Interview: Ideenklau verhindern

Kay Lutz Pakula gibt Erfindern Tipps, wie sie ihre Entwicklung schützen können

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Kay Lutz Pakula.

Wildeshausen – Aus Erfindergeist und guten Ideen entstehen neue Produkte oder Verfahren. Wer viel Zeit, Energie und Geld in die Entwicklung gesteckt hat, möchte nicht, dass andere diese einfach nutzen. Doch was kann ein Erfinder gegen Ideenklau tun? Die Wirtschaftsförderungsgesellschaft im Landkreis Oldenburg hilft – unter anderem mit Beratungen durch Kay Lutz Pakula, Beauftragter für Innovation und Technologie bei der Handwerkskammer Oldenburg.

Herr Pakula, Sie bieten von der Handwerkskammer Oldenburg in Kooperation mit der Patentanwaltssozietät Jabbusch Siekmann & Wasiljeff sowie der Oldenburgischen Industrie- und Handelskammer den Beratungstag „Ideenklau – Nein danke!“ in Wildeshausen an. Gibt es Ideenklau in unserer Region?

Ja, das gibt es hier auch. Aber diesem Ideenklau wollen wir mit unserer Beratung während des sogenannten Erfindersprechtags möglichst vorbeugen. Zu uns kommen Menschen, die eine gute Idee haben. Mithilfe der Kompetenz der Patentanwälte schauen wir, wo geeignete Schutzmöglichkeiten bestehen. Aber es kommen auch Menschen, die eine vermeintliche Schutzrechtsverletzung festgestellt haben.

Was für Schutzmöglichkeiten gibt es?

Es gibt technische Schutzrechte. Diese werden vergeben, wenn die Kriterien „Erfinderische Tätigkeit“, „Gewerbeliche Anwendbarkeit“ und „Neuheit“ gegeben sind. Am bekanntesten ist das Patent, das auf bis zu 20 Jahre verlängert und international ausgedehnt werden kann. Vom Gebrauchsmuster – auf bis zu zehn Jahre verlängert – unterscheidet es sich dadurch, dass es ungeprüft eingetragen wird und sich rein auf den Geltungsbereich Deutschland begrenzt.

Wie erhalte ich ein Patent?

Um ein Patent zu bekommen, muss vor der Eintragung geprüft werden, ob gegebenenfalls Rechte von anderen verletzt werden. Beim Gebrauchsmusterschutz wird eine Prüfung in der Regel erst im Streitfall durch das Gericht veranlasst.

Welchen Schutz bietet mir das Patent?

Wenn ich etwas ganz Neues entwickelt habe, das auch für die wirtschaftliche Vermarktung attraktiv ist, könnte es sein, dass ein anderer Vermarkter die Idee übernimmt. Ein technisches Schutzrecht unterbindet die Nachahmung.

Wie viele Interessenten kommen zu Ihrem Sprechtag?

Es gibt ein reges Interesse am Erfindersprechtag. Es kommen in der Regel zehn bis zwölf Personen. Wir wollen Ideengebern einen geschützten Raum für Informationen bieten. Für viele stellt der Zugang zum Patentanwalt eine Hemmschwelle dar. Wir haben Entwickler, die haben eine Idee, wie sie ein Produkt verbessern können. Die reden gar nicht von einer Erfindung, geschweige denn einer Innovation. Oftmals birgt diese Weiterentwicklung auch kein Potenzial für ein technisches Schutzrecht, wohl aber für eine neue Marke oder ein Design. Dies zu schützen hilft ihnen bei der Vermarktung.

Ist Ihnen schon einmal eine Erfindung untergekommen, die eine große Erfolgsstory hatte?

Groß oder nicht so groß: Ich sehe immer wieder Gegenstände, die aus der Region stammen und sich durchgesetzt haben – beispielsweise auf Messen. Ross und Reiter möchte ich Ihnen vor allem aus Datenschutzgründen nicht sagen. Die Sitzungen und was dort besprochen wird, unterliegen der Verschwiegenheit. Sich vertrauensvoll an uns wenden zu können, ist ein wichtiges Fundament des Erfindersprechtages. Eine Anekdote? Einmal habe ich einem Unternehmer die Beratung empfohlen, weil die Vermutung nahelag, gegen das Schutzrecht eines anderen zu verstoßen. Die Patentanwälte haben jedoch festgestellt, dass es sich um ein ganz neues Produkt handelt, für das unbedingt ein Patent angemeldet werden sollte. Diese Erfindung geht nun in die Vermarktung und soll noch in diesem Jahr auf Messen vorgeführt werden.

Zur Info

Der nächste Sprechtag „Ideenklau – Nein, danke!“ ist für Dienstag, 5. November, ab 9 Uhr mit Einzelgesprächen bis zu 30 Minuten bei der Wirtschaftsförderung des Landkreises Oldenburg im Wildeshauser Kreishaus an der Delmenhorster Straße 6 geplant. Weitere Informationen erhalten Interessierte bei Katja Pianka unter Tel. 0441/232239 oder per E-Mail an pianka@hwk-oldenburg.de.

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