Wildeshauser Polizei sensibilisiert 400 BBS-Schüler für Gefahren im Straßenverkehr

„Ihr seid eine Risikogruppe“

Fahrsimulator: realistische Darstellung des Verkehrsgeschehens an der Tafel.

Wildeshausen – Das anfängliche Lachen und Kichern ist einer tiefen Stille gewichen. Denn was Rolf Quickert und Ann-Kathrin Wiedenfeld von der Wildeshauser Polizei den Schüler der Berufsbildenden Schulen in Wildeshausen (BBS) an diesen Mittwochvormittag präsentieren, ist wortwörtlich todernst. Dabei sind es zunächst bloß Worte: Was passiert mit einem Autofahrer, wenn er unangeschnallt mit Tempo 80 gegen einen Baum fährt? In Zehntelsekunden unterteilt, schildern nüchterne Sätze an der Tafel die letzte Sekunde bis zum Aufprall: Wie die Knochen brechen, der Fahrer von der Lenksäule durchbohrt wird, sich die Lungen mit Blut füllen, der Schock einsetzt ... Später sollten noch Bilder folgen, von tatsächlichen Unfällen – Aufnahmen am jeweiligen Unglücksort.

„Wer da nicht hingucken mag, kann wegschauen oder rausgehen“, hatte Quickert angeboten. Doch geht es nicht um den Schock-Effekt, sondern um das Verständnis: Warum ist es gefährlich, sich nicht oder nicht richtig anzuschnallen? Warum sollte der Beifahrer die Füße nicht auf das Armaturenbrett legen?

Die Schüler hören aufmerksam zu, beantworten die Fragen, niemand macht Scherze. Der Polizist trifft den richtigen Ton – sachlich und ernst, direkt, verbindlich und verständlich, aber nicht plump kumpelhaft oder gar predigend. „Ihr seit eine Gefahrengruppe“, spricht er die Schüler im Alter zwischen 16 und 21 Jahren an.

Etwas lockerer ging es zuvor in dem Klassenraum zu, als zwei Schüler eine „Alkoholbrille“ sowie eine „Drogenbrille“ und einen Fahrsimulator ausprobierten. Als die beiden schon kurz nach dem Aufsetzen leicht durch den Raum torkeln, lachen die Mitschüler noch vereinzelt. Als beide im Fahrsimulator jedoch versagen, herrscht schlagartig Nüchternheit im Raum. Diese Situationen seien ohne Beeinflussung alle zu meistern gewesen, sagt Quickert. „Einen Unfall muss man vermeiden können“, geht er kurz auf die rechtliche Lage ein – wer dies, aus welchem Grund nicht könne, handele sich daher schnell eine Anzeige ein.

Es ist der letzte von zehn Tagen, an denen Quickert und seine Kollegin Wiedenfeld Schüler an der BBS zum Thema Verkehrssicherheit schulen. Rund 400 junge Frauen und Männer haben an den jeweils dreistündigen Kursen teilgenommen. Schulleiter Jens Haar und Lehrer Ludger Kolhoff bedankten sich bei den beiden Beamten für ihr Engagement und dem Kommissariat in Wildeshausen für die fortwährende Unterstützung – denn die Schule veranstaltet die Kurse bereits seit rund 15 Jahren. Im kommenden Jahr werde die Aktion weiter fortgesetzt, dann stehe wieder ein Überschlagssimulator bereit, so Kolhoff. „Danke, dass wir die Polizei Wildeshausen hier vor Ort haben, die unsere Schüler sensibilisiert“, lobte er.

Haar schloss sich dem Dank an und wandte sich noch einmal kurz persönlich an die jungen Menschen vor ihm im Raum: „Wir verlieren ab und zu Schüler“, sagte er. Er erinnere sich noch allzu gut an einen Lehrling aus Delmenhorst, von seiner vorigen BBS. „Jetzt fängt das Leben an“, habe dieser nach seiner erfolgreich beschlossenen Gesellenprüfung in einem Januar gesagt. Im Frühjahr hatte er sich dann mit dem Motorrad seines Vaters totgefahren. „Ich bin selbst Motorradfahrer“, sagte Haar. „Das hat mir unheimlich wehgetan, da habe auch ich geweint“, gestand er den Schülern. Und schloss mit einem Appell: „Ihr müsst auf euch aufpassen.“  fra

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