Vor 30 Jahren: Einführung der Papiertonne gegen den Willen vieler Bürger

„Grüne Monster“ wandeln sich zum Erfolgsmodell

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An Sammelplätzen, hier in Huntlosen, standen die damals ungeliebten Tonnen.

Landkreis - Heutzutage gehören grüne Tonnen für die Altpapiersammlung zum Straßenbild im Landkreis Oldenburg. Doch nach der Einführung im Jahr 1985 waren die Bürger auf die Straße gegangen, um die „grünen Monster“ loszuwerden.

Nein, mit dieser – zumindest gefühlt – aufgezwungenen neuen Tonne wollten sich viele Bürger 1985 und 1986 nicht zufriedengeben. Beispielsweise rief die Umwelt- und Friedensinitiative Wildeshausen dazu auf, die als „grüne Monster“ titulierten Behälter auf dem Marktplatz und bei der Außenstelle der Stadtverwaltung am Marschweg abzustellen, was viele Bürger taten. Auch in anderen Gemeinden des Landkreises, vor allem in Ganderkesee, Hude und eben Wildeshausen, brachten Bürger die zu ihren Häusern gelieferten Tonnen auf die örtlichen Marktplätze.

Zuvor hatte der Kreistag beschlossen, ab 1. Oktober 1985 kreisweit das neue Sammelsystem einzuführen. Dem folgte die Kreisverwaltung und ließ die Tonnen durch eine Firma ausliefern. Damals standen neben den neuen grünen Tonnen nur Restabfallbehälter zur Verfügung. Biotonne und gelber Sack wurden erst Anfang der 90er-Jahre im Landkreis eingeführt.

Dieter Hahn, seit Mitte 1986 Leiter des Amtes für Bodenschutz und Abfallwirtschaft und auch schon vorher beim Landkreis beschäftigt, erinnert sich an die Zeit des Widerstandes vor 30 Jahren. Drei wesentliche Kritikpunkte hätten die Bürger vorgebracht: Der Landkreis würde den Vereinen, die sonst hin und wieder Papier gesammelt hatten, eine Einnahmequelle wegnehmen, die Bürger wüssten nicht wo sie die neue 240-Liter-Tonne abstellen sollten, und „sie lehnten die Reglementierung durch die Behörde ab“.

Doch aller Widerstand half nichts. Der Landkreis sammelte die Tonnen auf den Marktplätzen ein und ließ sie wieder an die Haushalte verteilen. Zeitgleich machte die Verwaltung deutlich, das Recht zu haben, dem Bürger die Art der Abfallsammlung vorzuschreiben. Doch das wollten viele nicht wahrhaben.

Von einer „Widerspruchs- und Klagewelle“, die Ende 1985 und Anfang 1986 anwuchs, spricht Hahn. Doch es habe sich abgezeichnet, dass die Widersprüche erfolglos blieben. Und so erlahmte allmählich der Widerstand gegen die „grünen Monster“. Wobei die Verwaltungsmitarbeiter damals einiges aushalten mussten. Aufgebrachte Bürger hätten „die Sachebene auch mal verlassen“, so Hahn.

Heute spricht er von einer Erfolgsgeschichte. Zum einen von der Warte der Umwelt und der Rohstoffgewinnung gesehen. Sammelte das vom Landkreis beauftragte Unternehmen 1987 noch 30 Kilogramm Altpapier pro Einwohner, waren es 1995 schon 68 Kilo und werden es in diesem Jahr voraussichtlich 84 Kilo sein. Alles Material, das ohne grüne Tonne mit anderem Müll vermischt und damit schwieriger zu verwerten gewesen wäre.

Zum anderen wird Altpapier seit dem Jahr 2000 verstärkt nachgefragt, weswegen alleine im Jahr 2014 nach Abzug der Kosten für die Sammlung 450000 Euro Überschuss in den Gebührenhaushalt einflossen. „Der Landkreis war damals durchaus mutig, und die Politik hat angesichts des Proteststurms breite Schultern gezeigt“, meint Hahn.

bor

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