„Und jetzt!?“ – Provokante Frage auf dem Marktplatz

Jens Fröhlke sucht das Gespräch über eine lebenswerte Zukunft

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Jens Fröhlke ist werktäglich mit seiner aufrechten Bühne auf dem Markplatz anzutreffen.

Wildeshausen - „Und jetzt?!“ steht auf der Holzpalette, die Jens Fröhlke jeden Werktag von 15 bis 18 Uhr auf dem Wildeshauser Marktplatz aufstellt. Der 56-jährige gelernte Buchhändler, der für ein Jahr als „Lebensläufer“ seinen Ausstieg aus dem Berufsalltag gewählt hatte und seitdem ohne Geld unter anderem in der Wiekau lebt, möchte mit Passanten ins Gespräch kommen.

Die Palette hatte Fröhlke wiedergefunden, nachdem er sie zehn Jahre zwar besessen, aber nicht genutzt hatte. „Ich wollte sie ursprünglich für Spontan-Lesungen auf Plätzen verwenden“, erzählt er. „Jetzt aber ist sie meine aufrechte Bühne, eine Bühne, auf der niemand reden kann und die die Meinungsfreiheit aller symbolisiert.“

Doch vor der Palette stehen kann jeder Bürger, der auf Fröhlke aufmerksam wird und sich über die Frage „Und jetzt?!“ wundert. „Ich habe mehrere intensive Gespräche am Tag“, erzählt der Wildeshauser und trinkt Tee aus seinem Thermobecher. Die Erfahrung der vergangenen sechs Tage lautet aber auch: „Viele laufen einfach vorbei.“

„Viele schimpfen und sind unzufrieden“

Das hat nach Fröhlkes Meinung sicherlich damit zu tun, dass jeder, der sich die Frage, wie es weitergehen soll, stellt, mit Konsequenzen rechnen muss. „Viele schimpfen und sind unzufrieden, aber sie wollen dennoch keinen anderen Weg einschlagen“, stellt der „Lebensläufer“ fest.

Sein Ziel ist es, mit den Menschen über Konzepte zu sprechen, wie sich die Gesellschaft ändern kann, „wie wir einen anderen Weg einschlagen“. Beispielhaft nennt Fröhlke die Verlängerung der Zulassung des Insektenvernichtungsmittels Glyphosat. Das sei eine Katastrophe, findet er. „Und es wäre gut, wenn wir auf lokaler Ebene sagen könnten, dass wir das nicht mehr wollen. Ich muss für mich und meine Kinder entscheiden“, betont Fröhlke. „Und ich muss entscheiden dürfen, dass ich das nicht will.“ Warum, so seine Frage, versuche man nicht in der Stadt oder dem Landkreis, den Einsatz von solch gefährlichen Mitteln einzudämmen? „Einfach sagen: Wir wollen das hier nicht!“ Damit wäre schon ein erster Schritt getan.

Schüler beeindrucken Fröhlke

Auch mit Kindern und Jugendlichen kommt Fröhlke ins Gespräch. Besonders imponiert haben ihn vor wenigen Tagen zwei Jungen aus Wildeshausen, die berichteten, dass sie keine Plastiktüten mehr verwenden wollen. „Die wussten genau Bescheid, dass sich der Kunststoff als Mikroteilchen in den Ozeanen findet, dass Meerestiere das aufnehmen, und wir am Ende der Nahrungskette ebenfalls Plastik konsumieren.“ Das Wissen darüber hatten die Jungs offenbar in der Schule gewonnen, und Fröhlke findet das gut. „Es ist wichtig, dass schon Kinder für das Thema sensibilisiert werden.“

Axel Smollich aus Ahlhorn, der gerade vorbeikommt, sieht das genau so. „Ich habe immer Stoffbeutel dabei“, berichtet er. „Es ist einfach wichtig, dass wir auf unsere Umwelt achten.“

In den kommenden Tagen rechnet Fröhlke mit noch mehr Zulauf. Er steht gleich neben der Hütte der Rotarier und dem Hauptgewinn der Weihnachtstombola – einem Auto. Einerseits lässt sich dann sicher trefflich darüber diskutieren, ob der benzingetriebene Individualverkehr noch Zukunft hat. Es gibt aber auch positive Anknüpfungspunkte, denn die Rotarier wollen an ihrem Stand über einen transportablen Membran-Wasserfilter informieren, der ohne jede Energiezufuhr Trinkwasser von gefährlichen Keimen befreit. Mit dem Geld der Tombola sollen möglichst viele dieser Filter finanziert werden, so die Rotarier. - dr

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