Kolpingsfamilie Wildeshausen feiert morgen Jubiläum

125 Jahre Kraft in der Gemeinschaft

Einweihung des Kriegerdenkmals auf dem Burgberg am 11. Mai 1924.

Wildeshausen - WILDESHAUSEN (hen) · 1885 gründeten Schuhmacher, Weiß- und Lohgerber, Schmiede, Bäcker und Maurergesellen den Katholischen Gesellenverein, aus dem die Kolpingsfamilie Wildeshausen hervorging. Dieses Jubiläum wird am morgigen Sonntag unter anderem mit einem Festgottesdienst in der katholischen St.-Peter-Kirche gefeiert. In die Gratulantenschar werden sich auch die Vorstände und Bannerabordnungen der Kolpingsfamilien des Bezirks Visbek einreihen.

Seit ihrem Gründungsjahr ist die Gemeinschaft der Kolpingsfamilie nicht mehr aus der sozialen Landschaft der Wittekindstadt wegzudenken. Sie fordert, dass gesellschaftliche, soziale und finanzielle Rahmenbedingungen geschaffen werden, um Familien zu stützen, damit ein Leben mit Kindern besser gelingen kann.

Die Kolpingsfamilie Wildeshausen sieht aber nicht nur im örtlichen Bereich ihre Aufgaben: Über die Grenzen hinweg kommt sie ihrem Auftrag, Lebenshilfen zu bieten, nach. Aufgaben des Priesterseminars in Tamale/Ghana sowie kirchliche Aufgaben des Pfarrers Jürgen Nowak in Chacabuco/Argentinien stehen dabei an oberster Stelle.

Gemeinsam mit dem Malteser Hilfsdienst setzte man sich mit der Litauenhilfe besonders für die Linderung der Not ein. „Ab 1994 wurden mit 30 Transporten und insgesamt 36 Lastern Spendengüter nach Litauen transportiert. Zusammen mit Geldspenden belief sich das Gesamtvolumen dieser humanitären Hilfe auf 1,2 Millionen Euro“, erklärt der ehemalige Vorsitzende Rolf Lambertz. Aufgrund fehlender Sach- und Geldspenden sei im Einvernehmen mit den litauischen Freunden die Hilfe eingestellt worden. Ein herzlicher Kontakt bestünde aber weiterhin.

Die Geschichte der Kolpingsfamilie Wildeshausen wird durch bis heute erhaltene Protokolle belegt und wird mit einem Schatz an Dokumenten und Fotografien bereichert. Besonders dankbar ist die Kolpingsfamilie ihrem damaligen Kolpingbruder Theodor Bowe (1923 bis 1988) für seine Aufzeichnungen für den Zeitraum vor 1957, da sonst nur wenige die Kolpingsfamilie betreffende Unterlagen für diesen Zeitabschnitt vorhanden sind.

Im Besitz der Kolpingsfamilie befindliche Protokollbücher beginnen mit dem Monat März 1957. Teilweise lesen sich die Berichte wie historische Geschichten, die auch den Wandel der Wittekindstadt widerspiegeln. So ist der einzige Ehrenbürger Wildeshausens, Manfred Rollié, seit dem 6. Dezember 1953 Mitglied der Kolpingsfamilie.

Auszüge aus der Chronik belegen unter anderem, dass 1895 die Gastwirtschaft Arkenau an der Westerstraße so etwas wie ein Kolpinghaus wurde. Hier wurde ein Vereinsraum eingerichtet, und wandernde Gesellen fanden eine Unterkunft. 1933 wurden alle öffentlichen Versammlungen von der NSDAP verboten und das Vereinsvermögen drei Jahre später beschlagnahmt. Pfarrer Wehming konnte aber die Vereinsfahne und andere Unterlagen in Sicherheit bringen. Von 1940 bis 1945 kam das Vereinsleben zum Stillstand. Erst am 29. August 1945 fand die erste Generalversammlung nach dem Krieg statt.

Dass die Kolpingbrüder auch eine „harte Handschrift“ haben zeigte der Karfreitag 1948: Es wurde Holz für das Osterfeuer gesammelt, das von einigen Übeltätern schon in der Nacht zum Karsamstag angezündet wurde. Die Kolpingmitglieder machten den „Täter“ ausfindig und verabreichten ihm eine Tracht Prügel. Erneut wurde Holz gesammelt, und das Osterfeuer konnte wie geplant stattfinden.

1967 wurden erstmals weibliche Mitglieder aufgenommen. So nahm Wildeshausen mit der ersten Kolpingsfamilie des Landesverbandes am Kolpingtag in Emstek mit Frauen teil.

1970 wurde der Hausverein gegründet, der bis heute Grundbesitz und Vermögen treuhänderisch verwaltet. Die Kolpingbrüder Alwin Siemer und Hugo Dierken gründeten die „Ortsgruppe Malteser Hilfsdienst Wildeshausen“.

Dem Rat der Stadt wurden 1983 Vorschläge zur Benennung von Straßen nach verdienten Sozialreformern gemacht. Vorgeschlagen wurden: von-Bodelschwingh, Ketteler, Kolping und Wichern. Sechs Jahre später stimmte der Bauausschuss zu.

Das neue Pfarrgemeindehaus wurde 1984 feierlich eingeweiht und erhielt den Namen „Waltbert-Haus“. Für den Kolpingraum gab die Kolpingsfamilie einen Zuschuss von 10 000 Mark.

Ein hoher Gast konnte am 8. Dezember 2003 begrüßt werden: Der damalige niedersächsische Ministerpräsident und heutige Bundespräsident Christian Wulff besuchte als Ehrengast und Pate der Litauenhilfe am Kolpinggedenktag die Kolpingsfamilie.

Am 14. März 2009 trat Gerald Riewers als neuer erster Vorsitzender die Nachfolge von Rolf Lambertz an, und Pfarrer Holger Kintzinger wurde zum neuen Präses als Nachfolger von Pfarrer Heinz Holtmann gewählt.

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