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Satire zum Gildefest: Interview mit dem Papagoy: „Bei Ihnen piept‘s wohl“

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Von: Ove Bornholt

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Steht über den Dingen: Der Papagoy auf der Vogelstange hat eines seiner seltenen Interviews gegeben.
Steht über den Dingen: Der Papagoy auf der Vogelstange hat eines seiner seltenen Interviews gegeben. © bor

Der Papagoy im Krandel hat unserer Zeitung eines seiner seltenen Interviews zum Gildefest gegeben. Er findet, er habe es zuletzt nicht leicht gehabt.

Wildeshausen – Seit Jahren wacht er von der Vogelstange über den Krandelplatz, ja über ganz Wildeshausen: der Papagoy. Für die Gilde-Beilage ist es uns gelungen, per Megafon ein Interview mit dem berühmten Vogel zu führen.

Herr Papagoy, darf ich Sie mal eben stören?

Klar, ich stehe ja sowieso immer auf dieser Stange. Und keinen interessiert‘s.

Super, ich wollte mal horchen, wie so die Stimmung ist, weil ja bald wieder Gildefest ist.

Glauben Sie mir: Niemand freut sich mehr auf dieses Fest als ich.

Dabei ist die Aussicht, dass ein Haufen Männer einen Ihrer Verwandten direkt vor Ihren Augen abschießt, ja gar nicht mal so berauschend, oder?

Doch, doch. Endlich bin ich wieder da, wo ich hingehöre: im Mittelpunkt. Wissen Sie, die vergangenen Jahre waren nicht leicht.

Für uns alle war es ja eine anstrengende Zeit.

Anstrengend? Ich erzähle Ihnen mal, was anstrengend ist: Ich bin mit Abstand der wichtigste Vogel in Wildeshausen, da kann der Bundesadler einpacken. Und dann? Dann guckt mich drei Jahre lang niemand an.

Naja, es war halt Corona.

Ach was?! Von wegen, das ist doch alles eine Verschwörung. Es ging bei der ganzen Sache doch einzig und allein darum, mir die Aufmerksamkeit, die ich ja wohl verdiene, zu entziehen. Das Schießen ist doch eine Outdoor-Veranstaltung. Das hätte man ruhig machen können. Außerdem ist ja wohl bewiesen, dass Alkohol eine desinfizierende Wirkung hat. Die Gefahren waren also minimal.

Sind Sie etwa ein Corona-Leugner?

Das leugne ich.

Okay, das lassen wir jetzt mal so stehen. Zurück zum Gildefest.

Jaja, der Schießausschuss der Gilde war ja schon hier, hat alles schick gemacht. Und der Kugelfang wurde ausgetauscht, weil es so viele Fehlschüsse gab.

Ärgert es Sie nicht ein bisschen, dass Sie immer auf dem Krandelplatz sind? Reizt es Sie nicht auch mal, im Zelt zu tanzen? Normalerweise sorgt Mickie Krause da immer für gute Stimmung.

Der kommt ja nicht mehr, angeblich hat er seine Gage verdoppelt. Und das wollte die Gilde nicht mehr bezahlen. Aber das stimmt gar nicht.

Nein? Woran lag es dann?

Es kann eben nur einen Superstar geben. Langfristig war für Mickie Krause und mich einfach kein Platz auf dem Gildefest. Da musste der schwächere Partyvogel halt weichen (zuckt mit Flügeln, Anm. d. Red.).

Okay, aber immerhin hatten Sie doch zwischendurch eine Kirmes als Ausgleich für das ausgefallene Gildefest.

Ausgleich?! Das soll ein Ausgleich für DAS größte Fest der Welt gewesen sein?! Bei Ihnen piept‘s wohl. Sie haben doch eine Meise! Ich bin DER Papagoy – und mit so einer Dorfkirmes kann man mich doch nicht abspeisen, ich verdiene das Gildefest.

Okay, okay, bleiben Sie mal am Boden. Sie wirken ein wenig abgehoben.

Abgehoben?! Ich komm‘ gleich mal runter, wenn Sie weiter so frech sind. Dann können wir die Sache in Ruhe hinterm Zeughaus klären.

Danke, ich verzichte und wünsche Ihnen stattdessen frohe Pfingsten!

Und nachher guckt mich wieder ein Jahr lang keiner an. Wenn das passiert, fliege ich nächstes Pfingsten nach Mallorca. Dann können die Schützen ja sehen, wo sie bleiben.

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