Inklusion andersherum denken

Hochbegabte Schüler rücken stärker in den Fokus von Lehrern

+
Fortbildung zum Thema Hochbegabung: Martina Zahl (r.) referierte vor 95 Lehrern in der Wildeshauser Huntschule.

Wildeshausen – Wer über das Thema Inklusion spricht, denkt in der Regel an die Notwendigkeit, Schülern mit Defiziten die Chance zu geben, mit besonderer Förderung optimal zu lernen. Nach Angaben der Rektorin der Hunteschule, Förderschule Lernen, Martina Zahl, zeigt sich aber deutlich, dass Schulen Inklusion auch in die andere Richtung denken müssen. Dabei geht es um die Frage, wie hochbegabte Kinder erkannt und gefördert werden können.

Im Rahmen einer Fortbildung des Schulverbunds Huntetal, zu dem zehn Schulen aus Großenkneten, Dötlingen, Harpstedt sowie Wildeshausen gehören, referierte Zahl vor 95 Pädagogen zum Thema „Hochbegabung in der inklusiven Schule“. Mit den Beteiligten entwickelte sie ein Konzept, wie das Thema in der Zukunft mehr in den Fokus der Schulen gerückt werden kann.

„In der Ausbildung wird der Umgang mit Hochbegabung eher stiefmütterlich behandelt“, betonte Zahl. Deshalb sei es sinnvoll, sich im Schulverbund darum zu kümmern. Statistisch geht man ihren Angaben zufolge davon aus, dass rund zwei Prozent der Schüler hochbegabt sind. „Viele Menschen wissen jedoch gar nicht, was sich dahinter verbirgt“, erklärte Zahl. 

Landläufig herrsche die Meinung vor, dass sich diese Schüler „in Lichtgeschwindigkeit“ durch den Lernstoff bewegten und damit problemlos jedes Ziel erreichten. Oft sei das aber gerade nicht der Fall, weil die Schüler unterfordert seien und dann eher dadurch auffielen, den Unterricht zu stören. Oft würden gerade diese Schüler deshalb als minderbegabt und/oder Störenfriede wahrgenommen.

Im Schulverbund soll es nun darum gehen, dass die Lehrer diese Kinder in der Klasse erkennen und ihnen Förderung zukommen lassen. Sowohl im Unterricht, indem sie interessante und schwierige Aufgaben bekommen, als auch in der Kooperation der Schulen miteinander. „Wir wollen in Zukunft mehrmals im Halbjahr ganztägig Projekte in jeweils einer Schule anbieten, bei denen den Fähigkeiten der hochbegabten Schüler viel Raum geboten werden soll“, kündigte Zahl an. 

Schwerpunkte könnten Musik, Sport, Sprachen oder Naturwissenschaften sein. Die Pädagogen schauen dazu in den Klassen, welche Schüler infrage kommen. Dann sollen sie mit Fahrdiensten oder Unterstützung der Eltern zu den jeweiligen Lernorten gebracht werden. „Wir wollen im neuen Schuljahr starten“, sagte Zahl. „Und wir hoffen, dass wir das zunächst mit Bordmitteln schaffen“, so die Rektorin der Hunteschule.

Die Bereitschaft bei den Lehrern ist nach Zahls Empfinden auf jeden Fall groß, da die Resonanz auf die Einladung zur Fortbildung sehr positiv war. „Wir erfinden hier das Rad ja auch nicht neu“, erklärte Zahl. „Es gibt andernorts Projekte, bei denen wir uns gezielt informieren können.“ Ergebnis solle es auf jeden Fall sein, sämtlichen Mädchen und Jungen im Schulverbund ihren Fähigkeiten entsprechend zu helfen, damit am Ende alle eine erfolgreiche Schullaufbahn absolvieren.  

dr

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Das Ende einer Irrfahrt: Migranten von „Ocean Viking“ in Malta angekommen

Das Ende einer Irrfahrt: Migranten von „Ocean Viking“ in Malta angekommen

Reload 2019: Die Bands am Freitagnachmittag

Reload 2019: Die Bands am Freitagnachmittag

Europa macht wegen Amazonas-Bränden Druck auf Bolsonaro

Europa macht wegen Amazonas-Bränden Druck auf Bolsonaro

Brokser Heiratsmarkt ist eröffnet - Bilder vom Freitag

Brokser Heiratsmarkt ist eröffnet - Bilder vom Freitag

Meistgelesene Artikel

Fahrradstation kommt in Fahrt

Fahrradstation kommt in Fahrt

Teilweise eingestürzt: Haus von 1897 soll einem Neubau weichen

Teilweise eingestürzt: Haus von 1897 soll einem Neubau weichen

Schüchterne Welpen suchen ein Zuhause

Schüchterne Welpen suchen ein Zuhause

Am Bahnhof stehen 90 Parkplätze zur Verfügung

Am Bahnhof stehen 90 Parkplätze zur Verfügung

Kommentare