In Hanstedt und Winkelsett kündigt die Telekom Telefonanschlüsse / Keine Alternativen

Internet? Aber doch nicht auf dem Land!

Frank Stöver stöpselt sein Notebook mittlerweile nur noch im Büro am Bahnhof ein. Foto: Rohdenburg

Wildeshausen – Kein Internet in Holzhausen und ab Herbst auch kein Telefonanschluss mehr. Damit sei er in der Landgemeinde von Wildeshausen von der modernen Kommunikation abgeschnitten, monierte Zierfischhändler Stephan Schubert (wir berichteten). Nun erhielt er die Nachricht, dass es bald VDSL (wesentlich höhere Datenübertragungsraten über gebräuchliche Telefonleitungen) in Holzhausen geben und die Kündigung der Telekom zurückgenommen wird. Ein kleiner Erfolg.

Kein Internet und seit neun Monaten keinen Festnetztelefonanschluss gibt es aber auch in Hanstedt. Davon berichtet Frank Stöver. Er hat sich nun im Gebäude neben dem Wildeshauser Bahnhof ein Büro eingerichtet, um seine Online-Kommunikation erledigen zu können, weil er dauerhaft nicht mit einer Lösung in der Landgemeinde rechnen darf. „Ich hatte dort zunächst ISDN, dann DSL light und sollte schließlich DSL 4 000 von der Telekom bekommen“, erzählt Stöver. „Da war die Leistung aber schon schlecht“, fährt er fort. Als sein Telefon dann auf IP umgestellt werden sollte, musste er eine komplett neue Ausrüstung kaufen, um später von der Telekom zu erfahren, dass die Internetverbindung so schlecht sei, dass alles rückgängig gemacht werden müsse. „Also habe ich meinen alten Router wieder angeschlossen“, so Stöver.

Seit neun Monaten herrscht bei ihm und anderen Bürgern in Hanstedt aber komplett Funkstille. Der Elektriker hat in seinem Haus neue Kabel verlegt, doch das Festnetz funktioniert trotzdem nicht. „Nun hat mir die Telekom wieder die Umstellung auf IP angeboten“, erzählt Stöver. „Aber das ging ja schon damals nicht.“ Unterdessen hat der Hanstedter beobachtet, wie die EWE an seinem Hof vorbei ein Glasfaserkabel in Richtung Aldrup verlegt hat. „Davon würde ich auch gerne profitieren“, sagt Stöver. „Das geht aber erst in zwei Jahren, wenn vom Verzweiger in Aldrup ein Kabel zurückverlegt wird.“

Internet könnte der Geschäftsmann in Hanstedt aber als EWE-Gewerbekunde bekommen. „30 Mbit für 300 Euro im Monat“, so Stöver. „Darauf verzichte ich und erledige meine Onlinekommunikation nun vom Bahnhof aus.“

Der Hanstedter ist kein Einzelfall. Lene Hjortskov berichtet aus Winkelsett (Samtgemeinde Harpstedt), dass die Telekom auch ihr zu Ende Juni gekündigt hat, weil auf IP umgestellt wird und Internet über Mobilfunk angeboten wird. „Die Telekom aber hat selbst festgestellt, dass das keine Lösung für unsere ländliche Gegend ist und im Gespräch empfohlen, einen anderen Anbieter zu wählen“, so Hjortskov. Bei ihr sei allerdings im Herbst/Winter von der Ewetel Glasfaserkabel gelegt worden, und sie hätte theoretisch das Glück, das schnelle Internet zukünftig benutzen zu können. „Allerdings kann uns die Ewetel keinen Vertrag anbieten, da sie hier noch nicht das Internet angeschlossen hat und nur neue Verträge in Kombination mit Internetanschluss verkaufen darf.“ So stehen die Hjortskovs nun mit einem Betrieb da, der vom Telefon und Internet abhängig ist und wissen nicht, ob sie ab Ende Juni Telefon/Internet haben.

„Wir erwarten, dass die telekommunikative Versorgung gewährleistet bleibt“, fordert die Winkelsetterin. „Und dass wir in der ländlichen Peripherie nicht unter den Tricksereien der Versorger leiden müssen. Wie kann es sein, dass die Ewetel als Netzausbauer uns nicht einen neuen Vertrag anbieten kann? Wie kann es sein, dass ein Unternehmen nicht weiß, wo und wann Anschlüsse erstellt werden? Man hat das Gefühl, dass die eine Hand nicht weiß, was die andere tut.“ Auch Stöver ist über die „große Politik“ verärgert. „Es gibt keine Grundversorgung mit Internet in Deutschland“, kritisiert er. „Bevor wir auf 5G gehen, sollten wir erst einmal in der Fläche 4G haben.“   dr

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

„Impfpflichtgegner fast wie Schweine durchs Dorf getrieben“

„Impfpflichtgegner fast wie Schweine durchs Dorf getrieben“

„Impfpflichtgegner fast wie Schweine durchs Dorf getrieben“
Was tun, wenn der PCR-Test positiv ist?

Was tun, wenn der PCR-Test positiv ist?

Was tun, wenn der PCR-Test positiv ist?
Auto schleudert und kippt auf die Seite

Auto schleudert und kippt auf die Seite

Auto schleudert und kippt auf die Seite
Was wird aus „Hackfeld’s Dorfkrug“ in Klein Ippener?

Was wird aus „Hackfeld’s Dorfkrug“ in Klein Ippener?

Was wird aus „Hackfeld’s Dorfkrug“ in Klein Ippener?

Kommentare