen Grund. „Jugendliche, die heute einen Ausbildungsplatz suchen, sind online unterwegs“, weiß er.

Dabei spielen sogenannte Peergroups eine gewaltige Rolle. Wester sagt: „Das Image und das Betriebsklima sind wesentliche Faktoren für die Jugendlichen bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz.“ Hinzu komme: „Künftige Auszubildende orientieren sich am Radfahrbereich.“ Heißt: Sie wollen nicht pendeln.

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