Eine syrische Familie hat sich in Wildeshausen eingelebt, findet aber keine neue Wohnung

Gut integriert

Suchen ein neues Zuhause: Lina Mansour Albascha und ihr Mann Ahmad Kwidy mit den Zwillingen Saleh und Khaled (von links). Foto: bor

Wildeshausen - Von Ove Bornholt. Wie die Integration in Wildeshausen gut gelingen kann, macht eine vierköpfige syrische Familie vor, die seit ein paar Jahren in der Kreisstadt lebt. „Wir haben viele Probleme gelöst“, freut sich Mutter Lina Mansour Albascha (44). Sie, ihr Mann und die beiden Kinder wollen in Wildeshausen bleiben, wo die Frau nach einer Ausbildung Arbeit in der Altenpflege gefunden hat und die Kinder schon jahrelang zur Schule gehen.

Schwierig gestaltet sich allerdings die Suche nach einem neuen Zuhause. Das Quartett lebt in einer Wohnung, die die Stadt gemietet hat. Bis jetzt gab es nur Absagen, wenn die Familie sich nach einer neuen Bleibe erkundigte. Bei Besichtigungsterminen habe es geheißen, gesucht würden Mieter ohne Kinder, erzählt Lina Mansour Albascha. „Wir suchen schon ein Jahr.“

Die Situation der Familie ist kein Einzelfall. „Das erleben wir in vielen Gemeinden hier im Landkreis“, sagt Nizmiye Acar, Migrationssozialarbeiterin bei der Diakonie Delmenhorst/Oldenburg-Land, auf Nachfrage unserer Zeitung. „Es ist schwierig, geeigneten Wohnraum zu finden, da es sich meistens um Familien mit Kindern handelt, die über geringes Einkommen verfügen und/oder unterstützend Sozialhilfe empfangen.“ Das bedeute, dass die Vorgaben des Landkreises bezüglich angemessener Wohnkosten einzuhalten sind. „Hinzu kommen fehlende Sprachkenntnisse, die den Kontakt zu Vermietern erschweren“, ergänzt Acar. Sie und ihre Kollegen erklären Migranten, wie und wo Wohnungen gesucht werden können und unterstützen auch bei der Kontaktaufnahme sowie bei Gesprächen mit Vermietern oder Immobilienmaklern. „Eine intensive Wohnungssuche ist aus Zeitgründen jedoch kaum möglich“, bedauert Acar.

Dabei hat die Integration der vierköpfigen syrischen Familie in Wildeshausen bis jetzt sehr gut funktioniert. Lina Mansour Albascha kommt aus Idlib bei Aleppo und floh mit ihren beiden Söhnen, den Zwillingen Saleh und Khaled (beide neun), im Jahr 2015 vor dem syrischen Bürgerkrieg. Über die Türkei und den Balkan gelangte die kleine Familie nach Wildeshausen, wo Mutter und Kinder seit 2015 in einer Drei-Zimmer-Wohnung mit 70 Quadratmetern leben. Vater Ahmad Kwidy konnte per Familiennachzug 2017 nach Deutschland kommen.

Die Mutter lernte erst das Fahrrad- und dann das Autofahren. Sie machte eine Ausbildung zur Altenpflegehelferin (Pflegeassistenz) bei den Maltesern in Delmenhorst und fand Arbeit im Alexanderstift. Ihr Ziel ist die „große Ausbildung“, wie die 44-Jährige sagt, also zur examinierten Pflegefachkraft. Zurzeit ist sie auf Teilzeitbasis beschäftigt, arbeitet mindestens 80 Stunden im Monat. Ihre beiden Söhne besuchen die 4a der St.-Peter-Schule. Und das seit der ersten Klasse. Sie sprechen genau wie ihre Mutter fast ohne Probleme Deutsch. Ehemann Ahmad Kwidy kann die Sprache noch nicht so gut und macht gerade einen Kurs bei der Volkshochschule.

Sascha Lücke, Leiter des Alexanderstifts, ist sehr zufrieden mit seiner Mitarbeiterin. „Ich möchte sie nicht missen. Sie ist sehr engagiert“, sagt er. Lina Mansour Albascha sei „sehr empathisch“. Dass sie keine Christin ist, störe ihn als Leiter einer evangelischen Einrichtung nicht. „Wir sind ein christliches Haus, aber Menschen anderer Religionen haben die Möglichkeit, hier zu arbeiten.“ Alles andere sei auch schwer mit dem christlichen Glauben zu vereinbaren.

Was die weitere Ausbildung angeht, ist Lücke optimistisch, verweist allerdings auf einige Defizite in der Sprache. Generell gilt, dass die Berufsschule für viele Auszubildende, deren Muttersprache nicht deutsch ist, eine Hürde darstellt.

„Wir wohnen hier in Wildeshausen und sind zufrieden“, sagt Lina Mansour Albascha, die in Syrien als Zeichnerin im Elektrizitätswerk gearbeitet hat. Ihr Mann war Polier auf dem Bau. Saleh und Khaled spielen nach der Schule gerne Fußball und treffen sich mit Freunden. „Wir wollen nicht in eine andere Stadt ziehen“, sagen sie.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Schlüsselzeuge Sondland bringt Trump in schwere Bedrängnis

Schlüsselzeuge Sondland bringt Trump in schwere Bedrängnis

Razzia gegen "Hawala-Banking"

Razzia gegen "Hawala-Banking"

Nienburg: Dach für Eisbahn steht schon 

Nienburg: Dach für Eisbahn steht schon 

Immer mehr Schweinepest-Fälle nahe deutscher Grenze

Immer mehr Schweinepest-Fälle nahe deutscher Grenze

Meistgelesene Artikel

Fünf Wochen zu früh geboren: „Die Nacht war wie ein Gummiband“

Fünf Wochen zu früh geboren: „Die Nacht war wie ein Gummiband“

Nach Lkw-Unfall: A1 bei Groß Ippener wieder freigegeben

Nach Lkw-Unfall: A1 bei Groß Ippener wieder freigegeben

Vereine können Auto gewinnen

Vereine können Auto gewinnen

Chirurgie erneut zertifiziert

Chirurgie erneut zertifiziert

Kommentare