Selbstversuch mit Marathonteilnehmer Fritz Rietkötter

Laufen im Lockdown: Im Ziel winkt der essbare Pokal

Fritz Rietkötter macht eine Dehnübung.
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Gehört nicht zu denen, denen das Dehnen egal ist: Fritz Rietkötter macht nach dem Laufen ein paar Übungen für seine Muskulatur.

Wildeshausen – Laufen ist und bleibt eine Quälerei, aber auch wenn ich mich beim Joggen selbst elendig fühle, geht‘s mir danach besser als vorher. So lautet mein Fazit nach einem dreiteiligen Selbstversuch mit Marathonteilnehmer Fritz Rietkötter. Gemeinsam sind wir mehrere Strecken in und um Wildeshausen gejoggt. Im Lockdown bleibt einem ja auch nicht viel anderes übrig.

Mein Sportkurs wurde zum Beispiel schon wieder abgesagt und jetzt auf den April verschoben. Gleichzeitig vermehrt sich das Hüftgold gefühlt über Nacht. Bei einer Körpergröße von 1,86 Metern ist die Anzeige der Waage stramm in Richtung 90 Kilogramm unterwegs. Eben deswegen ist das Laufen vielleicht gar nicht so schlecht. Die Steuererklärung oder der Besuch beim Zahnarzt sind ja auch kein Vergnügen, bringen aber doch meistens einen Mehrwert.

Apropos mehr: Sollten Sie irgendwann nach Corona in Rietkötters Laufgruppe mitmachen, glauben Sie diesem Mann kein Wort zur Länge der Strecke! Wir sind dreimal unterwegs gewesen. Im Vorfeld hieß es jeweils so „um die fünf bis sechs Kilometer“. Aber am Ende waren wir dann doch merkwürdigerweise immer ein Stück länger unterwegs. Der Wildeshauser will halt ein bisschen Leistung aus den Laufanfängern rauskitzeln. Und das Beste hat er sich natürlich bis zum Schluss aufgehoben.

Es ist unser letzter Lauf, und ich freue mich eigentlich nur, dass ich mein Auto mal wieder bewegen kann. Das steht sich ja in Lockdown-Zeiten sonst kaputt. Davon abgesehen ist die Vorfreude minimal, als ich bei Rietkötter vorfahre. Sie steigt dann aber immens, als er mir erklärt, wegen des Schnees könnten wir leider nicht so viel für die Muskulatur tun wie geplant. Das sei auf den Waldwegen dann doch zu gefährlich. Bei Eis und auch bei Sturm laufe er nicht.

Mampf nach dem Kampf: Mit Apfelkuchen stärken sich Läufer Fritz Rietkötter und Redakteur Ove Bornholt nach dem Joggen.

Mein Einwand, dass hier ja auch überall Schnee liegt, wird dann allerdings nicht berücksichtigt. Stattdessen traben wir von der Hermannstraße Richtung Hölscher Holz. Und gleich zu Beginn habe ich eine bittere Pille zu verdauen: Meine geliebten Gehpausen werden arg reduziert. „Damit du vom Kopf her merkst, dass du sie nicht brauchst“, sagt Rietkötter. Vergebens suche ich nach einem Augenzwinkern. Nein, der meint das ernst. Also wird gelaufen. Dreieinhalb Kilometer mit einer winzigen Pause dazwischen. Als wir endlich (!) zum zweiten Mal ein Stück gehen, muntert mich Rietkötter auf: „Jetzt hast du schon über die Hälfte geschafft.“ Stimmt natürlich nicht, aber ich bin ja wegen des Sauerstoffmangels so blöd, ich glaube ihm das dann auch noch.

Weiter geht´s. Die Straße oder besser gesagt der Feldweg ist stellenweise gefroren, aber es läuft sich eigentlich ganz gut. Nebel hängt über den Feldern. Hin und wieder treffen wir einen Spaziergänger mit Hund, ansonsten ist nicht viel los. Kein Wunder, bei Temperaturen knapp unter null bleiben die meisten zu Hause. Das schätze ich ja auch an meinem Sofa: Die klimatischen Bedingungen sind immer gut.

Ach ja, das Sofa. Bevor ich mich da wieder drauflegen kann, geht es nun durch den Wald. Das Hölscher Holz bietet laut Rietkötter diverse schöne Wege. Vor allem im Sommer sei es dort angenehm kühl. Die Kälte treibt mich mittlerweile nicht mehr um, Zehen und Finger sind erwärmt. Als nächsten Stopp ruft Rietkötter eine Weggabelung aus, läuft dann aber munter weiter, als wir eigentlich längst hätten gehen sollen. Ich sage natürlich nichts, bin ja kein Weichei, und atme erleichtert auf, als er dann doch geht.

Vor uns kreuzen drei Rehe den Weg. Zwei Beine mehr, 60 Kilo weniger, unter diesen Voraussetzungen würd‘ ich hier auch rumspringen. Tue ich aber nicht. Stattdessen schleppe ich mich weiter und weiter. Diese Laufwege im Wald sind echt übel, weil ich inzwischen keine Ahnung mehr habe, wo wir sind. Und noch viel wichtiger, wie lange es denn noch dauern wird. Die Rehe kreuzen schon wieder die Fahrbahn. Angeber!

Dann sagt Rietkötter mal was Positives. Seine Frau habe eine Art essbaren Pokal für mich angefertigt. Essbar? Da bin ich doch gleich ganz Ohr und erfahre, dass es sich um Kuchen handelt. Dergestalt motiviert bringe ich weiter Meter für Meter hinter mich. Dabei setze ich mir immer Zwischenziele, von Baum zu Baum.

Vorhin sind wir an einem Schild vorbeigekommen, auf dem Heilstättenweg stand. Dann müssen wir jetzt ja Richtung Diakonie laufen, versuche ich mich zu orientieren. Dabei laufe ich stumpf immer weiter. Und dann ist es so weit: Wir biegen aus dem Wald auf eine richtige Straße ein. „Die Lichter von dem Mercedes da vorne sind das Ziel“, sagt Rietkötter. Und dann ist es geschafft. Nur fünf Wörter, aber meine Erleichterung ist riesig.

Am Ende sind wir 7,89 Kilometer in 63 Minuten gelaufen. Dafür, dass ich vor nichtmal zwei Wochen nach 6,25 Kilometern völlig fertig war, geht‘s mir okay. Schon am nächsten Tag wird sich der Muskelkater legen. Und momentan habe ich den festen Vorsatz, nächste Woche um die gleiche Zeit wieder Laufen zu gehen. Mal gucken, wie weit ich ohne Rietkötter komme.

Lauftreff

Fritz Rietkötter organisiert den Wildeshauser Lauftreff, der in Nicht-Coronazeiten Einsteigerkurse anbietet. Die Teilnahme ist kostenlos. Weitere Infos auf der Internetseite www.wildeshauser-lauftreff.de sowie unter Telefon 04431/71512.

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