Interview über Frauen an der Spitze

„Wir können uns nicht zurücklehnen“

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Dorothea Debbeler

Wildeshausen - Die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Oldenburg, Dorothea Debbeler, berichtet im Interview, wie es mit Frauen in Führungspositionen in der Kreisverwaltung aussieht. Die Fragen stellte Ove Bornholt.

Frau Debbeler, sind Sie zufrieden mit dem Anteil der Frauen in der Verwaltungsspitze des Landkreises?

Debbeler: Zufrieden bin ich nie. Sonst hätte ich ja keinen Leistungsanreiz, etwas für die Frauen zu tun. Aber wir haben eine Steigerung in diversen höherrangigen Positionen. Das zeigt, dass wir mit unseren Maßnahmen auf dem richtigen Weg sind.

Welche Positionen meinen Sie?

Vor dem Beginn meiner Tätigkeit am 1. Januar 2014 hatten wir zwei Amtsleiterinnen und sechs Stellvertreterinnen. Jetzt haben wir vier Amtsleiterinnen, eine Dezernentin und neun Stellvertreterinnen.

Von den 15 Personen, die Ämter führen, sind immer noch elf männlich. Das sind deutlich mehr als Frauen.

Ja, das stimmt. Man muss aber realistisch sein und kann in diesem Bereich nur die Politik der kleine Schritte betreiben, denn wir hatten in der Vergangenheit Beschäftigungsverhältnisse, die männerdominiert waren, und dementsprechend wurden auch die Positionen besetzt. Als kleine Kreisverwaltung haben wir auch nicht so viele höherrangige Posten. Zudem werden Führungspositionen wegen der geringen Fluktuation im öffentlichen Dienst nicht so schnell wieder frei. Und wir können die Männer ja schlecht wegschubsen (lacht).

Wird sich die Verteilung in den Führungspositionen bald ändern?

Ich denke, wenn die nächsten Pensionierungswelle ansteht, haben Frauen wieder Chancen, auch entsprechende Positionen zu besetzen. Gleichwohl können wir uns nicht zurücklehnen und sagen: ‚Es ist erst in ein paar Jahren soweit.‘ Wir haben jetzt schon Vorbereitungen zu treffen, damit die Frauen fit sind, um Führungsaufgaben wahrnehmen zu können.

Welche sind das?

Wir bieten seit einigen Jahren Männern und Frauen das erfolgreiche Konzept der Schulung zur Nachwuchsführungskraft an. Und das zu einem Zeitpunkt, an dem sie naturgemäß noch nicht so alt sind, dass sie schon in eine Familienphase gehen, sondern Zeit für diese Fortbildung haben.

Die Schulung gibt es für beide Geschlechter?

Ja, seit 2011 verfolgt das niedersächsische Gleichberechtigungsgesetz das Ziel der Vereinbarkeit von Erwebs- und Familienarbeit. Das betrifft Männer genauso wie Frauen. Das ist meine Aufgabe.

Gibt es noch weitere Maßnahmen?

Dank der Krippe „Lütte Lü“ mit 15 Plätzen für Verwaltungsmitarbeiter haben wir seit ein paar Jahren auch relativ junge Kolleginnen, die schneller aus der Elternzeit wiederkommen, weil sie die Möglichkeit haben, ihre Kinder hier betreuen zu lassen. Und es gibt das Angebot der Telearbeit. Mitarbeiter können zwei Tage in der Woche von Zuhause aus arbeiten. Dadurch ist es leichter, damit umzugehen, wenn beispielsweise die Kinder krank sind.

Gilt das auch für Führungskräfte?

Nur für einen Tag in der Woche. Wenn man eine Abteilung mit mehr als 50 Mitarbeitern hat, muss man für sie da sein und kann nicht zwei Tage in der Woche fehlen. Führungskraft kann man nicht nur von Zuhause aus sein.

Diese drei Maßnahmen sollen Frauen also helfen, bereit für Führungspositionen zu sein.

Genau, Schulungen, die Krippe und Telearbeit sind Bausteine, die unseren Kolleginnen helfen sollen, mit dem Einstieg in eine Führungsposition anzufangen. Zum Beispiel als stellvertretende Amtsleiterin mit der Perspektive, die Leitung zu übernehmen. So haben sie die Möglichkeit, auch während ihrer Familienphase beruflich weiter zu kommen. Wenn man ein paar Jahre gar nichts gemacht hat, ist der Einstieg in eine Führungsposition schwierig bis fast unmöglich. Man knüpft nie wieder da an, wo man aufgehört hat.

Sind Sie für die Frauenquote?

Nein, ich setze mehr auf Bildung und Qualifzierung, auch wenn der Weg für Frauen in Führungspositionen so länger und steiniger ist. Eine Quote kann auch kontraproduktiv sein, zum Beispiel wenn weibliche Führungskräfte als Quotenfrauen belächelt werden.

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