Fledermaus-Wanderung der NABU-Ortsgruppe Dötlingen-Wildeshausen

Jäger der Nacht – aber keine Vampire

Die größte heimische Fledermaus ist der Große Abendsegler, was Silke Kreusel anhand einer Silhouette verdeutlicht.

Wildeshausen - Fledermäuse geben den Menschen Rätsel auf: Wegen ihrer verborgenen und nächtlichen Lebensweise sagte ihnen der Volksaberglaube unheimliche Wirkungen nach und brachte sie mit Vampiren in Verbindung.

Heutzutage haben die meisten Menschen keine Angst mehr vor Fledermäusen, sondern sind von ihnen fasziniert und beobachten sie in der einsetzenden Dämmerung.

Jedes Jahr im August und September organisiert der Nabu (Naturschutzbund Deutschland) Fledermausführungen – so wie am Dienstag bei einem Rundgang um die Wildeshauser Alexanderkirche. Naturpädagogin Silke Kreusel machte die Teilnehmer zunächst mit wichtigen Wesensmerkmalen dieses einzigen Säugetiers, das fliegen kann, bekannt.

In Deutschland gibt es 25 Fledermausarten, 17 davon leben im Landkreis Oldenburg. Im Bereich der Alexanderkirche kann man zum Beispiel den Großen Abendsegler, die Wasser- und die Zwergfledermaus beobachten. Die beiden ersten zählen zu den Waldfledermäusen: Sie bevorzugen verlassene Spechthöhlen oder andere Hohlräume in Bäumen.

Die Zwergfledermaus hingegen lebt im Siedlungsraum unter Dachpfannen, hinter Fensterläden oder in Mauerhohlräumen. Alle Arten sind Insektenfresser und gehen in der warmen Jahreszeit nachts auf die Jagd. Wenn es kälter wird, fallen sie in Winterschlaf. Typische Überwinterungsquartiere sind Höhlen, Bunker oder Keller, die kühl und feucht, aber frostfrei sind.

Die Gruppe sichtet die erste Zwergfledermaus hinter der Alexanderkirche. - Fotos: Mabuleau-Pohl

Einige Arten verbringen den Winter aber gar nicht in Deutschland, sondern im wärmeren Süden. Fledermausweibchen schließen sich im Frühjahr zu Wochenstuben zusammen, bringen dort ihre Jungen zur Welt und ziehen sie gemeinsam auf.

Bei der energetischen Sanierung von Häusern gehen Nist- und Überwinterungsmöglichkeiten für Fledermäuse oftmals leider verloren. Kreusel empfahl daher, Fledermauskästen aufzuhängen, „aber hoch genug, damit Katzen nicht drankommen“. Mit bestimmten Pflanzen im Garten, die Insekten anlocken, könne man außerdem für ein fledermausgerechtes Futterangebot sorgen. „Fledermäuse nicht anfassen. Sie stehen unter strengem Naturschutz. Und schon gar nicht mit bloßen Händen: Mit ihrem Raubtiergebiss können sie ganz schön zuschnappen“, warnte Kreusel.

Inzwischen hatte die Abenddämmerung Fortschritte gemacht, und alle Teilnehmer versuchten, die ersten Fledermäuse zu erspähen. Ausgerüstet war die Gruppe zudem mit Detektoren, die den Ultraschall in Laute umwandeln, die auch Menschen hören können. Und wirklich: Eine Zwergfledermaus kreiste auf ihrem Beutezug immer wieder um einen Baum herum und strich über die Köpfe der Gruppe hinweg. Der Fledermaus-Detektor knattert heftig. Weitere Tiere waren in der Luft, die mithilfe des Detektors gut zu hören, aber nicht zu sehen waren. Dann kam die Zeit der Wasserfledermäuse. Knapp über der Oberfläche der benachbarten Hunte jagten sie ihre Nahrung. Nur flüchtige Schatten waren manchmal zu sehen. Kühl und dunkel war es mittlerweile geworden. Neidlos mussten die Teilnehmer der Gruppe anerkennen, dass menschliche Sinnesorgane ihnen jetzt kaum mehr weiterhelfen würden. Die Nacht gehörte von nun an den Fledermäusen.

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