Bescheid kam erst nach einem Jahr / Einige Landwirte bleiben auf Kosten sitzen

Initiative Tierwohl ernüchtert Schweinebauern

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Viele Schweine im Hof in Bühren haben mehr Licht und Spielzeug als gesetzlich vorgeschrieben.

Bühren - Von Ove Bornholt. Angangs war Schweinebauer Ralf Stöver aus Bühren von der Initiative Tierwohl überzeugt. Er beteiligte sich und verbesserte das Leben seiner Tiere. Das ist etwa ein Jahr her. Inzwischen ist die Euphorie jedoch der Ernüchterung gewichen.

Ralf Stöver (46) investierte rund 20.000 Euro in seinen Betrieb in der Landgemeinde Wildeshausen. Er verschaffte einem Teil seiner Schweine zum Beispiel organisches Spielmaterial, in diesem Fall Holzstäbe zum Abknabbern, und Zugang zum sogenannten Raufutter, mit dem die Tiere sich auch beschäftigen.

Doch nur einer der beiden Ställe in seinem Antrag wurde von der Initiative berücksichtigt. Vor zwei Wochen kam endlich die Bestätigung, dass auch der zweite ins Programm aufgenommen wurde. Zufrieden ist er deswegen jedoch noch nicht.

„Es wird schwer sein, die Landwirte, die nicht berücksichtigt wurden, zu motivieren, sich an einem neuen Programm zu beteiligen“, meint er. Zum Hintergrund: Bauern, die bei der Initiative mitmachen, schaffen bessere Lebensbedingungen für ihre Tiere als gesetzlich nötig. Grundanforderungen bei Schweinen sind zum Beispiel Fenster, die Tageslicht in jeden Teil des Stalls lassen. Zudem erfüllen die Teilnehmer einige Wahlpflichtkriterien wie zusätzliches organisches Beschäftigungsmaterial.

Im Gegenzug dafür erhalten die Landwirte eine festgelegte Summe. Für das Beschäftigungsmaterial gibt es beispielsweise einen Euro pro Schlachtschwein. Das Geld kommt von den Lebensmittelhändlern. Diese haben jedoch offenbar nicht damit gerechnet, dass das Interesse so groß ist. Das hatte zur Folge, dass der Fördertopf zu klein war, sodass laut dem Wildeshauser Ortslandvolkvorsitzenden Franz-Josef Dasenbrock nur rund die Hälfte der Antragsteller berücksichtigt wurde.

Frank Stöver inmitten seiner Schweine: In diesem Teil des Stalls werden sie besamt.

Stöver meint, langfristig müsse sich die Landwirtschaft mehr in die Richtung entwickeln, in die die Initiative Tierwohl geht. Sein seit vielen Jahrzehnten bestehender und von seiner Familie geführte Hof bietet dafür durchaus Potenzial: Von seinen rund 3.000 Tieren – vom gerade erst geborenen Ferkel bis zur Sau, die schon mehrfach Nachwuchs bekommen hat – profitieren rund 1.100 Stück. Von dem Rest leben viele im Altbau – wie auf vielen Höfen wurde oft angebaut. „Ich müsste das Dach umbauen, um die Grundvoraussetzung ,Mehr Licht‘ zu erfüllen, aber ich tue mich schwer damit, weil ich nicht weiß, ob ich mein Geld wieder kriege“, erklärt Stöver.

Er beteiligte sich unter anderem an der Initiative, weil er ein wichtiges Wahlpflichtkriterium bereits erfüllt hatte: Seine Jung-Eber werden seit ein paar Jahren nicht mehr kastriert. Allein das bringt 1,50 Euro pro Tier ein. Dahinter steckt, dass die männlichen Schweine Sexualhormone ausstoßen, wenn sie geschlechtsreif sind. Bei einem kleinen Anteil – Stöver sagt zwei Prozent – führt das dazu, dass das Fleisch ungenießbar wird.

Der Landwirt verkauft ein Mastschwein mit einem Standardgewicht von 94 Kilogramm bei einem Preis von 1,28 Euro pro Kilogramm für 133 Euro. Hinzukommen noch die 4,50 Euro, die er pro Tier aus dem Topf der Initiative erhält. Ob er damit reich wird, steht auf einem anderen Blatt. „Die Investitionen kosten mich je Tier rund 3,50 Euro“, meint Stöver. Bliebe noch ein Euro pro Schwein und das auch nur solange die Initiative läuft – also noch zwei Jahre.

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