Jahresbericht von Donum Vitae: Hoher Zuwachs an syrischen Klientinnen

Immer mehr Schwangere werden beraten

Müssen sich um immer mehr Frauen kümmern: Die Sozialpädagoginnen Brigitte Meyer-Tönjes (links) und Sabine Bernhold. Foto: Donum Vitae

Wildeshausen – In der Schwangerschaftskonfliktberatungsstelle Donum Vitae in Wildeshausen steigt die Zahl der Beratungen weiter an. 2018 waren es 287 ratsuchende Frauen, 2019 schon 327. Davon ging es in 62 Gesprächen um einen Schwangerschaftsabbruch, was dem Niveau von 2018 entspricht. Die Sozialpädagoginnen Brigitte Meyer-Tönjes und Sabine Bernhold erwarten, dass das Beratungsaufkommen weiterhin hoch bleibt. Die allgemeine soziale und finanzielle Situation von Familien mit Kindern, insbesondere von Alleinerziehenden, habe sich nicht verbessert. „Bei den finanziellen Hilfen erwarten wir einen hohen Bedarf, auch bei unseren deutschen Klientinnen.“

Im jetzt vorgelegten Jahresbericht für 2019 heißt es, dass der Zuwachs besonders auf Frauen aus Syrien zurückzuführen ist, von denen 65 die Beratungsstelle aufsuchten. Grundsätzlich sei festzuhalten, dass die Themen komplexer geworden sind. Die Problemlagen in Zusammenhang mit Schwangerschaft seien vielschichtiger. „Bei den Beratungen zu Schwangerschaft und Geburt in Deutschland sowie im Kontext von Familienplanung finden wir große, kulturell bedingte Unterschiede im Vorwissen“, berichten Meyer-Tönjes und Bernhold. „Für viele unserer Klientinnen mit Fluchthintergrund sind Überlegungen zu diesem Thema Neuland. Auch fehlen oft die grundlegendsten Kenntnisse zum monatlichen Zyklusgeschehen. Da ist dann neben den sprachlichen Herausforderungen auch ein besonderes Maß an Feinfühligkeit und kreativem Handeln gefordert.“

Schwangerschaft mit katastrophalen Folgen

Finanziell unterstützt durch eine Spende der in Duisburg ansässigen Welker-Stiftung setzte Donum Vitae 2019 in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule ein Projekt fort, bei dem Frauen unterschiedlichster Nationalitäten aus Sprach- und Integrationskursen die Beratungsstelle aufsuchen. Sehr anschaulich werde dann zum Thema Familienplanung an folgenden Fragen gearbeitet: Wie plane ich meine Familie in Deutschland? Was können wir tun, wenn wir keine weiteren Kinder mehr möchten? Welche Arten von Verhütungsmitteln gibt es? Wie sehen sie aus, wie wirken sie und was kosten sie?

Neben Frauen aus Syrien werden natürlich auch weiterhin viele Deutsche (184) und Osteuropäerinnen beraten (bulgarisch: 80, rumänisch: 14, polnisch: 15 und russisch: 8). Ihr Anteil sei relativ gleich geblieben. Letztere leben oft wegen der Arbeitsmigration in Wildeshausen und umzu. „Eine ungeplante Schwangerschaft bei schwieriger Wohnsituation und befristeten Arbeitsverträgen ist für diese Frauen besonders katastrophal“, heißt es im Jahresbericht.

Klienten aus Migrationskursen

Die Unterstützung durch den Sprachmittlerpool des Landkreises Oldenburg sei bei der Beratung von Ausländern eine große Hilfe. „Wir können dort mit wenig bürokratischem Aufwand und auch kurzfristig eine Übersetzerin anfordern“, heißt es im Bericht. Außerdem könnten die Dolmetschertätigkeiten über das Projekt „Worte helfen Frauen“ des Landes Niedersachsen abgerechnet werden.

Bei Donum Vitae geht es auch darum, Familien und Frauen, die wenig Geld haben, finanziell zu unterstützen beziehungsweise Angebote zu vermitteln. Die in Bonn ansässige Stiftung „Mutter und Kind“ stelle schwangere Frauen und deren Familien eine einmalige Hilfe für die Anschaffung von Umstandsmode, Babyausstattung und Kinderzimmereinrichtung zur Verfügung. Antragsberechtigt sind alleinstehende Schwangere mit einem Bruttoeinkommen unter 1 944 Euro. Für ein Paar ohne Kinder erhöht sich die Einkommensgrenze auf 2 806,50 Euro und bei einem Paar mit zwei Kindern unter fünf Jahren sind es 4 056,50 Euro. Im Jahr 2019 stellten 137 Frauen über die Beratungsstelle in Wildeshausen einen Antrag an die Stiftung. Insgesamt wurden 77 990 Euro bewilligt. Zum Vergleich: 2018 waren es 110 Anträge und 55 110 Euro ausgeschüttete Mittel.

Des Weiteren gibt die Einrichtung gebrauchte Gegenstände von Kinderbetten über Wickelkommoden bis hin zu Autositzen an werdende Mütter ab. Michaela Blömer arbeitet in diesem Bereich ehrenamtlich. Sie konnte im Jahr 2019 insgesamt 121 Familien mit Material ausstatten (Vorjahr: 103).

Gruppe für Alleinerziehende

Ein besonderer Fokus der Arbeit der Beratungsstelle habe immer schon darauf gelegen, Frauen nicht nur in der akuten Konfliktsituation zu beraten, sondern darüber hinaus längerfristige Unterstützung anzubieten. Aufgrund mehrerer Anfragen soll deswegen dieses Jahr eine Müttergruppe, in erster Linie für Alleinerziehende, eingerichtet werden. Unter der Leitung der Psychologin Annette Überschär und Sozialpädagogin Bernhold sollen bei den monatlichen Treffen thematisch-inhaltliche Impulse gegeben werden. Die Frauen hätten die Gelegenheit, sich über ihre besonderen Probleme sowie Erfahrungen auszutauschen und sich zu vernetzen. Ein gemeinsamer Ausflug der Mütter mit den Kindern im Sommer soll das Angebot abrunden.  bor

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