32 Jahre hat das Ehepaar Mikutta mehr als 100 Kinder und Jugendliche aufgenommen

Ein sicherer Hafen schließt

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Thomas (2. von links) und Heidi Mikutta (4. von rechts) mit Mitarbeitern des Jugendamts bei der Verabschiedung.

Wildeshausen - Schweren Herzens haben sich Thomas und Heidi Mikutta aus der Samtgemeinde Harpstedt entschieden, nach 32 Jahren keine Kinder und Jugendlichen mehr zur Kurzzeitpflege aufzunehmen. Das teilte der Landkreis Oldenburg gestern mit. Das Ehepaar hat mehr als 100 „Klienten“ durch deren Krisenzeit begleitet – im Auftrag des Kreisjugendamtes.

In all den Jahren lebten die beiden mit ihrer Familie abgeschieden in ländlicher Umgebung auf einem Bauernhof. Erst in Holtorf, später in Winkelsett. Einige Jugendamtsmitarbeiter erinnern sich, dass sich die Mienen der Jugendlichen insbesondere auf den letzten Kilometern der Autofahrt mehr und mehr verfinsterten. Als der Wagen die ausgebaute Landstraße verließ und nur noch Feldwege zum Hof der Familie Mikutta führten, brach es manches Mal spontan aus den Jugendlichen heraus: „Das liegt ja hier am A... der Welt.“

Doch gerade dieses Kleinod bot in vielerlei Hinsicht Potenzial aus Sicht des Jugendamtes. Eine extrem langsame Internetverbindung und ein Funkloch, in dem der Hof lag, zwangen die Kinder und Jugendlichen, Handy und Computer beiseite zu legen. Diese „mediale Zwangspause“ schätzten Mitarbeiter des Jugendamts sehr. Erst nach einem Fußmarsch von rund 400 Metern gab es eine Netzverbindung, sodass es je nach Wetterlage Überwindung kostete, irgendjemanden vom Mobiltelefon anzurufen oder eine SMS zu verschicken.

Einmal hatte ein schlauer und auch etwas fauler Jugendlicher rund um den Hof nach Netz gesucht und die Stellen, wo er Empfangssignale feststellte, mit Holzpflöcken markiert.

„Wir wollen unser Leben entschleunigen“, begründen Heidi und Thomas Mikutta ihre Entscheidung, nach 32 Jahren kein sicherer Hafen mehr für Kinder und Jugendliche in deren Krisenzeiten zu sein. Rückblickend hält das Ehepaar fest, dass ihnen die Arbeit viel Spaß gemacht hat und sie diese Zeit trotz aller Anstrengungen nicht missen möchten. Sie haben schöne, aber auch oft traurige Momente erlebt.

Auch wenn die Eheleute Mikutta nun ihre Arbeit als Kurzzeitpflegestelle aufgeben, ihr Leben mit zwei erwachsenen Kindern, vier Enkelkindern, zwei Pflegekindern und allerlei Tieren lässt keinen Platz für Langeweile, heißt es in der Mitteilung. Das Jugendamt dankte dem Ehepaar in einer kleinen Feierstunde für die jahrelange Treue und vertrauenswürdige Zusammenarbeit.

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