Improtheater Bremen bastelt im Lili-Servicekino Geschichten aus Zuschauer-Erlebnissen

Theaterspaß mit Raufasertapete

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Auch Sofageschichten gehörten zu den spontanen Kreationen des Improtheater-Ensembles.

Wildeshausen - Kann ein ganz normaler Tag perfekt sein? Jedenfalls machte das Ensemble des Improtheaters Bremen am Sonntagabend im Lili-Servicekino aus den „ganz normalen ersten Adventssonntagen“ der Zuschauer etwas ganz Besonderes.

Ein außergewöhnliches, skurriles und höchst amüsantes Potpourri an Szenen entstand aus den zu Beginn des Abends abgefragten Erlebnissen der Zuschauer an diesem Tag. Dabei war der Titel „Perfect Day“ für so manche Szene eher ironisch zu verstehen – was die Lachmuskeln der Zuschauer umso mehr strapazierte.

So kam es auf der Bühne zum Beispiel zwischen Opa und Enkelin zu einem seltsamen Kommunikationsproblem. Während die eine Schwester sich ganz normal am Telefon mit Opa Alfred unterhalten konnte, schien der Mensch am anderen Ende der Leitung eine wundersame Verwandlung zu vollziehen, sobald der Hörer an Enkelin Nummer zwei weitergereicht wurde. Plötzlich war nämlich nicht mehr Opa Alfred zu hören, sondern lediglich eine männliche Stimme, die auf die Geburtstagseinladung von der Enkelin nur ein unverständliches, fremdartiges Kauderwelsch herausbrachte. Hat Opa einen Sprachkurs gemacht? Das blieb am Ende ein Geheimnis. „Deine Schwester hat mich noch nie verstanden“, erfuhr das bereits fast Tränen lachende Publikum nur noch, als der Hörer noch einmal zurückgegeben wurde.

Lord Witherspoon und sein Butler James machten sich auf der Bühne den Tapetenwechsel zunutze, der für einen Zuschauer am ersten Adventssonntag angesagt gewesen war. „Ich musste heute die Raufasertapete in unserem Schlafzimmer ablösen“, hatte der Mann aus dem Publikum berichtet. Und ebenso war Lord Witherspoon plötzlich der Meinung, die Raufasertapete in seinem Thronsaal müsse runter. „Aber die hängt doch erst seit gestern, wir haben das ganze Land danach abgesucht und mussten ein Schloss dafür verkaufen“, erinnerte ihn James.

Natürlich ließ sich der Lord durch solch Banalitäten in seinem Entschluss nicht beirren. Ob aber braune Blumen auf Papier das Richtige sind, um die Frau anzulocken, die sich der Lord so sehr wünscht? Als die neue Tapete hing, war sich Witherspoon da nicht mehr so sicher. „Ich möchte Raufaser, die kleinen Holzspäne darin sind doch wie kleine Fünkchen Liebe zwischen Papier und Wand. Das fühlt sich an wie Gänsehaut bei einer schönen Frau. Ich möchte einmal in meinem Leben Gänsehaut!“

Aus dem Lieblingstier einer Zuschauerin entstand ein skurriler Boxkampf, den ein 19-jähriger Jüngling gegen den gefürchteten „wilden Wolf“ bestehen sollte. Im Laufe des spritzigen Dialogs stellte sich allerdings heraus, dass der 19-Jährige sich plötzlich kurz vor dem Kampf nicht aus Angst weigerte, in den Ring zu treten, sondern weil er sich schämte, seinen „eigenen 90-jährigen Großvater umzuhauen, nur weil der immer noch den Titel trägt“.

Unzählige weitere fantasiereiche Spontangeschichten fanden Platz in dem rasanten, unterhaltsamen und manchmal auch tiefgründigen Theaterabend. Dabei vergaßen die Schauspieler nicht, ein wenig weihnachtliche Vorfreude zu verbreiten. Zum Beispiel mit dem eskalierenden Streit zwischen Weihnachtsmann, Kindern und Kindergärtnerin. Oder mit der völlig überforderten Supermarktkundin, die im Sommer bei 35 Grad mit Jingle Bells aus dem Kaufhaus-Lautsprecher konfrontiert wird.

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