Kreis-Umweltausschuss: Verwaltung präsentiert unerfreuliche Statistik

Immer öfter landet Müll in der Landschaft

Meist sind es Sperrmüll, Hausmüll und Abfallsäcke, deren sich rücksichtslose Menschen in der Landschaft entledigen. Für den Landkreis ist die Beseitigung mit erheblichen Arbeitsaufwand und hohen Kosten verbunden. 
Foto: Landkreis
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Meist sind es Sperrmüll, Hausmüll und Abfallsäcke, deren sich rücksichtslose Menschen in der Landschaft entledigen. Für den Landkreis ist die Beseitigung mit erheblichen Arbeitsaufwand und hohen Kosten verbunden.

Landkreis – Es ist im höchsten Maße unerfreulich, nicht minder unverständlich, kostet den Steuerzahler jährlich viel Geld und ist darüber hinaus grundsätzlich falsch: wilde Müllablagerungen in der freien Landschaft. Immer wieder berichten Polizei und Landkreis von vorsätzlich in der Natur „entsorgtem“ Unrat: von Bauschutt, über Sperrmüll bis hin zu ganzen Autos. Uwe Dölemeyer vom Amt für Bodenschutz und Abfallwirtschaft des Landkreises Oldenburg hat die Mitglieder des Umweltausschusses während dessen jüngster Sitzung über die Lage informiert. Entsprechende Anträge hatten zuvor die Fraktionen von SPD, Grünen und AfD gestellt.

Die zentrale Frage nannte Dölemeyer gleich zu Beginn: „Woher kommt das?“ Denn theoretisch könne niemand in die Situation geraten, zu einem Umweltsünder werden zu müssen: Denn der Landkreis bietet seinen Einwohnern einmal im Jahr eine kostenlose Sperrmüllentsorgung von bis zu drei Kubikmetern an. Vieles könne ebenso kostenfrei an den drei Wertstoffhöfen (Bargloy, Ganderkesee und Wardenburg) sowie an der Umschlagstation in Neerstedt abgegeben werden.

Doch das Problem nimmt ganz offenbar immer weiter zu, wie Dölemeyer anhand von Zahlen belegen konnte: 881 wilde Müllkippen – zusammen rund 200 Tonnen Unrat – hat der Landkreis 2019 verzeichnet, das ist der höchste Wert bislang. Im Jahr zuvor waren es noch 859, im Jahr 2017 „nur“ 737. Zum Vergleich: 2005, zu Beginn der Statistik, waren es lediglich 310. Die Fallzahlen richten sich weitestgehend nach der jeweiligen Größe der Gemeinde. Und so verwundert es nicht, dass im vergangenen Jahr in Dötlingen nur 36 Müllablagerungen registriert worden sind, in Ganderkesee jedoch 167 (Wildeshausen 144 und Harpstedt 117).

Aufschlussreicher ist da dann schon die Summe umgerechnet auf die Einwohnerzahlen. Und da sehen die Werte schon ganz anders aus: „Müllspitzenreiter“ der vergangenen Jahre ist demnach die Samtgemeinde Harpstedt. 2019 kam die Kommune auf einen Wert von 10,9 Müllkippen je 1 000 Einwohner. Der Durchschnittswert aller Gemeinden lag bei deutlich niedrigeren 6,8. (Zum Vergleich: Wildeshausen 7,2 und Dötlingen 5,8.)

Auch 2018 fand sich Harpstedt ganz oben auf der „Schmutzfinkenskala“ wieder: Erneut lag der Ablagerungs-Index bei 10,9, in dem Jahr dicht gefolgt von Dötlingen mit 10,6 (Wildeshausen: 5,8; Durchschnitt: 6,6). Zur „Ehrenrettung“ für die Samtgemeinde: 2017 lag der Wert mit 5,5 noch unter dem Kreisdurchschnitt von sechs. Dölemeyers Fazit: „Es ist ein Auf und Ab in den Gemeinden.“ Eine Struktur lasse sich nicht erkennen. Und das mache es für das Amt schwierig.

Jeder Müllhaufen bedeute zudem einen neuen Verwaltungsvorgang. Im Zweifelsfall müsse dann eine Firma beauftragt und Angebote eingeholt werden. All das verursache natürlich Kosten. Und auch die sind gestiegen: von 50 000 Euro in 2017 auf jetzt 71 000 Euro. Darin seien zwar bereits die Ausgaben für die erfreulich erfolgreiche Aktion „Saubere Landschaft“ enthalten. Hinzu kämen allerdings noch Aufwendungen für die Entsorgung des eingesammelten Mülls sowie Personalkosten.

Gemeldet werden die Vorkommnisse, so Dölemeyer, zu je einem Drittel von aufmerksamen Bürgern, der Polizei, sowie den Gemeinden. Die Verwaltung sei für jeden Hinweis dankbar und versuche, den Verursacher zu ermitteln. Bei einem Viertel gebe es „Verdachtsmomente“, manchmal in Form von Schriftverkehr oder gar Kontoauszügen. Hoch sei die Aufklärungsquote bei abgestellten Altautos, so Dölemeyer weiter: 80 Prozent können ermittelt werden. Werde der Landkreis eines Frevlers habhaft, folgten Straftanzeigen oder Ordnungswidrigkeitsverfahrens, die mit hohen Bußgeldern einhergehen können.

Um seine Kollegen zu entlasten, gebe es seit rund einem halben Jahr eine Vereinbarung mit den Gemeinden: Die jeweiligen Bauhöfe kümmern sich um ihre Gebiete, in inklusive Gemeindestraßen und Seitengräben. Darüber hinaus setze die Verwaltung weiterhin auf Information und Aufklärung. Neben speziellem Material für Schulen und Lehrer gebe es entsprechende Hinweise auch für die Firmen und deren Mitarbeiter. Broschüren und Infozettel sind in mehreren (Fremd-)Sprachen verfügbar – inklusive Plattdeutsch.  fra

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