Jugendamt zeigt sich optimistisch, alle Minderjährigen unterbringen zu können

Landkreis rechnet mit 83 unbegleiteten Flüchtlingen

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Mediengruppe Kreiszeitung

Wildeshausen - Das Jugendamt des Landkreises Oldenburg bereitet sich auf die Aufnahme von bis zu 83 minderjährigen, unbegleiteten Flüchtlingen vor. Doch verlässliche Zahlen liegen noch nicht vor.

Die Zahl 83 entspricht einem Anteil von 1,6 Prozent an allen jugendlichen Flüchtlingen ohne Eltern, die laut bundesweiter Verteilung nach Niedersachsen kommen würden. Das Jugendamt geht von 52000 unbegleiteten Flüchtlingen in Deutschland, 5200 für Niedersachen und entsprechend dazu 83 für den Landkreis Oldenburg aus. Doch bis die Jugendlichen in eine der Jugendhilfe-Einrichtungen oder zu einer Gastfamilie kommen, kann es ein weiter Weg sein.

Routinemäßig wartet ein Mitarbeiter des Kreis-Jugendamts beim Gymnasium Wildeshausen, wenn wieder ein oder zwei Busse mit Flüchtlingen im Rahmen der Amtshilfe ankommen. Sollten unter 18-Jährige ohne Eltern oder sonstigen Vormund dabei sein, endet ihre Reise jedoch nicht in der Kreisstadt. „Wir nehmen unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge sofort in Obhut“, erklärt der Leiter des Kreis-Jugendamtes, Martin Ahlrichs. 20 leben aktuell im Landkreis Oldenburg.

Derzeit dient der Jugendhof Steinkimmen (Gemeinde Ganderkesee) als zentrale Sammeleinrichtung. Dort sprechen die Betreuer mit den Flüchtlingen und diagnostizieren den nötigen Bedarf an Unterstützung. Es geht zum Beispiel um den Grad der Selbstständigkeit, mögliche Traumata, aber auch darum, wie viel Hilfe die jungen Menschen zulassen wollen. „Wenn wir zu behütend sind, guckt uns schon mal einer schief an“, berichtet Ahlrichs. Ab Dezember sollen diese sogenannten „Clearing-Gespräche“ im Wichernstift (ebenfalls Gemeinde Ganderkesee) geführt werden. Dieses sei wegen der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie sehr gut geeignet, so Ahlrichs.

Bei der Betreuung der jungen Menschen stehen er und seine Mitarbeiter vor einem rechtlichen Widerspruch. Zwar sollen sie den Aufenthalt der Jugendlichen sicher stellen, dürfen dafür aber keinen Zwang anwenden.

„Die meisten wollen weiter“, sagt Ahlrichs. Zum Beispiel zu Verwandten nach Schweden. Im Gespräch versuchen die Jugendamts-Mitarbeiter die Flüchtlinge davon zu überzeugen, erstmal hier zu bleiben und das Reiseziel gemeinsam zu erreichen.

Aber: „Wenn sich jemand entscheidet, seinen Rucksack aufzuschnallen und zu gehen, wird er nicht aufzuhalten sein“, stellt Ahlrichs fest. Doch das sei erst ein einziges Mal passiert. Oft bemerken Mitarbeiter etwas und reden noch einmal mit dem Betroffenen. Offensichtlich bleiben diese Worte nicht ohne Wirkung.

An Unterbringungsmöglichkeiten mangelt es derzeit und auch perspektivisch noch nicht. Nach und nach könnten bis zu 50 Plätze im Landkreis geschaffen werden, bilanziert das Jugendamt aus Gesprächen mit Jugendhilfe-Einrichtungen. Darüber hinaus haben sich 13 Familien gemeldet, die einen unbegleiteten, minderjährigen Flüchtling bei sich aufnehmen möchten, heißt es in der Vorlage zur öffentlichen Sitzung des Jugendhilfeausschuss am Dienstag, 24. November, ab 14.30 Uhr im Kreishaus. Dann informiert Ahlrichs die Politik detailliert über die Sachlage zu den jungen Flüchtlingen.

bor

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