Jazzclub-Musik zur Matinee

Ausnahmepianist Henning Pertiet begeistert Wildeshauser

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Der Ausnahmepianist Henning Pertiet ließ zur Jazz-Matinee die Tasten des Flügels glühen.

Wildeshausen - Von Anja Nosthoff. „Boogie Woogie hört man ja eigentlich nicht um 11 Uhr vormittags – es sei denn man ist um diese Zeit noch wach“, belehrte Henning Pertiet, deutscher Ausnahmepianist der Jazz-, Blues-, Boogie Woogie- und Ragtime-Szene, sein Publikum am Sonntagvormittag im Wildeshauser Rathaussaal.

Doch zu der mitreißenden Musik des Tastenvirtuosen stellten die Zuhörer sich den verrauchten Jazzclub und die tanzenden Clubbesucher einfach vor – und genossen so ganz entspannt die Jazz-Matinee in Wohnzimmeratmosphäre. Pertiet saß dabei fast in Reichweite des Publikums und erstaunte somit nicht nur akustisch, sondern auch visuell durch die unglaubliche Schnelligkeit seiner Bewegungen auf den Tasten.

Aus der Not eine Tugend gemacht

„Gut zugucken, dann können Sie das zu Hause nachspielen“, riet Pertiet schmunzelnd, als er sich daran machte, das Publikum an die Geheimnisse des „Stride Piano“ heranzuführen. Pertiet erklärte dazu, wie die Jazz-Pianisten in den 1920er Jahren aus der Not eine Tugend machten. „Wenn kein Geld für einen Bassisten oder Gitarristen da war, hat der Pianist mit der linken Hand die Parts der anderen Instrumente eben selbst übernommen. Mit dem Klavier geht das ja“,betonte Pertiet – und machte dem staunenden Publikum das Kunststück auch gleich vor.

Für den „German Blues Award“ nominiert

Pertiets „Stride Piano“-Stil ist an die Spielweise von Meade „Lux“ Lewis, einem herausragenden Boogie-Pianisten der 30er und 40er Jahre angelehnt. „Das Stride Piano ist etwas gemütlicher und nicht ganz so nervös wie die ersten Ragtime-Spielweisen, aus denen es sich entwickelt hat“, informierte Pertiet. Der moderne Meisterpianist, der aktuell für den „German Blues Award 2017“ nominiert ist, nutzte seine Tastenvirtuosität aber auch für andere musikalische Kapriolen und ersetzte beispielsweise den Gesang durch seine Fingerfertigkeit. „Auf den Gesang verzichte ich lieber. Dafür habe ich die Melodiestimme einfach auf die rechte Hand gelegt“, verkündete er bescheiden – und begeisterte mit seiner Interpretation eines Blues-Klassikers von Bob Robinson.

Während des Konzerts fehlte aber auch der Bezug zum Hamburger Boogie-Woogie-Pianisten Gottfried Böttger nicht, der zufällig Pertiets Onkel ist. „Als ich anfing, mich als junger Mensch für diese Musik zu begeistern, hat er mir dann auch tatsächlich eine Audienz gewährt“, erzählte Pertiet. Gemeinsam mit Böttger steht Pertiet nun auch mitunter mit dem Programm „Family Boogie“ auf der Bühne. „Für Vince“ spielte Pertiet dagegen das Stück, das er als Hommage an Vince Weber komponiert hatte.

Virtuos, eigenwillig, vielfältig

So erlebten die Zuhörer, dass verschiedenste Einflüsse Pertiets virtuose, aber auch eigenwillige und stilistisch vielfältige Spielweise prägen – darunter alte Barrelhous-Pianisten, Blues- und Boogie-Pioniere, aber auch Virtuosen wie Weber oder Axel Zwingenberger und seit einiger Zeit der klassische Swing sowie moderne Jazz-Pianisten.

Dem begeisterten Publikummachte Jörg Skrzippek, Vorsitzender der Wildeshauser Jazzfreunde, bereits jetzt ein Versprechen: „2019 wird Pertiet bei uns endlich auch mal bei einer Abendveranstaltung spielen.“

Für den 13. Mai laden die Jazzfreunde aber zunächst um 20 Uhr zum Konzert von „Pim Toscani’s Jazz Allstars“ in den Rathaussaal ein. „Der Bassist Richie Hensen wird dann bereits seinen 90. Geburtstag gefeiert haben. Er spielt aber noch jeden Tag Kontrabass“, verriet Skrzippek eine interessante Besonderheit.

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