Silvesterkonzert in der Alexanderkirche – eine feste Größe in Wildeshausen

Das Jahr klingt mit der Familie Grössler aus

Familie Grössler musiziert zusammen: Dagmar, Ralf, Ylva und Yngve (von links) traten gemeinsam auf. Fotos: Rinne

Wildeshausen - Von Holger Rinne. Auf die Frage, bei welcher Familie in Wildeshausen die meisten Menschen Silvester feiern, kann es nur eine Antwort geben: bei den Grösslers. Am letzten Tag des alten Jahres kamen wieder annähernd 300 Gäste in die Alexanderkirche, um mit Dagmar, Ralf, Ylva und Yngve Grössler gemeinsam den Jahresausklang zu begehen. Es wirkte wie eine große Familienfeier mit Freunden und Verwandten.

Viele Besucher kommen schon seit Jahren zur Jahresabschlussveranstaltung der Familie: „Seit 1992 veranstalten wir die Silvester-Konzerte. 1993 kam meine Frau Dagmar dazu. Zweimal hat sie ausgesetzt. Wir feiern heute also eine Art Silberhochzeitskonzert“, stellte Ralf Grössler, Kantor in dem Gotteshaus, gleich zu Beginn fest. Seit einigen Jahren sind die beiden Kinder Ylva und Yngve fester Bestandteil des Abends. Wie alle Familienfeste lebt auch die Konzertreihe von Traditionen und Konstanten.

Eine feste Größe ist, dass Ralf Grössler die Veranstaltung immer unter ein Motto stellt. In diesem Jahr hieß es „Hoffnung“. Den ersten Bezug zum Thema knöpfte Grössler nach dem musikalischen Auftakt mit dem „Präludium und Fuge in c-Moll“ von Johann Sebastian Bach und einer Fantasie über „Morning has broken“ auf der Kleuker-Orgel. Sohn Yngve begleitete den Kirchenmusiker an den Pauken. „Ich hoffe, dass wir das nächste Silvesterkonzert schon auf der neuen Orgel gestalten können“, sagte Grössler. Das große Tasteninstrument soll bis Ostern ausgebaut sein und wird in einer katholischen Kirche in Polen eine neue Heimat finden. Dafür wird ein neues Exemplar in Wildeshausen eingebaut.

Beim nächsten Musikvortrag überraschte das Ehepaar Grössler mit einem ungewöhnlichen Arrangement. Im „Trumpet Voluntary“ des britischen Komponisten John Stanley übernahm Dagmar Grössler-Romann mit dem Vibraphon den Part des Trompetenregisters der Orgel (im Titel ist keineswegs das Blechblasinstrument gemeint). In dieser Bearbeitung wird der eher schnarrende Klang der Lingualpfeifen durch den tragenden, weichen Klang des Vibraphons ersetzt. Im Ergebnis entstand ein zum Piano kontrastierender, sphärenartiger Klang, der von der besonderen Akustik der Alexanderkirche durch das gesamte Gotteshaus getragen wurde und die Zuhörer zum Träumen verleitete.

Meditativ wirkten auch die Geschichten und Gedichte, die von Dagmar, Ylva und Ralf Grössler zwischen den Musikstücken eingestreut wurden. Allerdings mit einer Ausnahme: Mit Heinz Erhardts Gedicht „Das Gewitter“ bewies Ralf Grössler durchaus komödiantisches Talent. Eine weitere Konstante des Konzertabends ist, dass der Vater regelmäßig aus dem familiären Nähkästchen plaudert. Er demonstrierte nicht nur, dass sein Sohn ihn im Laufe des Jahres an Körpergröße überholt hat. Auch eine Anregung seiner Sprösslinge gab ihm Anlass zur Hoffnung. „Man kann von Greta Thunberg halten, was man will, aber das Einstehen der Kinder für die Umwelt macht mir Hoffnung. Meine Kinder regten im Sommer an, ob wir es schaffen könnten, den Plastikmüll zu reduzieren. Von zwei gelben Säcken alle 14 Tage wollten wir auf einen gelben kommen“, so Grössler. In Anlehnung an das berühmte Luther-Zitat vom Pflanzen eines Apfelbaums trug er das Lied „Mein Apfelbäumchen“ von Reinhard Mey vor. Ebenfalls unverzichtbar: Das gemeinsame Musizieren aller vier Familienmitglieder. Am Vibraphon und Marimbaphon präsentierten die Grösslers den Walzer und den Elfentanz aus den „Lyrischen Stücken op.12“ von Edvard Grieg.

Der Text „Von guten Mächten“ von Dietrich Bonhoeffer gilt nicht nur unter den Protestanten als Inbegriff der Hoffnung. In der Vertonung von Siegfried Fietz sang das Publikum vier Strophen des Liedes. Doch was wäre Silvester ohne das gemeinsame Abschlusslied „Mögen Engel dich bewahren“ von Dagmar und Ralf Grössler, dem ebenfalls traditionell die Zugabe „Abendsegen“ aus der Märchenoper „Hänsel und Gretel“ von Engelbert Humperdinck folgt? „Darauf warten die Besucher“, analysierte der Kantor vollkommen richtig. So bildeten die beiden Höhepunkte und ein begeisterter Applaus den Abschluss des alljährlichen Familien-Events in der Alexanderkirche.

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