Dampfkornbranntweinbrennerei: Museumsverein befindet sich in Auflösung

Interessantes Denkmal – leider dicht

In der geschlossenen Brennerei viel beschäftigt: Besitzer Karsten Kolloge.
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In der geschlossenen Brennerei viel beschäftigt: Besitzer Karsten Kolloge.

Wildeshausen – Es ist in Wildeshausen neben dem Druckereimuseum das wichtigste Industriedenkmal: das Gebäude der alten Dampfkornbranntweinbrennerei von 1857 an der Wittekindstraße. Für die Öffentlichkeit ist es aber auf unabsehbare Zeit nicht mehr zugänglich.

Der Museumsverein befindet sich in Auflösung und Konzepte, wie das Bauwerk wieder erlebbar gemacht werden kann, gibt es aktuell keine.

„Wir haben kein Vertrauen in die Stadtverwaltung und wir haben kein Geld von der Stadt erhalten“, bringt Inhaber Karsten Kolloge seine Einschätzung auf den Punkt. Wie berichtet, gibt es massive Meinungsverschiedenheiten, wer daran Schuld ist, dass Kolloge schließlich den Mietvertrag mit dem Museumsverein nicht verlängert hat und somit auch keine öffentliche Nutzung des Gebäudes mehr möglich ist.

Vereinsvorsitzende Karin Holtmann-Kolloge, Ehefrau von Karsten Kolloge, hatte für den 27. November alle Mitglieder zur Auflösungsversammlung eingeladen. Der Landkreis Oldenburg und die Stadt Wildeshausen hatten ein Vetorecht, um den Plan zu vereiteln. Die Kreisverwaltung teilte jedoch nur mit: „Wir wünschen Ihnen eine gelungene Sitzung und freuen uns über die Zusendung des Protokolls.“ Wildeshausens Bürgermeister Jens Kuraschinski sagte ebenfalls die Teilnahme ab und schrieb: „Nach interner Überlegung bin ich zu dem Entschluss gekommen, nicht an der Sitzung teilzunehmen, da dem Verein ohne Nutzungsrecht meines Erachtens keine Perspektive bleibt, was ich persönlich sehr bedaure.“

Inhaber kritisiert fehlende Unterstützung durch die Stadt

Karsten Kolloge kritisiert, dass die Stadt den Verein in der Vergangenheit nicht unterstützt hat. Diese hatte zwar im Herbst 2020 beschlossen, künftig 4.500 Euro pro Jahr zur Verfügung zu stellen. Allerdings hielt der Inhaber die Konditionen für die Auszahlung für so abwegig, dass er keinen neuen Mietvertrag unterschreiben wollte.

Die Stadtverwaltung hingegen betonte, man habe in vielfältiger Weise finanzielle Mittel zur Unterhaltung des Museums und für den laufenden Betrieb zur Verfügung gestellt oder dies zumindest angeboten. So habe die Stadt seit Jahrzehnten die Grundabgaben für das Brennereigebäude übernommen. Darüber hinaus habe die Kommune seit Langem jährlich 500 Euro pauschal als Zuschuss für die Reinigung des Museums im Haushalt bereitgestellt, die aber nicht abgerufen worden seien. Die 4.500 Euro jährlich seien unter der Maßgabe bewilligt worden, dass es eine Vereinbarung über regelmäßige Öffnungszeiten für das Brennereimuseum gibt, die seit Jahren nicht mehr angeboten wurden.

Viele Risse im Gebäude festgestellt

Nun sind die Türen geschlossen. Es gibt keine Gespräche mehr. Kolloge arbeitet allerdings fast täglich in dem denkmalgeschützten Gebäude. Unter anderem hätten zahlreiche Risse im Mauerwerk beseitigt werden müssen, berichtet er. „Die Wittekindstraße wurde in den 1990er-Jahren direkt auf dem alten Huntebett saniert“, so Kolloge. Man hätte nie zulassen dürfen, dass in diesem Bereich Schwerlastverkehr unterwegs sei. „Es bilden sich permanent Risse“, berichtet er nicht nur über sein Gebäude, sondern auch über Nachbarhäuser. „Die Stadt muss dort unbedingt die schweren Fahrzeuge herausnehmen“, fordert Kolloge, beruhigt aber insofern, dass ein Gutachten, das er auf Weisung des Landkreises in Auftrag geben musste, keine Probleme bei der Standfestigkeit ergeben hatte.

Was eine öffentliche Nutzung der Brennerei betrifft, will Kolloge nun erst einmal die Liquidation des Vereins abwarten, die rund ein Jahr dauern kann. Wie es dann weitergeht? Vielleicht mit einem Freundeskreis, der das Gebäude betreut und damit vielleicht auch wieder die Möglichkeit eröffnet, das historische Bauwerk zu besichtigen.

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