„Jetzt aus den Fehlern der Vergangenheit lernen“

Marianne Steinkamp kritisiert den geplanten Abriss der alten Lohgerberei 

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Blick auf das Gelände der Lohgerberei. 

Wildeshausen - Nicht nur in der Kreisstadt wird lebhaft über die alte Lohgerberei diskutiert. Auch Marianne Steinkamp aus Dötlingen bedauert die Entscheidung, die Gerberei abzureißen, sehr.

„Die Familie Damke hat mir mit ihrem Beitrag zu dem Thema aus der Seele gesprochen“, so Steinkamp. In Wildeshausen wirkten offensichtlich gegenläufige Kräfte, die einerseits die Brisanz eines jeden Verlustes an identitätsstiftender historischer Bausubstanz aus den Augen verlören, andererseits kurzfristig auf Profit ausgelegte Investorenwünsche zulassend in Kauf nähmen.

„Und das gerade jetzt, wo das Thema ,Urgeschichtliches Zentrum‘ im alten Feuerwehrgebäude an der Hunte ansteht. Eine vom Stadtmarketing und der Initiative ,Wildeshausen 2030‘ empfohlene Quartiersplanung, bei der sich zahlreiche Bürger Gedanken über die Zukunft der historischen Stadt gemacht haben, würde mit dem Abriss zu einem großen Teil zunichte gemacht“, betont Steinkamp. 

Gastwirtschaft Kolloge unbedingt erhalten

Das gesamte Areal der vollständig erhaltenen Lohgerberei Benecke gehöre mit der daneben liegenden Brennerei, der ehemaligen Gastwirtschaft Kolloge, die den ehemals größten Saal der Stadt beherbergte, zur „historischen Meile“ und sollte unbedingt erhalten werden.

„Die Vertreter des Rates und der Bürgermeister könnten endlich beweisen, dass sie aus den zahlreichen Fehlern der Vergangenheit gelernt haben. Nur zwei Beispiele von vielen: Das ,Huder Zollhaus‘ und mit ihm die Geschichte des ehemaligen Zisterzienser Ordens sind für immer aus dem Stadtbild verschwunden“, sagt Steinkamp. Stattdessen könne ein „zeitgenössisches Gebäude“ an der Stelle gleich gegenüber der Gerberei an der Huntestraße „bewundert“ werden – ehemals Aldi jetzt Tedi. 

„Auch das stadtbildprägende Hotel Stegemann an der Westerstraße musste weichen, die historisierenden Fassaden in der Passage zur Neuen Straße, die als Auflage entstanden sind, sprechen ebenfalls für sich. Es sollte, wie bereits bei dem vorläufigen Erhalt der Häuser am Markt, wo der ,Magnet‘ verhindert werden konnte, daran gedacht werden, dass die Gefahr von Klagen wegen Lärmbelästigung durch das Gildefest durchaus das Potenzial haben könnte, dieses zu gefährden.“

„Ein unbezahlbarer Schatz“

Die Geschichte des Schuhmacherhandwerkes und der Gerbereien in Wildeshausen sei vom Mittelalter bis in die Neuzeit, nämlich bis zur Stilllegung der Gerberei Benecke an der Huntestraße im Jahre 1970, belegt. „Sie war einer der wichtigsten Bausteine der städtischen Handwerkerschaft, und mit ihr ging ein wichtiges Kapitel der Wildeshauser Geschichte zu Ende. Dass die komplett erhaltene Einrichtung der Gerberei mit allen Gerätschaften und Werkzeugen am originalen Standort erhalten geblieben ist, ist ein unbezahlbarer Schatz“, so Steinkamp. 

Seit vielen Jahren sind die Arbeitsräume verwaist.

Wildeshausen sei die älteste Stadt im Oldenburger Land, die nur dann interessant für Gäste und liebenswert für ihre Bewohner sein und bleiben könne, wenn sie ihr historisches Gesicht nicht gänzlich verliert. „Sie kann sicherlich sehr viele Geschichten erzählen und Menschen damit faszinieren, dazu braucht sie aber auch ihre alten Gebäude in gutem Zustand“, betont Steinkamp.

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