SERIE: ALTE LIEBE Hedwig Jüchter und Klaus Poppe fahren historische Trecker

Irgendwann mit „Fergy“ ins Emsland

Treckerfreunde: Das Wildeshauser Ehepaar vor seinen Schmuckstücken, einem Massey Ferguson 130 aus dem Jahr 1969 und einem Einzylinder Allgaier A 16  aus dem Jahr 1951.
+
Treckerfreunde: Das Wildeshauser Ehepaar vor seinen Schmuckstücken, einem Massey Ferguson 130 aus dem Jahr 1969 und einem Einzylinder Allgaier A 16  aus dem Jahr 1951.

Wildeshausen – Als ihre Freunde noch nicht einmal an ein Mofa dachten, saß Hedwig Jüchter schon am Steuer des McCormick ihres Onkels Alfons.

„Er hat mir damals gesagt, sobald ich an die Pedale komme, darf ich seinen Trecker fahren“, erinnert sich die 56-Jährige an die Besuche bei ihrer Verwandtschaft im Emsland. Viel älter als zehn war sie nicht, als ihr das gelang. Ausgelöst hatte den Trecker-Virus ihr Bruder Andreas, der zuvor bei Onkel Alfons das Fahren mit Ackerschleppern gelernt hatte.

Heute – runde 45 Jahre später – sitzt die Wildeshauserin am Steuer ihrer „Fergy“, einem Massey Ferguson 130. Im Jahr 1969 verließ der Trecker das Werk im amerikanischen Georgia. Wieder hatte ihr Bruder das Treckerfeuer bei Jüchter entfacht. „Der hatte sich vor fünf Jahren einen alten Trecker gekauft und sofort waren die Erinnerungen an Onkel Alfons und die Erlebnisse im Emsland wieder     wach“,      erzählt       die 56-Jährige.

„Fergy“ blieb nicht lange allein

„Fergy“ blieb nicht lange allein. Nach einer Ausfahrt mit dem Trecker-Veteranen-Club Luerte, dem sie und ihr Mann Klaus Poppe beitraten, bot ihr ein Vereinsmitglied einen Allgaier an. Einziges Problem: Der 70 Jahre alte Einzylinderdiesel des Treckers muss mit einer Handkurbel zum Leben erweckt werden. „Das war nichts für mich“, berichtet Jüchter. Für ihren Mann schon. Er kaufte den Ackerschlepper kurzerhand. Seit dem sind die beiden mit Fergy und dem Allgaier A 16 auf den Straßen Wildeshausens und der Umgebung unterwegs, meistens gemeinsam mit ihrem Trecker-Veteranen-Club.

Geplant haben die Eheleute eine Treckertour zurück zu den Wurzeln. „Wir wollen irgendwann bei meiner Verwandtschaft im Emsland vorbeischauen“, erklärt Jüchter. Für die knapp 100 Kilometer lange Fahrt brauchen sie aber viel Zeit. „Bergab und mit Rückenwind schafft meine Fergy maximal 23 Stundenkilometer.“

Langsamer als ein Fahrrad

Genau das mache aber auch den Reiz des Fahrens mit den historischen Ackerschleppern aus. „Gemütlich sind wir mit 16 bis 20 Kilometern in der Stunde unterwegs. Das ist langsamer als ein Fahrrad“, ergänzt ihr Mann. „Bei dem Tempo kann man in aller Ruhe die Landschaft genießen.“ Wenn es nicht gerade stürmt oder regnet. „Wir sind Schönwetterfahrer“, erläutert Poppe. Neben der entschleunigten Fortbewegung sei die historische Technik interessant. „Es ist schön, etwas Altes zu erhalten und zu fahren“, so Poppe.

Vor dem Fahren wartet beim Allgaier zunächst Arbeit. Das Anwerfen des Motors ist eine aufwendige Prozedur. Zunächst muss Poppe eine Zündlunte als Starthilfe in den Brennraum einführen, Kraftstoff pumpen und dann mit einem beherzten Dreh den Diesel ankurbeln. „Ein Zündschloss hat und braucht mein Trecker nicht. Den bekommt außer mir niemand an“, erklärt Poppe grinsend. Auch das Fahren erfordert Gewöhnung. Gas wird zum Beispiel nicht mit einem Pedal, sondern einem Handhebel gegeben.

Keine auf Hochglanz polierten Ausstellungsstücke

Die Treckerflotte des Ehepaars wuchs noch weiter. Für Arbeiten auf seinem großen Grundstück kaufte es „Herrn Kramer“. Der Kramer-Trecker sei mit seinem geringen Wendekreis und seiner Frontgabel ideal, um Holzstämme aus dem Wald zu ziehen. Das Quartett komplettierte vor zwei Jahren schließlich ein großer Deutz.

Auf Hochglanz polierte Ausstellungsstücke sind die Trecker der Eheleute übrigens nicht. Sie haben deutliche Gebrauchsspuren, sind technisch aber fit. „Uns geht es darum, dass sie fahren“, verdeutlicht Poppe.

„Alte Liebe“ gesucht

Wer in Wildeshausen lebt und seine „Alte Liebe“ in unserer Zeitung vorstellen lassen möchte, kann sich per Telefon (04431/9891153) oder per E-Mail (redaktion.wildeshausen@kreiszeitung) an die Redaktion wenden.

Klaus Poppe wirft seinen Allgaier an.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Sechs Monate Audible inkl. Gratis-Hörbücher für monatlich 4,95 Euro statt 9,95 Euro

Sechs Monate Audible inkl. Gratis-Hörbücher für monatlich 4,95 Euro statt 9,95 Euro

Das sind die Minister und Ministerinnen der Ampel-Koalition

Das sind die Minister und Ministerinnen der Ampel-Koalition

iPhone 13 jetzt schon sichern – zu diesen Hammer-Konditionen

iPhone 13 jetzt schon sichern – zu diesen Hammer-Konditionen

Angela Merkel: die wichtigsten Momente ihrer Karriere

Angela Merkel: die wichtigsten Momente ihrer Karriere

Meistgelesene Artikel

„Täter sind hochkriminell und skrupellos“

„Täter sind hochkriminell und skrupellos“

„Täter sind hochkriminell und skrupellos“
Noch darf jeder Kunde den Laden betreten

Noch darf jeder Kunde den Laden betreten

Noch darf jeder Kunde den Laden betreten
Wildeshauser spendet Stammzellen an Blutkrebs-Patienten

Wildeshauser spendet Stammzellen an Blutkrebs-Patienten

Wildeshauser spendet Stammzellen an Blutkrebs-Patienten
Deutlicher Protest gegen Querdenker

Deutlicher Protest gegen Querdenker

Deutlicher Protest gegen Querdenker

Kommentare