Zehn fiktive Einsätze

Praxistag der Malteser: Jugendliche setzen Maschinenhalle in Brand

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Jörg Bohlken von den Oldenburger Johannitern spielte den Kranken.

Wildeshausen - Von Joachim Decker. Vergiftete Personen bei den Kleinenkneter Steinen, ein schlimmer Sturz in einer Wohnmobil-Werkstatt, der Herzinfarkt eines stark adipösen Mannes und ein Feuer mit vermissten Jugendlichen auf einem landwirtschaftlichen Hof. Reichlich zu tun hatten Feuerwehr und Malteser-Hilfsdienst (MHD) am Sonnabend in der Kreisstadt. Zum Glück aber waren dies alles nur fiktive Einsätze im Rahmen des Praxistages der Malteser.

Vorbereitet hatte diesen Tag Lena Gerhold vom MHD, die auch für die Leitung und Beobachtung zuständig war. Im Einsatz waren neben sieben Auszubildenden zum Notfallsanitäter acht Kräfte der Schnell-Einsatzgruppe der Wildeshauser MHD-Stadtgliederung. Hinzu kamen einige Kollegen als Beobachter sowie Mitglieder der Oldenburger Johanniter, die für die realistische Unfalldarstellung zuständig waren, die also gekonnt und geschminkt Verletzte und Kranke spielten. Ein Einsatzleitwagen wurde zur „Leitstelle“ umfunktioniert und von Henning Spöring von der Großleitstelle Oldenburg besetzt.

Punktgenau wurde der „stark übergewichtige Patient“ am RTW abgesetzt.

„Insgesamt warten heute zehn fiktive Einsätze auf die Kollegen. Der Ablauf ist wie im normalen Rettungsdienstalltag. Zu den angenommenen Lagen kann es in der Tat jederzeit kommen. Die Leute hier auf der Wache wissen nicht, was auf sie zukommt, die Alarmierung übernimmt Henning von der ,Großleitstelle‘ aus“, erklärte Gerhold den Ablauf. Der Tag diene aber auch dazu, den Ehrenamtlichen den Rettungsalltag etwas näher zu bringen.

Plötzlich hieß es „vergiftete Personen bei den Kleinenkneter Steinen“. Angenommene Lage war, dass sich eine Mutter und ihre Tochter mit E-605 vergiftet hatten. „Wichtig ist, dass alles genau abgearbeitet wird. Auch der Notarztwagen wird von Auszubildenden besetzt, die bei Bedarf über die Medikamentengabe entscheiden müssen“, betonte Gerhold.

Ein Vater wollte unbedingt seine Kinder aus der Halle retten.

Dann aber wurden die Kräfte zum neuen Feuerwehrhaus gerufen, das zum Bürogebäude umfunktioniert worden war. Im Obergeschoss hatte ein stark adipöser (übergewichtiger) Mann einen Herzinfarkt erlitten. Nach der Stabilisierung war die Rettung über das viel zu steile und zu enge Treppenhaus mit der Trage nicht möglich. Also musste der 180-Kilo-Mann mit dem Rescue-Loader an der Drehleiter durch ein Fenster geborgen werden. „Mit dem Korb am Loader können wir Personen bis 280 Kilogramm bergen“, so die Einsatzkräfte.

Erschwerte aber sehr realistische Bedingungen fanden die Sanitäter in der Halle der Firma „Caravan Sontag“ vor. Dort war eine Person in die Arbeitsgrube gestürzt und hatte sich verletzt. Diese musste zunächst stabilisiert und dann immobilisiert werden, damit sie geborgen werden konnte. „Die Immobilisierung ist eine Fixierung, damit sich der Patient beim Bergen nicht noch mehr verletzt“, so Gerhold.

Mit der Schleifkorbtrage wurde ein „Verletzter“ geborgen.

Die Kräfte des Rettungsdienstes hatten sich dann am Nachmittag gerade in der MHD-Wache zur Abschlussbesprechung zusammengefunden, da heulten um 15.48 Uhr die Sirenen: „Feuer auf dem Hof Debbeler in Düngstrup, mehrere vermisste Personen“, war in den Meldeempfängern zu lesen. Von dieser Übung wussten auch die Feuerwehrleute aus Wildeshausen und Düngstrup nichts – lediglich Stadtbrandmeister Helmut Müller und sein Stellvertreter Kurt Hagelmann waren eingeweiht.

Fünf Jugendliche hatten sich laut Drehbuch zunächst im Dorfgemeinschaftshaus getroffen und mit reichlich Alkohol gefeiert. Dann verschafften sie sich gewaltsam Zugang zur Maschinenhalle, in der auch Heu lagerte. Leider rauchte die Jugendlichen, sodass es zu einem Schwelbrand kam. Mehrere Personen wurden verletzt und mussten auf verschiedene Arten ins Freie gebracht werden, wo sie dem Rettungsdienst übergeben wurden. Die Halle war völlig verqualmt sowie stockdunkel und nur mit Atemschutz zu betreten. Die Johanniter sorgten als Verletzte mit ihren Hilferufen für eine sehr realitätsnahe Atmosphäre.

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